Spielplätze

Spielplätze können so unterschiedlich sein. Genauso ist die Nutzung von Spielplätzen ganz unterschiedlich. Klar, erstmal ist da die ursprünglich geplante Nutzung. Kinder gehen dorthin um zu spielen.
Allerdings habe ich durchaus Erinnerungen auch als Teenager auf verlassenen Spielplätzen auf Schaukeln mit Freunden einen geruhsamen Gedankenaustausch gehabt zu haben. Wir ließen nicht nur die Seele, sondern auch den Körper baumeln. Manchmal begegnen einem auf Spielplätzen auch saufende oder randalierende Teenager.

Und interessant ist es auch die Eltern zu beobachten. Als Kind haben mich die Eltern nicht sonderlich interessiert. Als Elter dann natürlich schon. Und auf Spielplätzen prallen die unterschiedlichen Erziehungs-ansätze wie sonst vielleicht nur auf Elternabenden aufeinander.

Natürlich gibt es in bestimmten Vierteln bestimmte Häufungen von Elterntypen, aber einige statistische Ausreißer gibt es wohl überall. Daher hier eine kleine Übersicht:

1. die Sportlichen

Diese Gruppe kommt oft mit einem halben Fuhrpark zum Spielplatz. Roller, Blades, Fahrrad mit Anhänger (in dem dann noch weitere Fahrgeräte transportiert werden), Laufrad,… Sie findet man in der Nähe von Klettergeräten, auf denen die Kinder zu Höchstleistungen angestachelt werden. Meist haben sie noch ein paar Wasserflaschen im Gepäck. Entspanntes Schaukeln ist bei dieser Gruppe so gut wie ausgeschlossen. Gesprächsthemen sind die Erfolge (nicht nur sportlicher Art) der Sprösslinge. Was Förderung betrifft, kann man sich hier sicher eine Scheibe abschneiden.
Das Leben ist ein Wettkampf, Erziehung auch.

2. die Entspannten

Diese Gruppe, sitzt meist im Rudel auf sonnigen Bänken. Es kann schon vorkommen, dass sie mal das eine oder andere Spielgerät der Kinder vergessen haben aber sie haben vermutlich an Ihren Kaffee für unterwegs gedacht. Sie beobachten, wie die Kinder sich selbst beschäftigen, in Krisensituation sind sie in der Nähe aber im Großen und Ganzen geben Sie den Kindern Raum, sich mit sich selbst zu beschäftigen und kreative Lösungen für den Ersatz der vergessenen Sandspielsachen zu finden.
Von Ihnen kann man sich gut abgucken, den Kindern Raum für sich selbst zu geben und sich selbst Raum zum Durchatmen.

3. die Helis

Ihre Kinder sind ihr höchstes Gut. Sie definieren sich über die Kinder, können sich daher mit den Sportlern durchaus messen, was Förderung und Wettbewerb betrifft. Allerdings können sie schlecht loslassen. Sie werden jeden Schritt begleiten, jeden Kletterversuch wegen zu hoher Risiken unterbinden. Erkennungszeichen ist das allgegenwärtige Desinfektionsmittel. Von Ihnen kann man sich immer wieder erinnern lassen, dass die Kinder eben wirklich unser höchstes Gut sind. Sie sind wertvoll, kostbar und schützenswert.

4. die „Speziellen“

Diese Eltern sitzen mit der Kippe neben dem Sandkasten. Manchmal haben sie auch ihre Dose Bier in der Hand. Der größte Extremfall, den ich je gesehen habe, war ein Vater, der auf einer Liege neben dem Klettergerüst lag. Auf den ersten Blick ging ich davon aus, dass ein Obdachloser hier eine gemütliche Ruhestadt gefunden hatte; als ein kleiner Junge dazu kam, konnte ich ihn als „Begleitvater“ identifizieren.
Man kann davon ausgehen, dass diese Eltern es sehr schwer haben. Es ist Ihnen also hoch anzurechnen, dass sie mit ihren Kindern zumindest auf den Spielplatz gehen. Trotz all der missbilligenden Blicke der anderen Eltern.
Von ihnen sollte man sich abgucken, nicht aufzugeben. Mehr sollte man sich allerdings besser nicht abgucken.

