Ankommen

Wir sind vor gut einem Jahr zurück in meine Stadt gezogen. Das heißt ich bin zurück gezogen, die drei anderen sind zum ersten Mal hergezogen.
Und während ich im Studium in der Kulturkomparatistik viel über den sogenannten Statusschock gelernt habe, hätte ich nicht damit gerechnet, dass es den auch gibt wenn man nur ein paar Jahre in einer anderen Stadt im gleichen Land lebt. Sicher ist ein Statusschock nach einem langen Auslandsaufenthalt in einer völlig fremden Kultur noch einmal etwas ganz anderes, aber trotzdem.
Mal ganz abgesehen, dass ich Frankfurt wirklich schmerzlich vermisse, genau wie meine drei auch, fühle ich mich hier in München inzwischen auch etwas verloren.
Die Orte, die ich früher kannte, gibt es nicht mehr. Und eine Stadt mit Kindern ist eine andere Stadt als eine als Single.
Viele Orte spielen einfach keine Rolle mehr, wohingegen ich andere Orte in die man, wenn man von Beginn an mit Kindern dort lebt, einfach hineinwächst hier nicht kenne.
Ich kenne hier nicht die Cafés die kinderfreundlich sind. Ich weiß nicht mehr wo man nett zum Brunchen hingehen kann. Ich weiß nicht bei fast jeder U-Bahn Station wo die Aufzüge sind, wenn man mit Kinder- oder Bollerwagen unterwegs ist.
All das muss ich mir hier erst (wieder) erarbeiten. Ich bin eine Fremde in der vertrauten Stadt. Und auch wenn noch einige Freunde da sind, so müssen wir alle doch auch neue Bekanntschaften schließen, Anschluss für die Kinder finden, Spezl für das Objekt der Begierde kennenlernen.

All das ist harte Arbeit die wir in der alten Stadt so nebenbei längst erledigt hatten. Wir müssen wieder herausfinden, wo die guten Futterstellen sind, wo man etwas unternehmen kann, welche Veranstaltungen sich für uns gemeinsam lohnen und welche nicht. Und manchmal fühlen wir uns einsam. Jeder für sich, alle zusammen.
In solchen Momenten muss ich mich auf die Dinge konzentrieren, die mir in Frankfurt abgegangen sind. Denn auch dort mussten wir ja ankommen. Wie hier.

Und jedes Mal mit dem Vorsatz endlich zu bleiben.