Müde

Manchmal bin ich einfach müde. Ob das an der Zeitumstellung liegt oder Frühjahrsmüdigkeit ist oder einfach eine Alltagsmüdigkeit weiß ich nicht. Es ist eine bleierne Müdigkeit, die sich über alles legt. Mein Bett zieht mich an wie ein riesiger starker Magnet, der in der Lage ist Fleisch und Knochen anzuziehen. Aber das Bett hält nicht, was es mir heimlich versprochen hat. Es lässt mich nicht aus einem erfrischenden kurzen Mittagsschlaf erwachen sondern spuckt mich aus, frierend, knatschig und müder als zuvor.
Das Bett ist so ein Lügner, wenn es um den seltenen, wunderbaren, luxuriösen Mittagsschlaf geht.

Einzig im Hochsommer, wenn man über jede Erfrischung dankbar ist, und die Mittagshitze zäh über die Stadt fließt, wenn man das Haus nur Nachts verlassen möchte, um nicht zu einer breiigen Masse zu werden, unfähig zu denken, unfähig sich groß zu bewegen, dann – ja dann – lässt einen das Bett nicht mehr frieren. Dann schläft man gar nicht erst ein vor Hitze. Man liegt dann da, schwitzt, ist erschöpft und müde, so müde.

Dornröschen hatte wohl ein zuverlässigeres Bett. Allerdings wäre es wenig alltagstauglich, wenn man gleich 100 Jahre schlafen würde.
Eine viertel Stunde, eine Stunde, was weiß ich.
Vielleicht meint es mein Bett also doch gut mit mir. Vielleicht ist es eher ein „Genug gefaulenzt, Dein Alltag bleibt nicht wie bei Dornröschen stehen, der geht immerzu weiter, und weiter und weiter.

Braves Bett!
Nur das mit dem Frieren …

…doch noch die Nachtigall…

Wenn man sich an einen bestimmten Schlafrhythmus gewöhnt hat, fällt es schwer, ohne besonderes Training wieder davon abzuweichen. Manche behaupten, das sei erst so, seit sie keine zwanzig mehr sind, ich glaube aber, dass ihr Schlafrhythmus mit zwanzig einfach noch näher an einer durchzechten Nacht lag als vielleicht mit vierzig.

Bei mir jedenfalls, war nur in meiner „wilden Phase“ ein ähnlicher Schlafrhythmus vorhanden, weshalb es mir Anfang dreißig in jener Phase deutlich leichter fiel mir die Nächte um die Ohren zu schlagen als mit zwanzig. Damals war es quasi schon fast ein leichtes mit einer der ersten S-Bahnen morgens  nach Hause zu fahren und trotzdem an den folgenden Tagen mehr oder weniger voll funktionsfähig zu sein. Es war kein Problem, nach einer langen Nacht zum Frühstück irgendwo einzufallen und danach erstmal den Wochenendeinkauf zu erledigen. Heute ist das wieder anders.

Jetzt in der „staaden Zeit“, in der eine Weihnachtsfeier die nächste Verabredung zum Glühweintrinken jagt, wäre dieses Training sehr hilfreich. Bei mir allerdings ist es nicht existent.

So kommt es wie in jedem Jahr. Die Feier fängt gerade an in Gang zu kommen, und ich denke nur noch „eigentlich wäre ich seit zwei Stunden im Bett“.

Ich gebe mir wirklich jedes Jahr wieder Mühe, Ehrenwort. Aber es kommt, wie es kommen muss. Ich gehe tief in der Nacht nach Hause, so um elf oder zwölf und bin dann meist die erste die geht.

Die nächsten zwei Tage ist auf Grund des immensen Schlafdefizits mit mir dann nichts anzufangen. Zum Glück ist die Phase des Feiern „Müssens“ schnell vorbei und es ist ja trotzdem immer wieder ausgesprochen nett. Und ein kleines Training, um nicht völlig in den Schlafrhythmus eines Säuglings zu rutschen.