5. die Ernährer

Diese Eltern haben oft ein ganzes Picknick dabei. Entscheidend hier ist, dass der Nachwuchs und alle anderen Kinder auf dem Spielplatz nicht verhungern. Die Entspannten und die Speziellen wären oft aufgeschmissen ohne sie. Je nachdem wie gesund die Vorräte sind, kann man sich die Fürsorge abgucken oder eben besser nicht. Kein Essen dabei zu haben kann auch eine gute Möglichkeit sein, den Spielplatz auch irgendwann wieder ohne große Proteste der Kinder zu verlassen. Trotzdem sind die Ernährer wohl die einzigen Eltern, die von allen Kindern auf dem Spielplatz wahrgenommen werden.

6. die Junggebliebenen

Die Junggebliebenen gehen nicht nur wegen der Kinder auf den Spielplatz. Sie findet man mit leuchtenden Augen auf der Wippen, dem Karussell, dem Klettergerüst, der Rutsche oder wo eben sonst gerade Spaß ist. Sie müssen dabei aufpassen ihre Kinder nicht aus den Augen zu verlieren, sind aber generell gute Begleiter. Die Leichtigkeit und den Moment und die Möglichkeiten zu genießen sollte man sich von diesen Eltern abgucken.

Natürlich gibt es – wie überall – auch in dieser Systematik Mischtypen. Und letztendlich kann man ja wirklich niemanden einfach so in eine Kategorie stopfen, den jeder ist anders und findet seinen eigenen Weg, oder?

Sorgen

Ich mache mir eigentlich immer wegen irgendetwas Sorgen.
Sind die einen erfolgreich bekämpft, kommen schon die nächsten.

Manche würden sagen ich bin zu negativ oder mache mir zu viele Gedanken. Ich würde sagen, ich habe eben einfach genug Vorstellungskraft, dass ich Dinge weiter voraus denken kann und mir die möglichen dramatischen Konsequenzen eben ganz plastisch in allen Farben und Schattierungen vorstellen kann. Das kann ich auch nicht abstellen.
Mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt, habe für die meisten Eventualitäten einen Plan B, C, D usw. (das Alphabet hat ja zum Glück viele Buchstaben) und freunde mich eben einfach mit den Sorgen an.

Denn im Grunde genommen sind sie meine treuen und zuverlässigen Verbündeten. Ohne sie hätte ich wohl nicht mal einen Plan B. Wenn dann etwas passierte, könnte ich nicht reagieren. Sie begleiten mich auf Schritt und Tritt und sorgen dafür, dass ich nie einsam bin, denn mindestens die Sorgen sind ja immer bei mir.
Sorgen mache ich mir in der Regel um andere. Je mehr Menschen ich liebe, desto zahlreicher und größer die Sorgen.

Nur manchmal, ganz selten, lassen einen selbst die zuverlässigsten Sorgen im Stich. Dann setzt das Frühwarnsystem aus und man wird von Dingen überrumpelt. Es gibt Dinge die sind so schrecklich, dass sie meinem Hirn zu abstrakt sind.
Natürlich weiß man, dass dieses oder jenes passieren könnte, aber die Konsequenzen sind so immens, das man sich mit der blühendsten Phantasie nicht vorstellen kann, wie die genau aussehen. Also bleiben diese Sorgen klein und abstrakt, bis sie plötzlich riesig, übermächtig, real und greifbar werden.
Das sind dann keine guten Freunde mehr sondern Schreckgespenster, die einen vor sich her jagen und nur noch funktionieren lassen. Die einen hetzen und kaum die Luft zum Atmen lassen. Die einen zwischendurch überrennen und auf einem herumtrampelt, mit einem ringen und einen niederstrecken, bis man sie bezwungen hat, dressiert oder besiegt hat. Sie handzahm mit sich herum schleppt. Dann sind sie wieder mehr oder weniger drollige Begleiter, die einen etwas verschroben werden lassen.
Die Narben von diesen Kämpfen trägt man (meist unsichtbar) mit sich. Sie verändern einen und man weiß plötzlich, welche Bestien in den kleinen Begleitern schlummern können.

Und jetzt Platz und Ruhe ihr Sorgen.
Gut das ihr da seid, aber bleibt bloß brav!

Kampferprobt

Es gibt ein interessantes Phänomen, wenn mehrere Männer aufeinander treffen, die
ihren Wehrdienst abgeleistet oder sogar verlängert haben. Sobald klar ist, dass sich zwei Exemplare dieser Spezies aufeinander treffen, wird genauestens
geprüft, um was für ein Gegenüber es sich handelt.

War er ein Luftsack, Seesack oder Drecksack? KSK? Welche Zusatzausbildungen hat
er? Wüste, Eis und spätestens dann steige ich regelmäßig aus weil dann nur
noch Abkürzungen kommen deren Bedeutung ich mir zwar habe erklären lassen, die
ich aber niemals wieder geben könnte.

