Einkaufen

Ich habe ja die Theorie, dass man an dem, was ein Mensch im Supermarkt
auf das Band legt, meist sehr viel über den Menschen erfahren kann.

Ich erkenne meist an den Einkäufen, ob der Mensch vor mir ein Single oder verpaart ist, ob es ein Strohwitwer oder ein Witwer ist, der vor mir steht, ob der Mensch gerade zufrieden mit sich ist oder eher nicht und ob ein Mensch halbwegs erfolgreich ist oder eher nicht.

Einfach, werden die meisten sagen. Trotzdem finde ich es immer wieder lustig. Es ist für mich ein tolles Spiel, um die Wartezeit an der Kasse zu überbrücken. Und das eine oder andere Mal, hat sich später in einem Gespräch ergeben, dass ich mit meiner Einschätzung absolut recht hatte.

Interessanterweise, verändert sich auch das eigene Einkaufsverhalten. Wahrscheinlich hat diese Theorie deswegen hier Eingang gefunden.
Ich habe hier bereits früher über die „Sterbephasen“ in der Liebe geschrieben. Beobachtet man sich genau, so kann man eigentlich, auch bevor man weiß, dass man verliebt ist, am Einkaufsverhalten erkennen, dass es so ist.

Bei mir ist das sehr extrem. Ich hatte Jahre lang sehr gesunde, gemüselastige Einkäufe. Mit Beginn meiner Beziehung, wurden einige der Einkäufe (die vor gemeinsamen Tagen) etwas ungesünder. Mit dem Zusammenwohnen hat sich der Einkauf wieder geändert. Übrigens auch der, meines Freundes und dessen wahrscheinlich noch extremer als meiner. Mit der Geburt unseres Kindes hat sich unser Einkaufsverhalten erneut geändert. Trotzdem gibt es nach wie vor ganz
typische Einkäufe, die mich vermutlich mein Leben lang begleiten werden und
daher immer wieder auftauchen werden. Lauchstangen finden bei mir z.B. in
jeder Lebenslage Ihren Weg auf mein Band.

Mich würde interessieren, was bei anderen den entscheidenden Unterschied auf dem Band ausmacht und was genau etwas ganz typisches auf dem Band ist.

Sinnlich

Man weiß ja mittlerweile, dass es die unterschiedlichsten Typen gibt.

Und der getreue Leser wird mittlerweile Wissen, dass ich ein absolutes Faible für Typisierungen und Kategorien habe (auch wenn ich selber natürlich nicht einfach in eine Schachtel gesteckt werden will mit einem großen Wapperl „Typ soundso, handle with care“).

Genauso wie es, laut einer Freundin, unterschiedliche Typen bei dem Ausdruck von Zuneigung (Schenker, Kümmerer, Mensch der Worte, Haptiker, Da-Seier) gibt, gibt es auch unterschiedliche Wahrnehmungstypen.

Interessanterweise kann man schon in der Verwendung von Sprache einen Eindruck kriegen, in welche Richtung ein Mensch tendiert.
Visuelle Typen (Augentierchen) tendieren dazu auch beim sprechen
Verben zu bevorzugen, die eher in den visuellen Bereich zielen „Ich
sehe da eine Verbindung“.
Akustische Typen (Summer) werden eher in diese Richtung sprechen „Nachtigall ick hör Dir trapsen“.
Haptische Menschen (Andatscher) werden einen Sachverhalt vermutlich „begreifen“ statt „einsehen“ oder „hören“.

Dies ist alles nicht meine Theorie sondern vermutlich den meisten bereits bekannt.
Meine Theorie ist, dass auch wichtige Ereignisse im Leben nur dann an Substanz
gewinnen, sich einbrennen, Gehör finden, wenn dabei die richtigen Reize angesprochen werden.

Für einen mag z.B. eine neue Wohnung erst dann real werden, wenn er ein paar Mal die Türen geöffnet und geschlossen hat, die Stufen gegangen ist, den Boden unter den Füßen gespürt haben mag…
Für einen Anderen wird ein neuer Job dann real, wenn er die Stimmen der Kollegen und die Bürogeräusche gehört hat…

Und für einen Dritten ist ein Nachwuchs dann real, wenn das erste
verschwommene Ultraschallbild zu sehen ist.

Und zum Glück gibt es ganz viele Mischtypen, die vielleicht eine Tendenz haben eine
Hochzeit erst abzuspeichern, wenn sie Glocken läuten hören, aber trotzdem in der Lage sind auch das Brautpaar zu sehen und zu drücken und dadurch das Erlebnis speichern.