Wecker aus der Hölle

Es gibt ja sehr unterschiedliche Methoden morgens aufzuwachen.
Jeder hat da – genau wie beim Einschlafen – seine eigenen Mittel und Wege. Wenn man dann irgendwann den Alltag konsolidiert und zusammen zieht, müssen diese Methoden entweder in Einklang gebracht werden oder neue Wege gefunden und beschritten werden.

Mein Objekt der Begierde lies sich früher grundsätzlich vom Handywecker wecken – mit Snooze-Funktion.
Ich war den größten Teil meines Lebens ein Benutzer klassischer Wecker, und das Handy war für mich nur eine Notlösung.
Die Snooze-Funktion ist dabei eine schöne Sache, aber auch gefährlich. Abgesehen davon war ich durch den ungewohnten Handywecker zu Beginn unseres konsolidierten Alltags einfach früher wach, obwohl ich länger hätte schlafen können.


Irgendwann schenkte ich dem Objekt meiner Begierde zu irgendeinem günstigen Anlass, Weihnachten oder so einen sanften Tageslichtwecker.
Mit dieser Lösung waren wir beide sehr zufrieden, bis der Nachwuchs sein Bett in unseres verlegte und unsere Aufstehzeiten wieder stärker voneinander abwichen.
Muss ich früher aufstehen, werde ich also nun von Vibrationen am Handgelenk geweckt. Die stören außer mich niemanden.
Stehen wir gemeinsam auf, weckt uns der Tageslichtwecker.
So haben wir unsere Lösungen gefunden.
Alles wunderbar.
Meistens.
Denn wenn man gern mit offenem Fenster schläft, kann man auch von Geräuschen von draußen geweckt werden.
Wie z.B. heute durch ein lautes, aus der Tiefe kommendes Rotzen und ausspucken auf der Straße.

Ein Tag, der mit einem solchen Geräusch anfängt, kann nur sehr speziell werden.

Vom Sinn, Unsinn und der Dankbarkeit

Nun sitze ich hier also. Ich warte darauf, dass wir zum Kinderarzt aufbrechen können. Ich bin dankbar, dass unsere Gesellschaft es vorsieht, dass man als Elter von kleineren Kindern auch mal zum Versorgen der Kinder zuhause sein muss. Dass die Solidargemeinschaft einspringt und das übernimmt.

Schade finde ich, dass Eltern nicht genug vertraut wird oder zugetraut wird selbst einzuschätzen, ob das Kind nun wirklich zuhause bleiben sollte.

Die Große hat eine Erkältung. Erst fühlt es sich an wie ein verdorbener Magen, dann kommt Fieber und Schnupfen, dann wird es wieder vorbei sein. Woher ich das weiß? Weil es vor ein paar Tagen bei mir genauso war. Ich lag ein paar Tage völlig lahmgelegt im Bett und habe nicht einmal gelesen. Danach war es wieder halbwegs in Ordnung.
Sie hat die gleichen Symptome, warum also sollte es etwas anderes sein?

Natürlich geht man mit seinen Kindern kein Risiko ein. Wenn ich mir unsicher bin, gehe ich selbstverständlich mit ihnen zum Arzt.

Aber eben auch wenn ich mir sicher bin, dass es das Beste wäre, wenn sie einfach zuhause viel Tee trinken, viel schlafen und viel kuscheln und nicht in der winterlichen Kälte an der Bushaltestelle auf dem Weg zum Kinderarzt rumfrieren, um dann im Wartezimmer alles an neuen Vieren und Bakterien mitzunehmen, um das ohnehin geschwächte Immunsystem anzugreifen.
Trotzdem wir es genau so laufen, denn ich brauche ja den Wisch vom Kinderarzt um zu beweisen, dass sie wirklich krank ist.
Möglicherweise dauert es dadurch länger. Wahrscheinlich werden die ohnehin völlig überlasteten Kinderärzte von Eltern wie mir zusätzlich mehr oder weniger unnötig belastet. Mehr oder weniger, weil dieser Wisch für mich eben nötig ist.