Danach wird mit persönlichen Anekdoten und gemeinsamen Vorgesetzten eine Annäherung vollzogen.
Man(n) versichert sich gegenseitig, was für ein harter Kerl man doch ist, was man alles aushält und wie entspannt die Zeit nach der Grundausbildung dann war. Wer mehr Abkürzungen gesammelt hat ist härter und krasser und überhaupt. (Der Sieger in diesem Spiel in meinem Bekanntenkreis ist übrigens dann wieder ganz bescheiden, vermutlich allein schon weil seine Einsätze so geheim waren, dass er nicht darüber sprechen darf).

Ich habe dieses kleine Ritual bisher immer belächelt. Bis mir vor ein paar Jahren dann aufgefallen ist bzw. ich die Theorie aufgestellt habe, dass manche Frauen genau das gleiche haben.
Um genauer zu sein haben Mütter dieses Ritual. Und die Geburten sind dabei das Kriterium. </br>Treffen mehrere Mütter aufeinander und die Sprache kommt auf das Thema Geburt und die Mütter sind unter sich geht es los:
Natürliche Geburt mit oder ohne PDA, Saugglocke, Kaiserschnitt. Wehen wie lang? Gibt es Kampfverletzungen? Wo wie groß und in welcher Form, usw.

Danach wird mit Anekdoten über die Väter oder Kinder eine Annäherung vollzogen. Frau versichert sich gegenseitig was man geschafft hat und wie toll die Kinder doch sind und überhaupt.

Man kann da mitmachen oder es bleiben lassen. Auf jeden Fall, kann man es genauso belächeln.

Der Unterschied ist, denke ich, nur der, dass bei den Männern der „Unterlegene“
sich danach trotzdem wie ein ganzer Kerl fühlt, der an seine besondere Zeit
des Kerl seins zurück denken kann.

Bei Frauen, fühlt sich die „Unterlegene“ dann wie der letzte Versager, weil sie nicht in der Lage war zum genauen Geburtstermin eine perfekte Geburt ohne PDA oder
sonstige Hilfsmittel hinzulegen.
Dass sie in ihrem Körper trotzdem einen Menschen zusammengebaut hat, der ihr in der Regel lieb und teuer ist, vergisst sie dann womöglich sogar für einen Moment. Das ist nicht genug.

Warum eigentlich?

Alter und Schwangerschaft

Ich glaube, Frauen sind in manchen Dingen klar im Vorteil. Konkret, komme ich im Moment auf diese Idee, weil wir die Chance haben, einen kleinen Vorgeschmack darauf zu bekommen, wie es ist alt zu sein, bevor wir alt sind. Wir können uns also geistig rechtzeitig darauf vorbereiten, mit dem Gedanken anfreunden und schon einmal „testen“ wie wir wohl als „Alte“ so sind.

Warum ich glaube, dass dies geschlechtsspezifisch ist? Weil dieser kleine Vorgeschmack mit einer Schwangerschaft einhergeht. Sicher ist es nicht das Gleiche, aber es gibt, denke ich, doch einige Ähnlichkeiten.

Wie das Alter, fängt es unscheinbar an. Man merkt ein paar kleine Veränderungen, hat vielleicht hier und da mal ein kleines Zipperlein oder ist eventuell ein kleines bisschen schneller erschöpft als früher. Man verzichtet für die gesunde Lebensweise auf Giftstoffe wie viel Koffein oder Zigaretten oder Alkohol, achtet mehr darauf, was man isst und was nicht. Ansonstengeht es einem wie immer.

Nach und nach werden die Abstände zwischen diversen Untersuchungsterminen immer kürzer, Sprechstundenhilfen kennen einen sofort beim Namen und man entwickelt die ersten Insiderwitze mit ihnen – man kennt seine Routine. Die braucht man vielleicht auch, weil man eventuell ein kleinwenig vergesslicher oder schusseliger wird und Routine einem da doch ziemlich weiter hilft.

Mit der Zeit wird man etwas behäbiger, die Umwelt traut einem weniger Beweglichkeit und Energie zu, als man eigentlich hat, die ersten bieten einem in öffentlichen Verkehrsmitteln Sitzplätze an und die Zipperlein werden etwas mehr. Vielleicht ist man ein wenig mehr verspannt oder verträgt nicht mehr alles so wie früher. Man fühlt sich vielleicht nicht mehr ganz so attraktiv. Manche fangen vielleicht schneller an, ein wenig zu müffeln, aber das macht gar nichts, denn die gesunden Wechselduschen gehören ohnehin längst zum Programm. Die Klamotten werden vielleicht etwas pragmatischer, weniger schick, dafür etwas bequemer, die Absätze flacher.

