Vom Sinn, Unsinn und der Dankbarkeit

Nun sitze ich hier also. Ich warte darauf, dass wir zum Kinderarzt aufbrechen können. Ich bin dankbar, dass unsere Gesellschaft es vorsieht, dass man als Elter von kleineren Kindern auch mal zum Versorgen der Kinder zuhause sein muss. Dass die Solidargemeinschaft einspringt und das übernimmt.

Schade finde ich, dass Eltern nicht genug vertraut wird oder zugetraut wird selbst einzuschätzen, ob das Kind nun wirklich zuhause bleiben sollte.

Die Große hat eine Erkältung. Erst fühlt es sich an wie ein verdorbener Magen, dann kommt Fieber und Schnupfen, dann wird es wieder vorbei sein. Woher ich das weiß? Weil es vor ein paar Tagen bei mir genauso war. Ich lag ein paar Tage völlig lahmgelegt im Bett und habe nicht einmal gelesen. Danach war es wieder halbwegs in Ordnung.
Sie hat die gleichen Symptome, warum also sollte es etwas anderes sein?

Natürlich geht man mit seinen Kindern kein Risiko ein. Wenn ich mir unsicher bin, gehe ich selbstverständlich mit ihnen zum Arzt.

Aber eben auch wenn ich mir sicher bin, dass es das Beste wäre, wenn sie einfach zuhause viel Tee trinken, viel schlafen und viel kuscheln und nicht in der winterlichen Kälte an der Bushaltestelle auf dem Weg zum Kinderarzt rumfrieren, um dann im Wartezimmer alles an neuen Vieren und Bakterien mitzunehmen, um das ohnehin geschwächte Immunsystem anzugreifen.
Trotzdem wir es genau so laufen, denn ich brauche ja den Wisch vom Kinderarzt um zu beweisen, dass sie wirklich krank ist.
Möglicherweise dauert es dadurch länger. Wahrscheinlich werden die ohnehin völlig überlasteten Kinderärzte von Eltern wie mir zusätzlich mehr oder weniger unnötig belastet. Mehr oder weniger, weil dieser Wisch für mich eben nötig ist.

Und so dankbar ich bin, dass ich die Möglichkeit habe mich um mein krankes Kind zu kümmern, Tee zu kochen, zu kuscheln und vorzulesen, so traurig macht es mich doch auch, dass ich mir heftige Sorgen mache, dass es meinem Arbeitgeber oder meinen Kolleginnen zuviele Fehltage werden könnten, dass ich wider meinem gesunden Menschenverstand handeln muss und mein Kind mit einer einfachen Erkältung in ein virenverseuchtes Wartezimmer setzen muss. (Übrigens auch mich selbst, mit meinem Restschnupfen.)

Das einzig Tröstliche ist, dass die Erkältungen weniger werden. Während bei meinen Krippenkindern noch der Kommentar kam: “Dein Kind ist aber ganz schön oft krank” (laut Kinderarzt unterer Durschnitt für ein Krippenkind, aber erkläre das mal jemanden mit Kindern, die nie in einer Krippe waren oder jemandem ohne Kinder…) sind Erkältungen mittlerweile so harmlos und überschaubar, dass die vorgesehenen Betreuungstage locker reichen (besonders, da meistens eh der wunderbare Ehemann übernimmt und mir das Wartezimmer sitzen erspart). Und irgendwann, werden meine beiden besten Geschenke der Welt mich nicht mehr brauchen wenn sie krank sind. Mama-Kuscheln ist dann nicht mehr die Medizin der Wahl. Und ich fürchte, das geht ohnehin schneller als mir lieb ist.

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