Supermom

Als Kind wollte ich (jetzt mal nur in groben Zügen), dass meine Mutter mich lieb hat, Zeit für mich hat, mich nicht zwingt saure Leber, Kalbsbries, Rosenkohl  und ähnliche Schmankerl „wenigstens zu probieren“ und mich so nimmt wie ich bin. Das Komplettpaket hat mal mehr und mal weniger funktioniert (Ein kleiner Tipp, wo es zum Beispiel chronisch weniger funktioniert hat: Ich bin nicht ohne Grund relativ früh Vegetarierin geworden, die Summe der grässlichen  Dinge die man „wenigstens probieren“ muss reduziert sich dadurch enorm).

Das Anforderungsprofil an Mütter von heute ist dagegen in meiner Wahrnehmung ein bisschen spezieller.

Mütter sollen nach wie vor Zeit haben, daher maximal Teilzeit besser gar nicht Arbeiten. Gleichzeitig sollen sie aber ein gutes Rollenvorbild sein und daher Vollzeit arbeiten, denn das sollen die braven Kinderchen ja später auch wollen. Sie sollen selbstverständlich alles selbst kochen, gesund, frisch und Bio am besten aus dem eigenen gepflegten Garten. Gekaufte Haferflocken? Pfui, da ist ja nichts mehr an gesunden Inhaltsstoffen drin!

Mütter sollen die Kinder nicht nur lieb haben sondern Freiraum lassen und gleichzeitig Grenzen setzen, keine Egoisten erziehen aber das Kind als Königskind behandeln, Fördern mit Kinderturnen, Sprach- und Musikkursen, Werk- und Bastelkursen, Ballett, Kinderyoga, Meditation und MINT-Workshops aber ja dem Kind genug Zeit zum Langweilen und selbst spielen und entdecken lassen.

Mütter sollen Geld verdienen, putzen, aufräumen, kochen, einkaufen, Faschingskostüme, Schlafanzüge, Hosen, Kleidchen selbst nähen, stricken, basteln, heimwerken, bloggen, Pflanzen ziehen,….

Und natürlich ganz wichtig, bei alle dem: Mütter dürfen sich selbst nicht vergessen, sie sollen sich genug Zeit für sich selbst nehmen. Einem oder besser mehreren schönen Hobbies nachgehen.
Hach, wie schön. Nur, tja, wann?!?

Vielleicht sollte man in manchen Dingen doch einen Schritt zurück machen, und einfach mal herausfinden, was die eigenen Kinder von einem wollen. Liebgehabt werden, angenommen werden, wie sie sind, Zeit für sie, egal in welcher Form und manchmal (wenn es überraschender Weise doch schmeckt) vielleicht sogar gezwungen werden, etwas neues oder bekanntes zum Essen zu probieren.
Ich verspreche: Leber kommt mir nicht in die Pfanne.