Irgendwann merkt man dann, dass die Zeit schnell weiterläuft. Man versucht noch einige Projekte, die einem wichtig sind, voranzutreiben, versucht das Leben noch einmal in seiner alten Form zu genießen (viel intensiver als man das vorher vielleicht getan hätte, aber man meint, es ist einfach ein wenig geballte alte Normalität „bevor es vorbei ist“). Man versammelt immer mal wieder ein paar Energiereserven, um einfach mal wieder etwas Verrücktes zu tun, ist aber gleichzeitig immer öfter ganz froh, wenn einem jemand hilfreich zur Seite steht, einem bei längeren Strecken zu Fuß den Arm reicht, dass man sich einhaken kann oder sich auch für so unangenehmeTätigkeiten wie einem die Fussnägel zu schneiden, bemüht.

Und irgendwann ist der Zeitpunkt erreicht, da man weiß, dass die Zeit bis zur großen Veränderung wirklich endlich ist, man findet sich damit ab oder hadert zwischendurch ein wenig damit, man freundet sich damit an, wartet vielleicht sogar freudig entgegen, weil es eben ein Abschluss des Momentanzustandes ist.

In beiden Fällen weiß man ja nicht so recht, was auf einen zukommt. Im Fall einer Schwangerschaft, hat man vermutlich eine etwas klarere Vorstellung, aber genaue Fakten oder Erfahrungswerte hat man natürlich nicht wirklich. Man wartet also, hat seine wichtigen Projekte abgeschlossen oder übergeben und vertreibt sich die Zeit. Vielleicht mit gemächlichen Spaziergängen auf denen man dann Rentner und Schwangere trifft.

Manche wollen den Zustand nicht ändern, können schwer loslassen, genießen in vollen Zügen, auch wenn all das, was man sich sovorgenommen hat für diese Zeit, aus den unterschiedlichsten Gründen nicht komplett zu schaffen ist (sei es aus Geld- oder Energiemangel oder einfach weil man plötzlich seine Prioritäten eben doch ganz anders setzt).

Und irgendwann ist der Zeitpunkt dann da, wo sich alles ändert und das Warten vorbei ist.

Entscheidend ist aber, denke ich, dass man in beiden Phasen bestimmte Typen ausmachen kann.

Natürlich geht es nicht jedem gleich gut oder gleich schlecht. Natürlich geht jeder anders mit sich und der Situation um. Es gibt die, die ihre Rente genießen, die ihre Schwangerschaft genießen und nur wenige kurze Momente haben, wo es ihnen damit anders geht.

Es gibt die, die jammern, die die keine anderen Themen mehr haben, die, die sich über jedes Gespräch, das mit anderen Lebensabschnitten zutun hat, freuen. Es gibt die, die sich Gedanken machen, wie sie sich dem Moment der Veränderung stellen werden und die, die eher mit dem Leben danach beschäftigt sind. Die die ihre Welt angranteln, die die erwarten, dass sie verwöhnt werden, die die davon überrascht sind und es in vollen Zügen genießen. Die dankbaren und die undankbaren, die zufriedenen und die unzufriedenen.…

Der Vorteil bei einer Schwangerschaft ist: man weiß relativ genau, wie lange der Zustand andauert und dass das Leben danach in irgendeiner Form weiter geht.

Beides ist beim „alt werden“ irgendwie deutlich ungewisser.

Trotzdem bin ich davon überzeugt, dass man einen ersten Eindruck bekommen kann, welches Selbst im Alter auf einen zukommt, wenn man erkennt, welches Selbst man während einer Schwangerschaft ist.

Ponyhof und Streichelzoo

Sogenannte soziale Netzwerke machen das Leben irgendwie eigenartig.
Darüber habe ich mir hier ja schon das eine oder andere Mal den Kopf
zerbrochen. z.B. was das Revierverhalten betrifft.

Heute denke ich also wieder darüber nach, wie sich unsere schöne neue Welt
verändert.

