Experiment (Teil III)

Liebe*r Leser*in im folgenden werde die Dinge beim Namen nennen. Das soll weder Werbung für bestimmte soziale Netzwerke noch für Zeitungen, Organisationen oder sonstiges sein. Trotzdem kann der eine oder andere etwas im folgenden Text für Werbung halten daher:
– Achtung hier kommt Werbung –

Was bisher geschah: Ich habe auf Facebook gepostet, dass ich das Netzwerk verlassen würde. Einige fragten nach, wie ich weiter erreichbar sein würde, andere warum und wieder andere beglückwünschten mich. Die, die nach der Erreichbarkeit fragten, waren überwiegend die, mit denen ich ohnehin auch außerhalb Kontakt habe. Interessant war für mich, dass ich mit quasi neuen Leuten auf einmal eine Verbindung hatte. Ein ehemaliger Mitschüler beglückwünschte mich. Und das erste Mal tauschten wir uns ein wenig aus. Das hatten wir weder in der Schule noch über Facebook vorher wirklich gemacht. Nicht viel, aber mehr.
Mit anderen fing allein durch das Testen der jeweiligen E-Mailadressen, die ja plötzlich wieder wichtig war, ein neuer Dialog an. Eine liebe Freundin z.B. aus Griechenland-Zeiten meldete sich auf einmal wieder und wir hatten uns etwas zu sagen, als wäre keine Zeit verstrichen. Auch wenn der Kontakt davor – dank Facebook – auf die jährliche Weihnachtskarte beschränkt war.

Ich fühle mich gerade endlich wieder wirklich vernetzt. Mit deutlich weniger Menschen und vermutlich weniger exotisch. Und ja, der eine oder andere Kontakt wird wieder einschlafen und womöglich ohne Facebook endgültig und trotzdem kommt es mir vor, als sei ich aus einem Dornröschenschlaf erwacht.

Eine weitere Maßnahme war es, dass ich diverse Newsletter abonierte (das gibt es wirklich noch), denn die Nachrichtenseiten wie die Süddeutsche, pinkstinks, usw. interessieren mich ja nach wie vor. Und siehe da, die Newsletter zeigen mir nicht nur hinweise auf die gleichen Artikel sondern bieten bisher allesamt ein gewisses mehr an Information.

Was die Rituale betrifft: Nun ja, das war tatsächlich die größte Umstellung. Die Langeweile wird einem sehr bewusst, wenn sie da ist. Aber man nutzt sie anders. Schon am ersten morgen habe ich mir mehrere interessante TED Vorträge angesehen, statt auf Facebook im Newsstream herumzuscrollen. Ich habe mich also weiter gebildet. Ich habe die Zeit genutzt um Nachrichten zu schreiben, um zu stricken um mich zu unterhalten um mich zu bewegen. Trotzdem ist der Reflex zu gucken noch da. Das Fenster ist geschlossen überall und ich finde Alternativen. Ich langweile mich weniger, denn Facebook hat für mich die Langeweile nicht wirklich bekämpft sondern eher überdeckt, da war sie noch immer.

Jetzt kommt der Frühling. Ein neuer Aufbruch, neues Wachsen. Ich bin gespannt, was das altmodische Facebook-lose Leben für mich bereit hält. Und ich freue mich auf die echten Menschen, mit denen ich mein Leben verbringe und teile. Einiges werde ich verpassen, manches und mancher wird mir fehlen und trotzdem glaube ich fest, dass es für mich persönlich die richtige Entscheidung war. Ein Gewinn.