I survived the Kindergeburtstag

Geburtstage sind ja an sich eine sehr schöne Sache.  Und das von Anfang an. Gut an meinen eigentlichen Geburtstag erinnere ich mich nicht wirklich, wer tut das schon.
Ich erinnere mich dafür sehr gut an meine späteren Geburtstage.
Meist fing ich schon Monate vor dem Geburtstag an, Pläne zu schmieden. Und meist, war das auch der größte Spaß an den Geburtstagen. Die Überlegung, wen man einladen möchte, welches Thema man verfolgen will (eine Gruselparty oder doch eine Asterix Party?). Meine Mutter hörte sich meine diversen Pläne mit einer Engelsgeduld an und steuerte viele Ideen bei.
Ich weiß bis heute nicht, ob ihr das Planen vielleicht selbst ebenso Spaß gemacht hat oder ob sie mir einfach eine Freude machen wollte (möglicherweise ist das bei Ihr auch bereits in Vergessenheit geraten; aber dazu komme ich ein anderes Mal).
Am Kindergeburtstag selbst, kam dann meistens die Ernüchterung. Die Gästeliste schmolz schneller dahin als der Novemberschnee. Kurz vor Weihnachten hatte eben doch fast jedes Kind andere Verpflichtungen, wie Weihnachtsfeier vom Turnverein oder Probe für das Krippenspiel oder was man eben sonst so vor hat. Natürlich kann man sich trösten, dass die, die trotzdem da waren, eben einfach wirklich gute Freunde waren, vielleicht aber auch weniger soziale Bienchen, die eben nicht von Veranstaltung zu Veranstaltung fliegen mussten. Im Lauf der Feier, verschwand eines der Nachbarskinder dann meist schmollend nach Hause und irgendwer oft durchaus auch ich selbst heulte aus dem einen oder anderen „wichtigen“ Grund.

Später drehte sich dann alles um das wo feiert man, wer legt auf und gegebenenfalls wer spielt den Türsteher. Auch hier veränderte sich die Gästeliste rasant, allerdings meist in die gegensätzliche Richtung. Wussten die richtigen Bescheid, sprach sie die Party herum und es kam auch vor, dass plötzlich die Polizei zuhause klingelte und Details zur Gästeliste der Kellerparty und den angebotenen Getränken haben wollte. Auch bei diesen Partys gab es wieder Tränen, sei es wegen Jungs oder weil ungeladene Gäste den Plätzchenvorrat für Weihnachten entdeckt und geplündert hatten.

Später fing dann das große Fressen an. Irgendwann hatte ich keine Lust mehr auf riesen Partys, sondern lud lieber ausgewählte Freunde zu ausgedehnten Frühstücken ein. Der Rekord liegt nach wie vor von neun Uhr morgens bis zehn Uhr abends durchgehend Frühstück. Da hier die Gästeliste wieder diversen Schrumpfungen unterlag, sei es weil die ersten schon Nachhause zu Ihren Familien pilgerten oder plötzlich wieder wegen diverser Weihnachtsfeiern und –vorbereitungen (alles völlig unvorhergesehen, versteht sich) konnte man von den Frühstücksresten oft bis Silvester zehren.

Irgendwann dann, war der Punkt erreicht, wo ich mich gerne um das Feiern drücken wollte. Keine Absagen kassieren und vor allem keinen Aufwand. Älter werden macht mir wenig aus, aber das ewige Gefeiere irgendwie schon. Ich erteilte meinen eigenen Partys also meistens eine Absage und hatte einen schönen ruhigen Geburtstag.

Irgendwann dann, gab es ein bleibendes Objekt der Begierde in meinem Leben. Und das wollte FEIERN. Mindestens den eigenen Geburtstag. Mit einem Sommergeburtstag hatte er auch ganz andere Erfahrungen gemacht. Die ersten seiner Geburtstage gingen wegen unseres Fern-nicht-Beziehungsdings ziemlich an mir vorbei. Sein 30. Geburtstag allerdings fiel mit der Übergabe unserer ersten gemeinsamen Wohnung zusammen. Wir hatten an diesem Tag also auch noch mehr zu feiern. Highlight war für ihn, der versammelten Mannschaft in Abendgarderobe zu verkünden, dass sich die weiße, leere Wohnung noch in diesem Jahr mit Babysachen füllen würde. An diesem Abend hielt ich die Party halbwegs durch. Der Geburtstagsparty für das neue Jahr, ein paar Monate später, war ich nicht mehr gewachsen. Wenn ich ehrlich bin, brauche ich einfach meinen Schlaf. Alles unter acht Stunden ist zwar längst Normalität aber trotzdem eine absolute Zumutung.