Man „befreundet“ sich mit Menschen, die man kennt, bleibt so leichter in Kontakt, hat einfach einen Kommunikationskanal mehr. Es fällt also noch ein wenig schwerer sich aus den Augen zu verlieren; und jemanden nicht mehr im Leben haben zu wollen, wird noch viel mehr zu einer aktiven Entscheidung und sobald man die getroffen
hat, zu einem klaren Signal für den anderen. Aber man „befreundet“ sich eben
häufig auch mit denen, die man nur irgendwann mal gekannt hat.

Vermutlich ist das für die nächste Generation schon ganz anders, weil man da
von Anfang an auch auf diesem Weg vernetzt ist.
Anders ist es in meiner Generation, wo man Leute z.B. aus der Grundschule, häufig nicht mehr unbedingt so auf dem Radar hat, dass man alle Veränderungen der letzten Jahre mitbekommen hat.
Ab und zu trifft man sich irgendwo. Es kann also sein, dass man Bekannten z.B. am Bahnsteig begegnet, die man Jahre nicht gesehen hat. Wenn es angenehme Zeitgenossen waren, als man noch mehr mit ihnen zu tun hatte, fängt man wahrscheinlich ein kleines Schwätzchen an.
Man fragt sich gegenseitig, wie es so geht, was es für Neuigkeiten gibt und entscheidet sehr genau, was man dem anderen erzählt.
Diejenigen, die man schon früher nicht ganz so mochte „übersieht“ man vielleicht oder grüßt nur kurz, bevor man sich wieder in sein Buch vertieft.
Völlig anders ist es bei sozialen Netzwerken. Da man dort von Zeit zu Zeit auch wirkliche Schätze wieder ausgräbt, oder auf einfachem Weg mit Leuten ins Gespräch kommt, mit denen man sich vielleicht früher gar nicht ganz so viel zu sagen hatte und dann eben plötzlich doch, oder einfach neugierig ist, ist man dort etwas offener. Sich dort mit jemandem „anzufreunden“ ist ein wenig wie das Grüßen am Bahnsteig. Man kennt sich oder kannte sich und grüßt eben. Die weniger angenehmen Zeitgenossen
„übersieht“ man mit den besonders angenehmen fängt man vielleicht sogar ein
angeregtes Gespräch an. Der Gesprächseinstieg funktioniert fast genauso, wenn
man keinen guten „Aufhänger“ hat sagt man eben nur: “Das ist aber nett, dass
ich Dich hier treffe.“
Allerdings ist die Situation in zwei Punkten hier ganz anders, als in der Realität.
Erstens denken leider nur sehr wenig Menschen darüber nach, was sie den einzelnen Menschen erzählen möchten.
Ich persönlich teile meine „Freunde“ von Anfang an in verschiedene Gruppen auf, um es eben zunächst mal bei einem kurzen Gruß zu belassen. Nur ausgewählte Personen (die ich nebenbei bemerkt an meinen Händen abzählen kann) erfahren wirklich alles, was ich über diesen Kanal teilen möchte (und auch das ist sicher nicht alles, was meine Freunde in einem persönlichen Gespräch erfahren oder was es zu erzählen gibt oder sogar was registrierte Leser hier erfahren).
Das fassen zwar sicher viele als unhöflich auf, ist aber in meiner Wahrnehmung nicht
unhöflicher als sich nach einem kurzen Smalltalk wieder seinem Alltag
zuzuwenden.
Andere sind da deutlich offener. So kann es z.B. sein, dass man bei diesen kurzen Begegnungen erfährt, dass der andere geheiratet hat, wo genau derjenige wohnt, wie der Nachwuchs auf dem Ultraschall aussieht, welches die Lieblingskneipen sind, wann die Wohnung leer steht, wie er seinen letzten Urlaub verbracht hat und den vorletzten und den vorvorletzten, wen er mag und wen er von seinen Freunden weniger mag und und und.
Und das ist der zweite Unterschied. Der Smalltalk, wie intim auch immer, hört nicht mehr auf. Man steigt nicht einfach aus der Bahn und geht wieder seines Weges.

Und auch wenn sich das alles vielleicht furchtbar kulturpessimistisch anhört, ist es das keineswegs. Ich wundere mich darüber. Ich mag es aber auch irgendwie. Und zwar mag ich es deshalb, weil man überwiegend schöne Veränderungen mitbekommt.

