Papier und Kontemplation

Ich lese unglaublich gerne. Und zwar richtige, echte Bücher.

Auch wenn ich einen eReader ab und zu benutze, weil er nicht blendet, wenn man neben schlafenden Kindern oder Ehepartnern liest, bevorzuge ich nach wie vor echte platzraubende, schwere, nach Papier duftende Bücher.

Und das nicht nur, weil man bei eReadern, die Bücher ja auch nicht so richtig kauft, sondern eher in Dauerleihe hat, nicht nur weil man Bücher auch einfach mal verleihen oder weiterschenken kann sondern vor allem weil man sich darin richtig versenken kann. Ich neige leider dazu mehrere Dinge zeitlich parallel anzugehen.

Ich sage bewusst nicht gleichzeitig, denn echtes Multitasking ist, denke ich eine glatte Lüge. Multitasking bedeutet nur, dass man sehr sehr schnell hin und her schalten kann. Das wirkt dann vielleicht wie Multitasking aber die volle Aufmerksamkeit hat nichts von den Dingen die man gerade erledigt. Deswegen funktioniert das mit mehr oder weniger automatisierten Abläufen ganz gut. Ich kann vor dem Fernseher stricken, da meine Hände ohnehin wissen was zu tun ist. Muss ich doch einmal einen Blick auf das Werkstück werfen, folgen immerhin meine Ohren noch halb der Handlung.
Ich kann auch mit einem leichten eReader in der Hand noch mit der anderen Hand teig kneten oder Saucen umrühren oder sonst irgendetwas sinnvolles tun. All das fordert nur einen kleinen Teil meiner Aufmerksamkeit und sorgt daher kaum für Ablenkung. Dennoch ist ein Teil meiner Aufmerksamkeit abgezogen. Kein schädlich großer Teil, aber immerhin.

Bei einem Buch ist das anders. Das muss ich mit zwei Händen festhalten damit es mir nicht zufällt. Ich kann schon technisch nichts nebenbei erledigen. Das führt dazu, dass ich mit meiner Aufmerksamkeit ganz da bin. Im Moment. Ich kann mich in ein Buch viel mehr vertiefen. Klar, kann ich auch da nebenbei Geräusche wahrnehmen und trotzdem fesselt mich das Buch mehr, allein durch die unfreien Hände. Man sollte vielleicht öfters seine Hände ruhen lassen und ganz im Moment verweilen.

Bücher und zweite Chancen

Ich habe ja die Theorie, dass es für jedes Buch für jeden Menschen den richtigen
Zeitpunkt zum Lesen des Buches gibt.

Es kann also passieren, dass man richtig gute Bücher weglegt, weil das Timing einfach nicht stimmt. Vielleicht nimmt man es Jahre oder auch nur ein paar Wochen später zur Hand und plötzlich begeistert einen das Buch so sehr, dass man es plötzlich sogar zu den Lieblingsbüchern zählt. Andersherum kann einem auch der größte Müll Spaß machen und man hält ihn mit guten Erinnerungen im Gedächtnis, obwohl es einem wegen der Reaktion anderer auf diese Begeisterung, vielleicht sogar ein wenig
peinlich ist.

Ich bin mir also fast sicher, dass jedes weggelegte Buch im Grunde genommen eine zweite Chance verdient. Leider gibt es so viele gute und schlechte Bücher, dass man oft nicht die Gelegenheit hat oder die Muße sich dem weggelegten Buch erneut zu widmen. Wer weiß vielleicht hätte mich Sophie Kinsellas Shopoholic Reihe, bei einem weiteren Anlauf, total für sich begeistern können?

Im Moment lese ich „a dirty Job“ und dies ist ein Buch, das eine zweite Chance bekommen hat. Beim ersten mal bin ich gerade mal bis zur Seite 31 gekommen. Jetzt lege ich das Buch kaum aus der Hand. Ich weiß nicht was sich verändert hat, aber ich frage mich welche Bücher noch eine zweite Chance verdient haben könnten? Irgendwelche Vorschläge?