Im Jahr darauf, bahnte sich dann die nächste Herausforderung zum Thema Geburtstage an. Der erste Kindergeburtstag stand an. Und auch wenn ein erster Geburtstag noch harmlos daher kommt, muss man sich hier schon rechtfertigen, warum man für das einjährige Mädchen nur einen Gast samt Eltern einlädt, wenn man doch in den diversen Spielplatz-Geh- und Kaffeetrink-Spiel-Runden mehr als einen „Freund“ für das Kind ausgemacht hat. Aber bei der Regel ein Gastkind pro Lebensjahr sind wir von Anfang an eisern geblieben. So war der erste Geburtstag mit dem ersten Kuchen überhaupt, eine wunderschöne und entspannte Angelegenheit. Keine Absagen, keine unerwarteten Gäste, ein paar unerwartete Geschenke (aber wer kann da schon etwas dagegen haben?) und vor allem, keine Tränen. Beim zweiten Geburtstag wurde es schon trubeliger, da der zweite Gast neben Eltern eben auch seine beiden Geschwister im Schlepptau hatte und Familie und Patentanten zur Grundgästezahl nicht dazu zählen. Trotzdem war auch dieser Geburtstag unaufwendig und schön und für alle Beteiligten ein netter Tag ohne Tränen.

Beim dritten Geburtstag, dieses mal schon mit kleiner Schwester und erstem Thema. Zusammen mit den Weihnachtsvorbereitungen, dem Schlafentzug und dem Gewusel lagen meine Nerven blank. Vorbei mit den entspannten Kindergeburtstagen, vorbei mit keine Tränen, im Gegenteil außer dem Papa hat vermutlich fast jeder an diesem Tag geheult. Trotzdem hatten auch alle irgendwie Spaß.

Die Kleine hatte es ihrem Vater nachgemacht und einen Sommergeburtstag bevorzugt.  Einfacher aber auch, weil die ersten Kindergeburtstage ja quasi für Anfänger sind.

Die Jahre schreiten dahin, die Themen werden komplizierter, entsprechend auch die Vorbereitungen und Kuchen. Es gab einen Drachengeburtstag (schönster Kuchen bisher), einen Feengeburtstag, einen Musikgeburtstag (mein persönlicher Favorit), einen Einhorn Geburtstag, einen Vampier Geburtstag. Und wie schon in Kindertagen macht mir das planen inzwischen auch wieder Spaß, auch wenn nicht alle Themen gleich dankbar sind (zum Vampier Geburtstag gab es einen sehr makabren Sargkuchen). Was es immer gibt sind Tränen. Und Spaß. Und für die Eltern Stress pur (für die Kinder wohl auch). Die Kleine schaffte es am Geburtstag der großen ihren Kummer am besten zu verbalisieren: „Mir ist das alles zu viel, zu viele Kinder und zu laut.“ Danach ist man nur froh, wenn es vorbei ist und man sich endlich den Weihnachtsvorbereitungen in Ruhe zuwenden kann. Und dem Familiengeburtstag. Und dem Kuchen für Schule und Hort. Dabei ist es morgens immer so schön, zu sehen, wie sich die Kinder freuen und staunend vor ihrem Geburtstagstisch stehen. Und es wurde noch keine Träne geweint.

Und in diesem Jahr ist mir eines klar geworden. Neben der Planung der diversen Feste hat mir IMMER der Tag danach besonders gut gefallen. Wenn es wieder ruhig und ordentlich war. Wenn man sich die Geschenke in Ruhe ansehen konnte. Wenn man mit Fug und Recht einfach mal faul sein konnte, vielleicht ein bisschen Lesen, etwas nettes kochen oder backen. Und nach einem Gespräch mit der Großen stellte ich fest, der geht es schon ganz genauso.

Nur kam da vor ein paar Tagen diese Frage…“Wie feierst Du denn dieses Jahr Deinen Geburtstag“. Und da dachte ich, das Thema wäre schon erledigt……

Schreibe einen Kommentar