Soziale Netzwerke zeichnen die Welt in rosarot. Bei Trennungen z.B. werden
die Nutzer nämlich vorsichtig, wer was zu sehen bekommt. Schwere Krankheiten
postet man nicht bei Facebook und Co. Die Welt der sozialen Netzwerke besteht
aus Umzügen, Rotznasen, Verliebtheit, Hochzeiten, Nachwuchs, Urlauben, neuen
Jobs.
Wer nicht genau guckt, kriegt nicht einmal mit, wenn er nicht zurück gegrüßt wird oder wer einen nicht mehr kennen will.
Meine Theorie für heute also: Die Welt in sozialen Netzwerken ist ein Ponyhof
mit Streichelzoo und es gibt jeden Tag ein Wunschkonzert. Nur nicht zu genau
hingucken oder nachdenken, gell.

Von Affen und Menschen

Bei der kleinen Feier zur Habilitation der Frau (damals Mitte vierzig) meines Cousins (ebenso Mitte vierzig) waren unter den geladenen Gästen ihre und seine Eltern (damals jeweils Ende siebzig), seine Tante (damals Endes echzig) eine Freundin der Familie mit Partner (Ende fünfzig) und die Tochter der frischaufgestiegenen Wissenschaftlerin (damals vielleicht vier).

Um die Tochter entsprechend beaufsichtigt zu wissen, und das Gespräch unter den „Alten“ nicht abreißen zu lassen, verlegte sich diese illustere Runde nach dem Schmausen alsbald auf einen Spielplatz. Dort auf aufgerichteten unterschiedlich hohen Holzstämmen sitzend, in kleineren Grüppchen von zwei oder drei saßen „die Silberrücken“ in einem weiten Kreis die Anverwandten und Freunde um das einzelne im Sand spielende Kind.

Ich musste dabei tatsächlich an eine Affenherde denken, die sich friedlich laust. Abgesehen davon, dass diese Gruppe sicher nicht der schlechteste Spiegel der Gesellschaft ist, bringt mich das Bild zu einer meiner liebsten Fremdtheorien. Das Lausen der Affen ist nicht nur in meinem Bild sondern in besagter Lieblingstheorie durch Kommunikation ersetzt. Eigentlich ist die Theorie um die es geht zwei Theorien, denn die Form der Kommunikation, die das Lausen ersetzt, wird nicht einheitlich gesehen. Einerseits wird eine Parallele zum Small Talk gezogen: „Small Talk entspricht eher dem, was wir bei unseren engsten genetischen Verwandten, den Affen, als Fellpflege beobachten […] DieseFellpflege […] erfüllt nur zum Teil eine reinigende Aufgabe. Sie dient vielmehr der Pflege der gegenseitigen Beziehung. Sowohl derjenige, der den anderen an sein Fell lässt, als auch derjenige, der die pflegerische Tätigkeit ausführt, signalisiert damit so etwas wie eine geduldete Nähe. Die Fellpflege dient also eigentlich der Pflege sozialer Bindungen.“ (vgl. http://www.news.de/gesundheit/855042844/machen-wir-s-den-affen-nach/1/)

Andererseits gibt es Parallelen zum Lästern: “Das Lausen garantiert den Gruppenfrieden, weil dadurch Freundschaften gefördert werden und Feindschaften beendet werden können, wobei auch Stress abgebaut [wird]. Je größer die Gruppe ist, desto mehr Zeit wird in Lausen investiert. In einer menschlichen Gesellschaft ist Lausen ineffizient. Die Sprache ist effektiver als der Physische Kontakt. […] Durch das Lästern haben die Menschen die Fähigkeit entwickelt Informationen über dritte auszutauschen. Außerdem findet in den Gesprächen Austausch von sozialen Erfahrungen und Normen, die die Bildung von Allianzen und Kooperationen fördern könnten. […] Wer aus der Kommunikationsgemeinschaft ausgeschlossen ist, hat Probleme Kooperations- und Sexualpartner zu finden.  (Aus Pancheva, Bistra: Die „social brainhypothesis“.)

Meine Theorie geht allerding noch weiter. Ich glaube so weit von den Affen sind wir noch nicht entfernt. Ich hatte schon damals bei der obenerwähnten Feier den Eindruck, dass Menschengruppen Affengruppen sehr ähnlich sind.

Vor kurzem, war ich dann wieder einmal erinnert an eine Affengruppe. Dieses Mal war es der Pavianfelsen im Hellabrunner Zoo.