Und so dankbar ich bin, dass ich die Möglichkeit habe mich um mein krankes Kind zu kümmern, Tee zu kochen, zu kuscheln und vorzulesen, so traurig macht es mich doch auch, dass ich mir heftige Sorgen mache, dass es meinem Arbeitgeber oder meinen Kolleginnen zuviele Fehltage werden könnten, dass ich wider meinem gesunden Menschenverstand handeln muss und mein Kind mit einer einfachen Erkältung in ein virenverseuchtes Wartezimmer setzen muss. (Übrigens auch mich selbst, mit meinem Restschnupfen.)

Das einzig Tröstliche ist, dass die Erkältungen weniger werden. Während bei meinen Krippenkindern noch der Kommentar kam: „Dein Kind ist aber ganz schön oft krank“ (laut Kinderarzt unterer Durschnitt für ein Krippenkind, aber erkläre das mal jemanden mit Kindern, die nie in einer Krippe waren oder jemandem ohne Kinder…) sind Erkältungen mittlerweile so harmlos und überschaubar, dass die vorgesehenen Betreuungstage locker reichen (besonders, da meistens eh der wunderbare Ehemann übernimmt und mir das Wartezimmer sitzen erspart). Und irgendwann, werden meine beiden besten Geschenke der Welt mich nicht mehr brauchen wenn sie krank sind. Mama-Kuscheln ist dann nicht mehr die Medizin der Wahl. Und ich fürchte, das geht ohnehin schneller als mir lieb ist.

Papier und Kontemplation

Ich lese unglaublich gerne. Und zwar richtige, echte Bücher.

Auch wenn ich einen eReader ab und zu benutze, weil er nicht blendet, wenn man neben schlafenden Kindern oder Ehepartnern liest, bevorzuge ich nach wie vor echte platzraubende, schwere, nach Papier duftende Bücher.

Und das nicht nur, weil man bei eReadern, die Bücher ja auch nicht so richtig kauft, sondern eher in Dauerleihe hat, nicht nur weil man Bücher auch einfach mal verleihen oder weiterschenken kann sondern vor allem weil man sich darin richtig versenken kann. Ich neige leider dazu mehrere Dinge zeitlich parallel anzugehen.

Ich sage bewusst nicht gleichzeitig, denn echtes Multitasking ist, denke ich eine glatte Lüge. Multitasking bedeutet nur, dass man sehr sehr schnell hin und her schalten kann. Das wirkt dann vielleicht wie Multitasking aber die volle Aufmerksamkeit hat nichts von den Dingen die man gerade erledigt. Deswegen funktioniert das mit mehr oder weniger automatisierten Abläufen ganz gut. Ich kann vor dem Fernseher stricken, da meine Hände ohnehin wissen was zu tun ist. Muss ich doch einmal einen Blick auf das Werkstück werfen, folgen immerhin meine Ohren noch halb der Handlung.
Ich kann auch mit einem leichten eReader in der Hand noch mit der anderen Hand teig kneten oder Saucen umrühren oder sonst irgendetwas sinnvolles tun. All das fordert nur einen kleinen Teil meiner Aufmerksamkeit und sorgt daher kaum für Ablenkung. Dennoch ist ein Teil meiner Aufmerksamkeit abgezogen. Kein schädlich großer Teil, aber immerhin.

Bei einem Buch ist das anders. Das muss ich mit zwei Händen festhalten damit es mir nicht zufällt. Ich kann schon technisch nichts nebenbei erledigen. Das führt dazu, dass ich mit meiner Aufmerksamkeit ganz da bin. Im Moment. Ich kann mich in ein Buch viel mehr vertiefen. Klar, kann ich auch da nebenbei Geräusche wahrnehmen und trotzdem fesselt mich das Buch mehr, allein durch die unfreien Hände. Man sollte vielleicht öfters seine Hände ruhen lassen und ganz im Moment verweilen.

Fragor praecox

Ich glaube ja, dass man am Umgang mit Feuerwerkskörpern und Böllern, speziell über Männer viel erfahren kann.

Da sind die ganz jungen Kerle, die es kaum erwarten können. Sie zündeln schon, sobald die ersten Böller in den Läden zu kaufen sind.
Die jungen Kerle, die sich kaum zurückhalten können. Eine falsche Bewegung und sie explodieren schon. Manchmal zündeln sie auch mehr oder weniger heimlich aus einem Gebüsch heraus und rennen weg sobald sie gesehen werden.

Ich kann über die ganzen Kerle die viel zu früh mit dem Feuerwerk anfangen nur den Kopf schütteln.

