Zimtsterne

Das Objekt meiner Begierde, der Vater meiner Kinder und der beste Ehemann von allen hat heute Zimtsterne gebacken. Warum das etwas besonderes ist? Weil ich es hasse Zimtsterne zu backen. Das Gebatzel, das Gemansche furchtbar. Wie meine gesamte Familie esse ich aber gerne Zimtsterne. Also standen sie auch dieses Jahr wieder auf dem Backplan. Nicht nur, dass das Objekt meiner Begierde diese Aufgabe übernommen hat, er hat mir auch noch glaubhaft den Eindruck vermittelt, ihm mache das Ganze Spaß.

Für mich ist das eine der wunderbaren Liebeserlärung in den mehr oder weniger kleinen Alltagsdingen. Und hier wird es tatsächlich ein wenig interessanter. Es gibt eine Art von Liebeserklärungen, die im ersten Sturm und Drang nicht sattfinden. Sie sind irgendwie nicht möglich und werden nicht so wahrgenommen. Die erste dieser Liebeserklärungen war der Kaffee, den ich JEDEN morgen vor die Nase gestellt bekomme. Böswillige Menschen (besonders wenn sie mich näher kennen) könnten auch behaupten, das sei eher Selbstschutz, weil ich vorher nur mit Vorsicht zu genießen bin. Die jüngste dieser Liebeserklärungen sind besagte Zimtsterne. Und auch wenn es ganz unterschiedliche Arten gibt, Liebe zum Ausdruck zu bringen, sorgen diese Zimtsterne heute dafür, dass ich mich geliebt fühle.

In der Anfangsphase einer Beziehung ist es doch so, dass man sich die großen Gesten gönnt. Heiße Liebesschwüre, tolle Unternehmungen, wohlbedachte erste Geschenke,…

Irgendwann aber schleicht sich dann der Alltag ein. Die Liebesschwüre werden leiser und bekommen eine besondere Sanftheit neben einer gewissen Routine. Die Unternehmungen, besonders wenn auch Nachwuchs da ist werden (zumindestens zeitweise) couchorientierter und die Geschenke werden schwieriger, weil man schon das Feuerwerk der ersten Male ein wenig verbraucht hat. Aber die Liebeserklärungen finden eben trotzdem ihren Weg in den Alltag. Und sie sind so wohlig weich und warm.

Meine Theorie also: es gibt unterschiedliche Arten, Liebe zu vermitteln, die im Alltag ist unscheinbarer als die ersten großen Liebesschwüre, aber wunderschön.

Schuhe

Manchmal denke ich, Ehe oder Beziehung ist ein bisschen wie ein Paar Schuhe.

Man sollte erst einmal ein paar Schritte in den Schuhen gegangen sein, bevor man sie kauft.
Natürlich kann es sein, dass die schönen neuen Schuhe am Anfang ein wenig drücken, bis sie eingelaufen sind. Irgendwann werden Sie dann entweder sehr bequem oder man verabschiedet sich von den Schuhen und sucht ein neues Paar, das nicht so schmerzhaft ist.

Wenn die bequemen Schuhe gepflegt werden, können sie lange halten.
Irgendwann werden sie aber trotz allem Hegen und Pflegen abgelaufene Sohlen haben und vielleicht ein paar andere Verschleiß-Erscheinungen. Manche Menschen werden die Schuhe dann entsorgen und sich nach neuen Schuhen umsehen.Andere sehen sich erst nach neuen Schuhen um und entsorgen das alte Paar danach.

Und manche Menschen bringen ihr liebgewonnenes Paar Schuhe zum Schuster, lassen es neu besohlen, flicken, kleben und aufpolieren und leben weiter mit ihren bequemen Schuhen. Dieser Vorgang wiederholt sich möglicherweise öfters.
Irgendwann ist aber einer oder beide Schuhe nicht mehr reparabel.

Auch dann gibt es wieder unterschiedliche Möglichkeiten damit umzugehen.

Man könnte z.B. die Schuhe umfunktionieren und Blumen hineinpflanzen.
Auch wenn die Funktion dann ganz anders ist, kann man so beide Schuhe noch wertschätzen und ihnen einen Platz im Leben einräumen.

Die gleiche Möglichkeit hat man auch dann, wenn man einen der beiden Schuhe verliert. Man kann sie nicht mehr als Paar tragen, aber eben doch noch als Teil des Schuhpaares sehen. Natürlich macht man das alles nur mit Lieblingsschuhen. Von anderen trennt man sich eben einfach.

Ich persönlich mache von jedem Paar Schuhe noch ein Abschiedsbild, um die Schuhe in guter Erinnerung zu behalten, weil sie mich ja doch viele Schritte getragen und begleitet haben. Aber für das Lieblingspaar ist jeder Aufwand richtig.


P.S.: Manche Menschen haben auch mehr als ein Paar Schuhe im Schrank. Ich hoffe nur, dass dies häufiger auf reale Schuhe als auf übertragene Schuhe zutrifft.