Coronaplautze

Lange habe ich gezögert. So viele Menschen haben über Corona, Ihre Erfahrungen mit Corona, für oder wider Lockdown oder Masken oder was auch immer geschrieben, Tipps zur Selbstoptimierung gegeben, darüber gejammert, dass sie als Gruppe zu kurz kommen oder jemand anderes bevorzugt wird,…

Ich habe gezuckt einen Sermon darüber zu schreiben, dass Nagelstudios vor Buchhandlungen öffnen konnten und was das über das ehemalige Land der Dichter und Denker sagt, wenn es überlebenswichtiger ist das die Nägel schön sind als dass das Hirn gefüllt werden kann.

Ich habe mich beherrscht der Welt nicht zu verkünden, wie gut es mir persönlich während der ganzen Situation geht, weil ich endlich Zeit für die Kinder habe, weil ich endlich nicht mehr wildfremden Menschen die Hand geben muss, weil die Bussigesellschaft mir mal den Schuh aufblasen kann, weil ich kein schlechtes Gewissen mehr habe wenn ich Zuhause bleibe statt den Kindern die Welt zu zeigen,…

All das habe ich für mich behalten.

Aber die Coronaplautze, die ich zu meiner nicht unbeträchtlichen Leibesfülle hinzugewonnen habe, also diese Plautze, über die lässt sich einfach nicht schweigen.

Die Extrapfunde, die plötzlich um meine Hüften wabern.

Meine Theorie ist, dass Darwin da ganz hinterfotzig seine Spuren hinterlässt. Nur die wirklich Selbstoptimierten werden – wenn wieder alles offen hat – zu den Objekten der Begierde zählen. Nur die Menschen, die sich wirklich im Griff hatten auch allein, auch in den eigenen vier Wänden über Monate hinweg, werden geeignete Reproduktionspartner finden. Wie gut, dass ich meine Gene bereits weitergegeben habe.

Ha. Ätsch Darwin!