Spielplätze

Spielplätze können so unterschiedlich sein. Genauso ist die Nutzung von Spielplätzen ganz unterschiedlich. Klar, erstmal ist da die ursprünglich geplante Nutzung. Kinder gehen dorthin um zu spielen.
Allerdings habe ich durchaus Erinnerungen auch als Teenager auf verlassenen Spielplätzen auf Schaukeln mit Freunden einen geruhsamen Gedankenaustausch gehabt zu haben. Wir ließen nicht nur die Seele, sondern auch den Körper baumeln. Manchmal begegnen einem auf Spielplätzen auch saufende oder randalierende Teenager.

Und interessant ist es auch die Eltern zu beobachten. Als Kind haben mich die Eltern nicht sonderlich interessiert. Als Elter dann natürlich schon. Und auf Spielplätzen prallen die unterschiedlichen Erziehungs-ansätze wie sonst vielleicht nur auf Elternabenden aufeinander.

Natürlich gibt es in bestimmten Vierteln bestimmte Häufungen von Elterntypen, aber einige statistische Ausreißer gibt es wohl überall. Daher hier eine kleine Übersicht:

1. die Sportlichen

Diese Gruppe kommt oft mit einem halben Fuhrpark zum Spielplatz. Roller, Blades, Fahrrad mit Anhänger (in dem dann noch weitere Fahrgeräte transportiert werden), Laufrad,… Sie findet man in der Nähe von Klettergeräten, auf denen die Kinder zu Höchstleistungen angestachelt werden. Meist haben sie noch ein paar Wasserflaschen im Gepäck. Entspanntes Schaukeln ist bei dieser Gruppe so gut wie ausgeschlossen. Gesprächsthemen sind die Erfolge (nicht nur sportlicher Art) der Sprösslinge. Was Förderung betrifft, kann man sich hier sicher eine Scheibe abschneiden.
Das Leben ist ein Wettkampf, Erziehung auch.

2. die Entspannten

Diese Gruppe, sitzt meist im Rudel auf sonnigen Bänken. Es kann schon vorkommen, dass sie mal das eine oder andere Spielgerät der Kinder vergessen haben aber sie haben vermutlich an Ihren Kaffee für unterwegs gedacht. Sie beobachten, wie die Kinder sich selbst beschäftigen, in Krisensituation sind sie in der Nähe aber im Großen und Ganzen geben Sie den Kindern Raum, sich mit sich selbst zu beschäftigen und kreative Lösungen für den Ersatz der vergessenen Sandspielsachen zu finden.
Von Ihnen kann man sich gut abgucken, den Kindern Raum für sich selbst zu geben und sich selbst Raum zum Durchatmen.

3. die Helis

Ihre Kinder sind ihr höchstes Gut. Sie definieren sich über die Kinder, können sich daher mit den Sportlern durchaus messen, was Förderung und Wettbewerb betrifft. Allerdings können sie schlecht loslassen. Sie werden jeden Schritt begleiten, jeden Kletterversuch wegen zu hoher Risiken unterbinden. Erkennungszeichen ist das allgegenwärtige Desinfektionsmittel. Von Ihnen kann man sich immer wieder erinnern lassen, dass die Kinder eben wirklich unser höchstes Gut sind. Sie sind wertvoll, kostbar und schützenswert.

4. die „Speziellen“

Diese Eltern sitzen mit der Kippe neben dem Sandkasten. Manchmal haben sie auch ihre Dose Bier in der Hand. Der größte Extremfall, den ich je gesehen habe, war ein Vater, der auf einer Liege neben dem Klettergerüst lag. Auf den ersten Blick ging ich davon aus, dass ein Obdachloser hier eine gemütliche Ruhestadt gefunden hatte; als ein kleiner Junge dazu kam, konnte ich ihn als „Begleitvater“ identifizieren.
Man kann davon ausgehen, dass diese Eltern es sehr schwer haben. Es ist Ihnen also hoch anzurechnen, dass sie mit ihren Kindern zumindest auf den Spielplatz gehen. Trotz all der missbilligenden Blicke der anderen Eltern.
Von ihnen sollte man sich abgucken, nicht aufzugeben. Mehr sollte man sich allerdings besser nicht abgucken.

