Inferno

Bis ich mich das erste mal mit Dantes divina comedia näher befasste,
hatte ich die Theorie, dass Münchener schneller ins Paradies gelangen könnten
als andere Menschen.

Diese Theorie rührte nicht etwa daher, dass der Anteil an Katholiken höher ist als in anderen Gegenden oder dass ich Münchner für besonders fromm oder rein oder sonst irgendwie paradieswürdiger halte, sondern vielmehr daran, dass Münchener, zumindest sofern sie auf die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel angewiesen sind, nach meiner Theorie währen der Wiesnzeit bereits einiges an Fegefeuerartiger Buße ableisten.

Die Qualen und Strafen, die man in dieser Zeit ertragen muss, sollten einem doch das eine oder andere Jahr Vorhölle auf dem Weg zum Paradies ersparen.

Allerdings, gibt es natürlich auch etliche Bewohner dieser Stadt, die gerade in dieser Zeit eher einiges an neuen Jahren zu ihrem Konto hinzufügen.

Betrachtet man die divina comedia allerdings etwas genauer, so legt einem diese eine
völlig andere Theorie nahe.

Öffentliche Verkehrsmittel zur Wiesenzeit haben wenig mit dem Purgatorio Dantes gemein. Viel eher mit dem Inferno. Der Höllenkreis, in dem die ewig verdammten Schmeichler in Exkrementen waten müssen, kommt dem Zustand schon deutlich näher.
Mit stets wachen Augen die Umgebung beobachtend, um im rechten Moment zu
Seite springen zu können, bewegt man sich durch die S-Bahn wie ein
Verfolgter. Sitzen gleicht häufig tatsächlich dem Waten in Exkrementen.

München scheint eine Stadt voller Schmeichler zu sein, die allesamt auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen sind.
Die Wiesnzeit macht München zu einer Zweigstelle Dantes Inferno und alle
Schmeichler sind dazu verdammt S-Bahn zu fahren.

Nur was mache ich hier? So schlimm bin ich doch gar nicht? 😉

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