Die Alten waren dieses Mal in der Minderheit. Vier Weibchen und nur eines davon über sechzig, ein Männchen, dass zwischendurch mit gelaust wurde aber meist den Weibchen beim Lausen zusah (vermutlich weil des Männchens Position in dieser Gruppe klarer definiert war als die der Weibchen untereinander) oder die Jungtiere, fünf an der Zahl, die um die ausgewachsenen Äffchen herumtollten, lauste. Ab und zu gesellte sich das eine oder andere Jungtier zu den ausgewachsenen Tieren, um kurz im Klammergriff Nähe zu suchen und gleich darauf wieder zu verschwinden. Ab und zu streckte eines der Weibchen einen Arm aus und griff sich eines der Jungtiere um in irgendeiner Form erzieherische Maßnahmen einzuleiten oder zu lausen. Alles in allem eine sehr entspannte und friedliche Szene. Genau so wie ich sie gerne auf den besagten Pavianfelsen beobachte.

Auch wenn sich die Alterspyramide eher zu der ersten Szene verschiebt, ist der Rest noch ganz „natürlich“.

Also lasst und Lausen, sei es durch Worte oder physische Nähe und genießen wir einfach ab und zu unser Affendasein.  


Revier

Wir kennen alle Beispiele für das Territorialverhalten von Tieren.

Bei wikipedia findet man zu diesem Thema folgenden Text:

„Es dient dazu, das eigene Territorium gegen andere Tiere der gleichen Art zu verteidigen und gegen deren Territorien abzugrenzen. Auf diese Weise werden Nahrungs- und Sexualkonkurrenten auf Distanzgehalten […] Vom Territorium zu unterscheiden ist das häufig wesentlich größere Streifgebiet, in dem sich dieTiere nur zeitweise aufhalten und das sie nicht verteidigen. Die Streifgebiete mehrerer Tiere können sich somit überlappen, nicht aber deren Territorien. Man kann das Territorium daher auch definieren als jener Teil des Streifgebiets, der gegen Artgenossen verteidigt wird. Zum Territorialverhalten können auch alljene Verhaltensweisen gezählt werden, die das Revier und vor allem seine Grenzen markieren, zum Beispiel Duftmarken oder Lautäußerungen wie der Gesang der Vögel. Manche Arten weisen hoch entwickelte Formen der Territorialverteidigung auf.“

Auch bei Menschen kann man solche Verhaltensweisen beobachten.

Wir errichten Zäune um unser Revier abzugrenzen, regen uns über Nachbarn auf die sich im geteilten Hausflur zu sehr ausbreiten, ärgern uns wenn jemand auf unserem Stammplatz (unserem Revier) sitzt, gehen unser Streifgebiet ab indem wir unsere Bekanntschaften pflegen und regelmäßig nachdem Rechten hören, verteidigen unser Rudel, das in gewisserweise zu unserem Revier gehört und überhaupt werden wir bissig wenn jemand unsere Grenzen verletzt.

Bei manchen männlichen Exemplaren unserer Gattung ist sogar manchmal ein Markieren des Reviers durch öffentliches urinieren, ähnlich wie bei Hunden, zu beobachten.

Allerdings hat sich unser Territorialverhalten durch das Internet noch erweitert. Besonders das Streifgebiet ist dadurch betroffen.

In sozialen Netzwerken ist unser Profil unser Kernrevier. Wir beobachten genau, wer dort seine Marken setzt. Auch markieren wir in unserem Streifgebiet durch Kommentare, Grüße oder einfach einen kurzen „Besuch“.

Haben wir ein neues Objekt der Begierde gefunden, wird dessen Revier genauestens untersucht, markiert, sofern keine Gefahr durch das Objekt der Begierde besteht, und dem eigenen Revier angeschlossen falls das Objekt der Begierde an einem gemeinsamen Revier interessiert ist (dies ist übrigens im virtuellen Revier in der Regel deutlich schneller der Fall als im realen Leben).

Interessant ist es, wenn in diesem virtuellen Revier Revierkämpfe entstehen. Diese entstehen selten durch Nahrungskonkurrenz aber sehr häufig durch Sexualkonkurrenz, sei sie nun vermeintlich oder echt.

Wird eine Markierung eines potentiellen Sexualkonkurrenten entdeckt, fletschen wir schnell die Zähne.

Wir versuchen die Markierung durch eigene Markierungen zu überdecken. Wir intensivieren unsere Kontrollgänge. Wir benehmen uns wie die Tiere.

Meine Theorie ist, dass das Revierverhalten im Internet viel deutlicher zu beobachten ist, als im wirklichen Leben.

Irre ist menschlich


Donatella Marazziti, eine Psychiaterin aus Pisa fand heraus, dass bei frisch verliebten Menschen der Serotoninspiegel im Blut auf einkrankhaft niedriges Niveau absinkt. Erst nach ca. 18 Monaten normalisiert sich dieser Zustand wieder (vgl. Kast, Bas: Die Liebe oder wie sich die Leidenschaft erklärt, Frankfurt am Main 2006,S. 89f.).