5. die Ernährer

Diese Eltern haben oft ein ganzes Picknick dabei. Entscheidend hier ist, dass der Nachwuchs und alle anderen Kinder auf dem Spielplatz nicht verhungern. Die Entspannten und die Speziellen wären oft aufgeschmissen ohne sie. Je nachdem wie gesund die Vorräte sind, kann man sich die Fürsorge abgucken oder eben besser nicht. Kein Essen dabei zu haben kann auch eine gute Möglichkeit sein, den Spielplatz auch irgendwann wieder ohne große Proteste der Kinder zu verlassen. Trotzdem sind die Ernährer wohl die einzigen Eltern, die von allen Kindern auf dem Spielplatz wahrgenommen werden.

6. die Junggebliebenen

Die Junggebliebenen gehen nicht nur wegen der Kinder auf den Spielplatz. Sie findet man mit leuchtenden Augen auf der Wippen, dem Karussell, dem Klettergerüst, der Rutsche oder wo eben sonst gerade Spaß ist. Sie müssen dabei aufpassen ihre Kinder nicht aus den Augen zu verlieren, sind aber generell gute Begleiter. Die Leichtigkeit und den Moment und die Möglichkeiten zu genießen sollte man sich von diesen Eltern abgucken.

Natürlich gibt es – wie überall – auch in dieser Systematik Mischtypen. Und letztendlich kann man ja wirklich niemanden einfach so in eine Kategorie stopfen, den jeder ist anders und findet seinen eigenen Weg, oder?

Zeit

Die Zeit steht still. Der Start in den Tag war durchwachsen, vieles ist nicht gelaufen, wie geplant. Es war hektisch und die Zeit ist zu schnell vergangen, wie immer, wenn ich mit den Kindern zusammen bin. Sie lassen die Zeit tanzen und rennen.
Jetzt sind die Kinder in der Kita und die Zeit steht still. Der Weg zur Arbeit zieht sich. Der Arbeitstag nimmt kein Ende. Der Weg nach Hause scheint nicht statt zu finden. Wie in Michael Endes „Momo“, in der Gasse, die zu Meister Hora führt, scheint die Zeit fast rückwärts zu laufen. Es gibt kein Vorwärtskommen zu den wurrligen, wunderbaren Kindern, die so schnell wachsen und groß werden.
Diese großartigen Menschen, die mit ihrer Neugier und ihrem Überschwang die Zeit anstupsen, bis sie einem aus den Fingern flutscht und man ihre Vergänglichkeit kaum noch begreifen kann.

Aber die Zeit dazwischen, besonders an Tagen wie diesen, gleicht es wieder aus. Sie läuft so langsam, dass man locker auf dem Heimweg ein paar Zeilen schreiben kann (wenn man nicht auf dem Fahrrad sitzt, sondern faul ist, wie ich heute). Sie läuft so langsam, dass man sich selbst beim Denken zusieht.
Und an was denke ich? An meine Kinder, die die Zeit wieder in Form stupsen und stupsen und stupsen bis sie wieder rennt.
Dabei ist doch gerade die Zeit mit ihnen so kostbar. Diese Zeit sollte langsam laufen, diese Zeit sollte nicht aufhören. Das Kuscheln, die Fragen, die Ideen, die Gedanken, die Kreativität.
Ich frage mich, wie den beiden die Zeit vorkommt. Ich haben den Eindruck, sie begegnen ihr voller Ungeduld. Es geht ihnen nicht schnell genug groß zu werden, den nächsten Geburtstag zu haben.
Nur morgens, da geht es ihnen auch zu schnell, das Aufstehen-müssen, das Fertig-machen.

Was ist die Zeit doch für ein eigenartiger, wandelbarer Begleiter.

