Schrumpfen

Als Kind meint man, man würde größer, je älter man wird. Man meint, man hätte mehr Möglichkeiten. In Wirklichkeit sieht es nur so aus, als würde man größer. In Wirklichkeit wird man immer kleiner und unbedeutender. Zumindest die meisten von uns.

Unlängst hatte ich ein interessantes Gespräch mit meiner Großen.
Kind: „Erwachsene müssen ganz schön viel“
Ich: „Naja eigentlich meinen wir nur, dass wir viel müssen, manches müssen wir gar nicht“
Kind: „Doch klar musst Du. Du musst z.B. in die Arbeit, damit wir unsere Miete bezahlen können und etwas zum Essen kaufen.“
Irgendwie war ich ganz froh, dass wir an diesem Punkt unser Ziel erreicht hatten und das Gespräch unterbrochen wurde.

Erstens, weil man ja durchaus erklären könnte, dass es noch einige andere Möglichkeiten gäbe, dann aber in die Verlegenheit käme zu erklären warum man sich eben genau für dieses Müssen und nicht für anderes Müssen entschieden hat.
Zweitens, weil es traurig ist, wie sehr das eigene Kind die Begrenztheit der Mutter bereits wahrnimmt.
Als Kind hat man noch so viele Abzweigungen vor sich. Man hat noch die Chance, der Welt etwas Positives zu hinterlassen.
Als Erwachsener hat man immer weniger Abzweigungen vor sich, immer mehr „Müssen“.

Und ich persönlich hinterlasse der Welt nicht so wahnsinnig viel.
Ich arbeite als Edeltippse, da macht man die Welt nicht zu einem besseren Ort. Und außer ein paar ordentlich sortierten, abgehefteten Papierbergen bleibt nicht viel.
Ich habe keinen Garten, in den ich wenigstens einen Baum pflanzen könnte. Für ein Buch fehlt mir der Atem, die Schreibe, die Ideen.

Das Beste, was ich der Welt gegeben habe, sind diese beiden wunderbaren Kinder.

Und wenn ich als Mutter keinen Mist baue, bleiben sie womöglich so wunderbar wie sie sind.