Das überrascht nicht weiter. Kennen wir doch alle Beschreibungen wie jemand ist „verrückt vor Liebe“, „liebestrunken“ oder „krank vor Liebe“.

Jeder kennt das Gefühl, wenn die Gedanken um das Objekt der Begierde kreisen, ohne vernünftige Grenzen einzuhalten.

Jeder weiß, wie es ist, wenn man die Gefühlsachterbahn eines frisch verliebten Menschen auf und ab rast.

Jeder kennt die Situationen, in denen man durch einen anderen Menschen so zufrieden wird, dass man ein Dauergrinsen gar nicht mehr aus dem Gesicht wischen kann.

Jeder kennt die totale Verzweiflung, wenn diese Gefühle nicht erwidert werden und das totale Glück, wenn sie es werden.

Wenn wir verliebt sind, sind wir irre!

Da stellt sich für mich die Frage, ob irre Menschen nicht vielleicht viel intensiver Leben? Und sind nicht vielleicht sogar glückliche irre Menschen glücklicher?

Und wie intensiv nehmen wir alles wahr, wenn wir verliebt sind?

Ist nicht genau dieser Irrsinn es, der das Menschsein ausmacht? Diese Intensität?

Meine Theorie ist es, dass verliebt sein uns menschlicher macht. Gerade weil wir dadurch so wunderbar irre werden.

Wir kämpfen beinahe aussichtslose Kämpfe, wir legen eine Engelsgeduld an den Tag, wir sind netter zu unseren Mitmenschen als gewöhnlich, haben bessere Laune, riskieren mehr, leben das Leben in volle Zügen…

Mich würde interessieren, war andere darüber denken. Liebestrunkene wie nüchterne Menschen…

FengShui

Ich glaube ja, dass esoterische Theorien durchaus ihre Berechtigung haben. – Fengshui z.B. – Es erscheint mir sehr logisch, dass Ordnung die einen umgibt auch unterstützend für die innere Ordnung ist.

Wenn ich Klarheit brauche, fange ich sehr häufig erstmal mit Aufräumen, Ausmisten und Putzen an. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass diese Reinigung meiner Umgebung dazu führt, dass ich auch innerlich gereinigt bin und wieder klar sehen kann. Sozusagen ein seelisches Fensterputzen durch externe Reinigungsmaßnahmen.

Genauso habe ich nach einem längeren Besuch das Bedürfnis erstmal die „fremden Federn herauszukehren“. In den entsprechenden Theorien wäre dann die Rede von fremde Energien beseitigen, eigene Energien harmonisieren, negative (weil andere) Schwingungen beseitigen. Ich weiß nur, dass ich mich nach diesem Reinigungsritual wohler fühle und erst dann richtig Entspannen kann. Lustigerweise stören mich die „fremden Federn“ solange das fremde Federvieh da ist, überhaupt nicht. Nun ja, es kommt vielleicht auf dasTier an. Prinzipiell mag ich ja Felidae lieber als Aves aber auch da sind mir schon sympathische Exemplare über den Weg gelaufen.

Ob es auch esoterische Theorien darüber gibt, welche Menschen welche Tiere mögen?

Schweinehunderziehung

Irgendwie steht man ja sehr oft im Kampf gegen den inneren Schweinehund. Und ich habe mich schon oft gefragt, warum manche in diesem Kampf so erfolgreich sind und
manche so gar nicht erfolgreich sind.

Bis mir klar geworden ist, dass das alles eine Frage der Erziehung des Schweinehunds ist.

Stubenrein wird ihn noch fast jeder bekommen, den kleinen Scheißer, aber die hohe Kunst der Schweinehunderziehung beherrschen nur wenige. Eine sehr gute Freundin ist Meisterin der Schweinehunddressur.

Leider verrät sie keinem ihr Geheimnis.


Man kann also nur beobachten und dann durch Versuch und Irrtum erschließen
was es genau ist, das den Schweinehund spuren läßt. Manchmal geht es in die
richtige Richtung, manchmal fängt er an sich in seiner Überlegenheit zu
suhlen. Mein Schweinehunddressurakt geht zwar sicher über die Stubenreinheit
hinaus, aber es wäre doch schön, wenn er auch für mich durch brennende Reifen
springen würde. Hat also irgendjemand vielleicht einen Tipp zur Schweinehunddressur für mich?