Sprachlosigkeit

Eine meiner Befürchtungen vor dem Mutter sein war es, eine dieser Mütter
zu werden die…

Eine dieser Mütter zu werden, die nur noch über den Inhalt der Windel ihres Kindes sprechen können. Also habe ich mir vorgenommen, einfach gar nicht über den Inhalt der Windel meines Kindes zu sprechen.
Die Erfahrung zeigt, ganz durchzuhalten ist es nicht, immerhin beschränkt sich der Personenkreis derer, mit denen ich mich darüber austausche auf: den Vater des Kindes – „Ich geh nicht wickeln, ich weiß genau was da drin ist, geh Du!“ „Machen wir   Schnickschnackschnuck?“- , den Kinderarzt und die Nachsorgehebamme und eine
befreundete Mutter, die sich auch vorgenommen hatte, keine dieser Mütter zu werden und mit der man einfach herrlich darüber scherzen kann, genau das geworden zu sein, was man eben nicht werden wollte.

Eine dieser Mütter zu werden, die überhaupt nur noch über ihr Kind sprechen
können und weder ein Ohr für andere Themen noch selbst andere Themen hat.
Dazu hatte ich gar keinen Hilfsplan, sondern einfach nur die Hoffnung, dass
es nicht so werden würde.

Es zeigt sich, dass die Mütter, die nur noch über ihre Kinder sprechen können, vermutlich nicht ganz alleine die Schuld an diesem Zustand tragen. Natürlich, ist ein Kind im Leben frischgebackener Eltern zunächst einmal ein vorherrschendes Thema und sämtliche anderen aktuellen Themen hängen sehr schnell auch damit zusammen.
Trotzdem ist es durchaus möglich, ein Kind nicht zum Exklusivthema werden zu
lassen.
Allerdings gibt es unterschiedliche Personengruppen, auf die man nach dem Wechsel der Lebensbedingungen stößt:

-Großeltern – diese wollen in der Regel erst einmal nicht viel anderes
wissen, als was es neues vom Enkerl gibt.
-andere Verwandte – da ist es eventuell nicht so ausgeprägt, da aber plötzlich viele Menschen irgendwie schwerdefinierbar mit einem verwandt sind, die man vorher kaum kannte, weil es eben „nur“ Verwandte des Partners waren, erschöpfen sich da
andere Themenwelten schnell.
-alte Freunde (Immer ein Trost und ein Halt) -Sofern es wirklich Freunde waren, ist dies eine der angenehmsten Gruppen, da man plötzlich wieder zum eigenen Selbst finden darf und einfach sein darf, ohne funktionieren zu müssen oder nur noch als Mutter wahrgenommen zu werden. In dieser Gruppe ist es kein Tabu auch mal vom Kind zu erzählen, aber es gibt dankbarerweise noch 100 andere Themen, die man erschöpfend behandeln kann. Man wird in seiner Ganzheit akzeptiert und dazu gehört die eigene Vergangenheit, die eigenen Interessen aber auch die Gegenwart in der
man eben erst einmal vorrangig Mutter ist.
-alte Bekannte -häufig Menschen, von denen man womöglich sogar dachte, es seien Freunde gewesen. Im Idealfall ändert sich dabei in der Beziehung gar nichts, weil sie ohnehin nie so verbindlich und inhaltsschwer war.
Manchmal fällt es diesen Menschen einfach schwer, die Gegenwart in ihr Bild von einem selbst mit aufzunehmen.
In diesem Fall ist man gezwungen, möglichst gar nichts von seinem Kind zu erzählen, was auf die Dauer zu Sprachlosigkeit fördert, da ausgesparte Themen einen so viel darüber nachdenken lassen, was man alles nicht sagen kann oder will, dass man sich nicht mehr darauf konzentrieren kann, was man sagen kann oder will.
Manche Bekanntschaften, haben sich im Vorfeld bereits auf einige Themen beschränkt. Ehemalige Kollegen, mit denen man hauptsächlich über Arbeit gesprochen hat, Menschen, mit denen man ein gemeinsames Hobby teilte, usw. In diesen Fällen, hängt es einerseits davon ab, ob die Bekannten über die Zeit diese Themen beibehalten haben, ob man selbst noch in der Lage ist, mitzureden und ob die
Themen noch zugelassen sind.
Waren zum Beispiel beide eifrige Kinogänger, die sich vor allem über die aktuellsten Filme ausgetauscht haben, werden die Gespräche vermutlich ärmer werden, da es zunächst schwierig ist, viel Zeit im Kino zu verbringen. Man kann sich also noch erzählen lassen, aber wenig selber beitragen. Hat das Gegenüber womöglich auch noch beschlossen, Kino zu boykottieren, werden die Themen, sofern man keine völlig
neuen findet, sehr schnell erschöpft sein.
Hat man früher als ewige Singles vor allem über die Männerwelt gelästert, passt das neue „Familienglück“ wohl auch nicht ganz ins Konzept. Weder Jammern über die
Themen über die man durchaus Jammern könnte noch Jubeln über die Kleinigkeiten über die sich frischgebackene Eltern eben so freuen, kann da besonders hilfreich sein. Auch in solchen Fällen macht sich schnell Sprachlosigkeit breit.
-neue Bekannte – meist andere Eltern, die man in irgendeinem Babyschwimm-Rückbildungs-Babymassage-PEKiP-Sonstwaskurs kennengelernt hat. Mit denen hat man in der Regel die Kinder, die Kinder und nur die Kinder als Themen. Bei Ihnen ist absehbar, dass man wenn man dieses Thema nicht mehr hat, die gleiche Sprachlosigkeit zu erwarten hat, die einen zu Beginn dieses Lebensabschnitts mit anderen befallen hat. Bis dahin allerdings, hat man sich viel zu erzählen.

