Voll neidisch!

Relativ oft schreibe ich als Kommentar, sei es auf eine Nachricht hin oder in einem sozialen Netzwerk oder ich sage von Angesicht zu Angesicht so etwas wie „Neid!“, „Ich bin total neidisch!“ „Woa, neid, neid, neid!“, „NEID!!!“.

Was mir dabei aber immer öfter durch den Kopf schießt ist „Halt mal, das stimmt doch so gar nicht, das ist doch gar nicht, was ich wirklich meine.“ Denn was ich tatsächlich meistens meine ist eher: „ Ich freue mich total für Dich. Das hört sich gut an, was Du da hast/machst/siehst/wo Du bist. Das könnte ich mir auch gut für mich selbst vorstellen.
Oder – und das kommt dem Neid noch fast am nächsten – das würde ich auch gerne mal sehen/schmecken/erleben.“

Was eigentlich nie dabei ist, ist die Missgunst, die Neid doch eigentlich begleitet. Ich freue mich wirklich aufrichtig für meine Mitmenschen in so einem Fall. Erstens bin ich mit meinem Leben im Großen und Ganzen recht zufrieden (von ein paar Ausnahmen abgesehen) und zweitens, und das ist vielleicht der entscheidende Punkt, würde ich Neid sicher nicht öffentlich artikulieren. Nicht echten, hässlichen, scheußlichen NEID.
Den empfinde ich auch manchmal für den einen oder anderen Moment, wie jeder. Allerdings kommt dann schnell ein „Ja, aber“.
Denn wenn man genauer darüber nachdenkt, will man oft nicht bis in die letzte Konsequenz mit anderen tauschen.
Klar wäre es mir lieber wenn jeder in meiner Familie kerngesund wäre. Aber dann wäre es eben eine andere Familie, nicht meine und das würde ich nicht wollen.
Klar wäre es schön zu reisen und die Welt zu sehen, aber das ginge eben nicht mit meinem Leben.
Klar ist es schön, wenn man sonntags nobel essen gehen kann oder einfach mal Abends weggehen kann, aber deswegen auch nur im Ansatz auf meine Kinder verzichten? NIEMALS.

Und so komme ich schnell zurück auf den Boden des sich für andere freuens. Denn die haben eben dieses Leben und ich gönne ihnen alles schöne darin von Herzen.

Ausnahmen gibt es da wirklich nur wenige. Und das sind in der Regel Menschen, die man eben nicht so mag. Da ist es aber weniger der Neid, als eine generelle Missgunst. Auch das muss es geben. Aber niemals öffentlich. Deswegen: nicht verraten, gell?

Zufriedenheit

In meinen Single-Zeiten war ich generell zufrieden. Trotzdem plagte mich
ab und zu eine große Unzufriedenheit. Ich entsprach mit meiner Zufriedenheit
ja nicht der gesellschaftlich angenommenen Norm, nach der Zufriedenheit nur
im Zustand der Verpaarung zu erreichen sei.

Zudem war ich zu dieser Zeit speziell an Feiertagen und Ferienzeiten besonders
unzufrieden, weil ich da besonders diese „Lücke“ in meinem Leben zu spüren
bekam. Selbst Aussagen meiner weniger zufrieden verpaarten Freunde im Stil „Du weißt gar nicht, wie gut Du es hast!“, halfen mir in diesen Momenten kaum weiter, implizierten sie doch ebenfalls einen Mangel, in diesem Fall an Wissen über den Zustand des „Nicht-Single-Seins“.
Ich war also meist zufrieden und wenn ich unzufrieden war, dann zu 80% weil die
Gesellschaft mir in irgendeiner Form suggerierte, ich müsse unzufrieden sein.

In meinen verpaarten Zeiten war ich generell zufrieden. Trotzdem plagte mich ab und zu eine große Unzufriedenheit. Ich entsprach mit meiner Zufriedenheit ja nicht der gesellschaftlich angenommenen Norm, nach der Zufriedenheit nur durch absoluten, mehr oder minder kompromisslosen Individualismus zu erreichen sei.
Zudem war ich zu dieser Zeit speziell kurz vor Feiertagen und Ferienzeiten besonders unzufrieden, da die Planung und Vorbereitung Kräfte raubte und Nerven strapazierte. Die Perfektion die, die Gesellschaft bei solchen Ereignissen zu erwarten scheint,
setzte mich regelmäßig furchtbar unter Druck. Und selbst Aussagen von Single-Freunden in der Arte wie „Du hast wenigstens jemanden zum Feiern und Verreisen!“,
halfen mir in diesen Momenten kaum weiter.
Ich war also meist zufrieden und wenn ich unzufrieden war, dann zu 80% weil die Gesellschaft mir in irgendeiner Form suggerierte ich müsse unzufrieden sein.

Meine Theorie ist diesmal, dass man immer so zufrieden ist wie man sich fühlt, weitgehend unabhängig von den äußeren Umständen. Zufriedenheit kommt von innen, von einem selbst. Unzufriedenheit dagegen kommt häufig von außen. Vielleicht brauchen wir alle eine Art Schutzschild gegen Unzufriedenheit um unsere innere Zufriedenheit in Ruhe hegen und pflegen zu können?

Jetzt bin ich so zufrieden wie mein Schutzschild die Unzufriedenheit abhält. Dabei ist es egal, ob ich Single oder in einer Beziehung bin. Und vor allem versuche ich, dass es mir egal ist, was „die anderen“ von mir wollen.