Kommunikation


Ich glaube ja seit einiger Zeit eine neue Beobachtung gemacht zu haben, die mir, je länger ich darüber nachdenke, immer einleuchtender erscheint. Die Art wie Familien miteinander sprechen, bedingt auch, wie oft sie sich bestimmte Dinge erzählen. Damit meine ich nicht den ersten Greisenblödsinn, durch den man ohnehin alles ein wenig öfter erzählt, sondern in jeder Altersstufe. Und ich würde sogar noch einen Schritt weitergehen und sagen, dass man sich dem Gesprächsstil der einen umgibt bis zu einem gewissen Grad anpasst.

Ich habe als Kind immer beobachtet, dass meine Mutter in größeren Gruppen verstummt ist. Das hatte unterschiedliche Gründe. Vor allem aber, hat es den Kommunikationsstil in unserer Familie geprägt. Ich erinnere mich nur an wenig Gespräche in der engeren Familie, wo nicht zumeist nur einer nach dem anderen erzählt hat. Diese langsamen vor sich hin plätschernden Erzählungen, bei denen man jederzeit einsteigen konnte aber auch einfach nur entspannt zuhören, wurden nur dann in mehrere Gespräche aufgeteilt, wenn die Gruppe entsprechend größer wurde. Ich habe Stunden meines Lebens damit zugebracht Familiengeschichten zu lauschen und nach und nach an Diskussionen teilzunehmen. Unangenehme Themen wurden dabei selbstverständlich meistens ausgespart. Es ist praktisch ein Ding der Unmöglichkeit „geordnet“ zu streiten und entspannt über unangenehme Themen zu sprechen.

In anderen Familien durfte ich ein völlig anderes Gesprächsverhalten beobachten.

Das andere Extrem ist dabei wohl dieses: Jeder erzählt gleichzeitig. Jeder spricht laut, um zu Wort zu kommen und macht sprachliche Umwege, so dass es nur dann möglich ist, am Gespräch teilzunehmen, wenn man schnell und laut ist und unterbricht.

In diesem Kommunikationsstil ist es nötig, Dinge oft zu erzählen, da man nie sicher sein kann, ob das Gegenüber bei den ersten Malen überhaupt zugehört hat.

Trotzdem ist dieser Stil vermutlich sehr gesund. Denn so werden Konflikte angesprochen. Unangenehme Themen werden von der Seele geredet.Wie viel vom ersten glühenden Sturm gehört wird, ist mir dabei nicht klar. Auf jeden Fall, wird offen kommuniziert. Die Menschen, die ich kenne, die eher in einer solchen Kommunikationslandschaft groß geworden sind, neigen meiner Beobachtung nach dazu, Dinge öfter zu erzählen, aber auch schneller zuvergeben, da sie einfach schneller vergessen können. Als würde die sprachlicheVerdauung einfach besser funktionieren.

Ich selber würde trotzdem nicht ganz auf diesen Kommunikationsstil umstellen wollen. Wahrscheinlich habe ich meinen einfach zugut antrainiert bekommen. Ich denke aber, dass es sinnvoll ist, davon zu lernen und einen guten Mittelweg zu finden.

Wie wohl dann ein idealer Kommunikationsstil aussieht? Und ob der eine oder andere einen vor dem frühen Greisenblödsinn bewahren kann?   

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