An diesem Punkt meiner Erkenntnisse, setzte bei mir eine große Frustration ob der
Tatsache ein, dass ich offensichtlich zu einem völlig langweiligen Menschen
geworden bin, der absolut nichts interessantes zu erzählen hat.
Mein Trost, ist aber die letzte Gruppe, mit der man längere Gespräche
führt.
-neue Freunde – die Menschen die man ebenfalls bei komischen Kursen oder womöglich sogar mitten in den Wehen auf dem Krankenhausflur kennenlernt. Mit Ihnen kann man schnell auch noch über ganz andere Dinge sprechen als Kinder, obwohl diese doch zunächst die einzige Verbindung sind. Man bekommt das Gefühl, nicht nur aus alter freundschaftlicher Solidarität noch eine Stimme zu haben, nicht auf ein Thema reduziert zu sein, sondern tatsächlich noch etwas interessantes zu sagen zu
haben.
Meine Theorie diesmal ist also, ich bin doch nicht ganz so langweilig geworden, wie ich dachte.

Danke an meine alten und neuen Freunde!

Reproduktion

Ich glaube für die Wahl eines Partners zur Reproduktion gelten völlig
andere Regeln als für die Wahl eines Partners quasi einfach so.
Bei der Partnersuche wird quasi eine Basis geschaffen.
Damit man in Reproduktion geht, müssen Dinge stimmen, die vorher eine eher untergeordnete Rolle oder gar keine Rolle spielen.
Der Dialekt, den man vorher vielleicht ganz charmant fand, kann zum Beispiel viel kritischer gesehen werden, da ja der eigene Nachwuchs hochdeutsch sprechen soll. Die Geduld ist plötzlich ein viel wichtigerer Faktor. Die Fähigkeit einen Freitagabend
zufrieden zuhause verbringen zu können, ist plötzlich ein Plus, statt irgendwie komisch. Plötzlich ist es viel wichtiger, ob der andere ein Familienmensch ist oder nicht.
Im Grunde sollte man eine Art Leitfaden erstellen, wenn man anfängt zu Daten und sich überlegen, was einem dann wichtig ist. Und man sollte sich vorher Gedanken darüber machen, was sich ändert, wenn sich alles ändert.
Da alles dies gar nicht möglich ist, ist meine Theorie mal wieder: Man muss manchmal echt einfach Glück haben.