Mit Essen spielt man nicht

Ich bin ein Mensch, der gerne mit Essen spielt.
Ich mag es in Wackelpudding Burgen mit Gräben zu bauen.
Ich sehe in den Bläschen auf meinem Kaffee die Augen eines Kaffeemonsters.
Ich finde es völlig normal, das gewickelte Croissant nach dem Backen, vor dem Verzehr wieder auseinander zu wickeln.
Ich esse gerne separiert.
Ich mag es kleine raffinierte Kanapees zusammen zu bauen.
Ich finde es befriedigend Kartoffelbrei mit Sauerkraut zu zermantschen.
Ich nage von rohen Karotten gerne erst einmal das Äußere ab…
Mein Mann ist anders sozialisiert. Leider. Ihm ist es wichtig, den Kindern ordentliche Tischmanieren vorzuleben. Und natürlich hat er damit durchaus recht.
Nur manchmal macht es mich traurig, dass ich meinen Kindern dieses spielerische nicht mitgeben kann.
Aber – zum Glück – hat er begriffen, dass ein ausgewickeltes Croissant besser schmeckt, – zum Glück – kochen die Kinder gern. Und im abgeschirmten Raum der Küche kann man viel probieren.
Und – zum Glück – hat er mit mir Geduld, wenn es mich überkommt und ich einfach nicht anders kann, als Kind zu sein.
Und dann dürfen das auch die Kinder.
Bis dahin lernen Sie dank ihm auch wie man anständig isst.