Katalog

Manchmal macht das Internet den Eindruck, eine einzige große Warenwelt zu sein, in der man sich in einem Netz von Preisvergleichen und Empfehlungen, Produktbeschreibungen und Anwenderkommentaren nur verheddern kann.

Interessanterweise gehören zu der großen bunten Warenwelt dort draußen auch Menschen. Damit meine ich nicht nur Menschen, die Produkte verkaufen, anpreisen, testen und bewerten sondern in diesem Fall besonders Menschen, die sich selbst zum Produkt machen (lassen). Und um noch genauer zu werden, meine ich damit nicht irgendwelche schlüpfrigen Anzeigen, sondern Vermittlungsbörsen aller Art und etwas weniger auffällig alle Arten von sozialen Netzwerken.

Vor nicht allzu langer Zeit, war ich z.B. auf der Suche nach AuPair Vermittlungsagenturen (nicht für mich, aber in Recherchen bin ich eben gut). Und siehe da, schon auf der ersten Seite breitete sich vor mir ein Katalog von Menschen aus. Wie Bestellbräute bei LuckyLuke gab es hier„Produktbilder“ und die entsprechende „Artikelbeschreibung“.

Diese Gelegenheit, war allerdings nicht das erste Mal, dass ich den Eindruck hatte, einen solchen Menschenkatalog vor mit zu haben.

Vor zwei oder drei Jahren, als ich damals gerade relativ frisch versinglet war, empfahl mir eine Freundin, mich in einer Partnerbörse anzumelden. Nach ihren mehr oder weniger umfangreichen Selbstversuchen und einer kurzen Recherche landete ich, zeitversetzt zum testen bei zwei einschlägigen Börsen. Eine davon war für mich als williges Weibchen kostenfrei. Jedes Klischee wurde schnell bedient und die Angebote waren oft recht schnell, recht eindeutig. Auf der Startseite fanden sich die Sonderangebote und Neuheiten in bunten Bildern und kurzen Headlines angepriesen. Bei näherem anklicken konnte man sich eine mehr oder weniger detaillierte Artikelbeschreibung durchlesen. Die Lieferzeiten (von potentiellen Antworten) ließen sich meist schnell errechnen. Und wie das so beim Bestellen in Katalogen ist, war man des Öfteren vom letztendlich gelieferten Produkt enttäuscht (sicher durchaus in beide Richtungen). Natürlich war das kein Problem, denn man hatte unbegrenztes Rückgaberecht (anders bei den AuPairs, das ist wohl mehr wie Leasing soweit ich das verstanden habe).

Letztendlich war es, wie so oft bei mir, dass mir die Schnäppchenjagd auf Dauer nicht gefiel. Nach etwa einer Woche beendete ich das Ganze wieder und löschte meine komplette Produktbeschreibung.

Im Premiumsegment fühlte ich mich besser aufgehoben. Zwar bekam man ein detailliertes Angebot mit Bild nur auf Anfrage, aber die Produktbeschreibungen waren aussagekräftiger und die Produkte einfach hochwertiger.

Trotzdem fand ich nach zwei oder drei Wochen onlineshoppen,dass ich in der echten bunten Warenwelt doch besser aufgehoben sei und verließ auch diesen Katalog – in der Tasche ein paar Testobjekte für den Bekanntenkreis.

Zugegeben, das stabilste und schönste Testobjekt habe ich nach über einem Jahr im Kumpeltest dann doch behalten. Ich glaube, das Rückgaberecht ist vielleicht abgelaufen.

Mal sehen. Und derzeit genügt es mir völlig in der bunten Warenwelt Schaufenster zu bummeln.