Dann gibt es diejenigen, die ganz vorschriftsgemäß nachts um 12 ein Feuerwerk anzünden, dass dann mehr oder weniger groß ausfällt. Interessante Feuerwerke sind ja nicht unbedingt groß, sondern entzücken, wenn sie besonders raffiniert sind.

Dann gibt es die, die an Silvester schon zu vollgefressen oder zu betrunken sind. Die liegen im besten Fall dann faul auf der Couch und es ist mit ihnen nicht mehr viel anzufangen.

Dann gibt es die jungen Väter, die sich zeitlich mehr nach dem Wachzustand der Kinder richten.

Und dann gibt es noch die Genießer. Sie müssen nicht selbst zündeln. Sie können gemeinsam mit ihrem Lieblingsmenschen ein Feuerwerk einfach genießen. Eng umschlungen. Im Gleichklang. Nicht zu früh und nicht zu spät, sondern einfach wenn es eben soweit ist.

Weichenstellungen

Vergangenen Sommer kam ich in den wunderbaren Genuss einer Mutter-Kind-Kur.
Einen Kurplatz zu bekommen, relativ kurzfristig noch vor Schulbeginn, stellte eine gewisse Herausforderung dar. Organisiert war das für meine Verhältnisse gar nicht. Zu lange hatte ich gezögert, zu lange ausgehalten. Aber es sollte sein: während ich noch am Telefon hing, um herauszufinden bei welchem Kurhaus ich mich wenigstens auf die Warteliste setzen lassen könnte, sagte just in dem Moment die richtige Familie ab und ich griff zu.
Bei weiterer Recherche stellte sich heraus, dass die Ausrichtung für uns speziell gut passen würde. Ich wurde zuversichtlich auch wenn ich mit einem Teil meiner Selbst nicht der Meinung war eine Kur wirklich verdient und nötig zu haben.
Zudem las ich vorweg einen Artikel in der TAZ wie schrecklich und furchtbar Mutter-Kind-Kuren doch seien. Und trotzdem!

„Dringend nötig!“ sagten meine Freunde, „Total verdient!!“ sagte mein Mann, „Sicher sinnvoll.“ sagte mein Hausarzt, „Wenn es sein muss…“ sagte mein Chef.

Kurz nach dem wir die Geburtstagsfeier meines Gatten hinter uns gebracht hatten (vgl. I survived the Kindergeburtstag, und ja es gab Tränen), machte ich mich Sack und Pack, mit Säckchen und Päckchen und vor allem mit meinen beiden wunderbaren Mädchen auf den Weg nach Franken, wo die Kur stattfand.
Ich war endlich der Meinung, dass eine Kur mir gut tun würde.
Wer vor dem Packen und der Anreise zur Kur noch nicht völlig kurreif ist, ist es sicher danach.

Ich hatte vor an mir zu arbeiten. Mich zu optimieren und alltagstauglicher zu werden. Geduldiger mit den Kindern, dickfelliger gegenüber meinem Chef und zuversichtlicher im allgemeinen.

Und endlich, endlich wieder voller Energie sein für alle Herausforderungen des Lebens, denen man ja ohnehin nicht aus dem Weg gehen kann. Ich wollte fleißig sein und endlich die perfekte Mama. Nebenbei wollte ich endlich wieder schreiben (abends), mit den Kindern basteln und vorlesen.

Ich selbst sah mich zwar etwas erschöpft, klar, hatte das eine oder andere Zipperlein, der Schlaf war etwas rar.
Aber letztendlich hat doch jeder sein Päckchen zu tragen und meines erscheint mir meist nicht ungewöhnlich groß.
Nun ja. Immerhin würde es bedeuten, dass ich ENDLICH mehr Zeit für meine zauberhaften, wissbegierigen Kinder hätte.

Allein das ist mir so manches wert.

Voller Tatendrang kam ich also an: 
Und dann… …passierte erst einmal gar nichts!
Wir warteten darauf anzukommen. Wir hatten ein Aufnahmegespräch. Wir bezogen unser Zimmer. Wir gingen auf den Spielplatz. Die Kinder knüpften Kontakte. Ich ließ mein Hirn baumeln. Am Abend nach dem Abendessen, fielen wir alle drei ins Bett.

In der Eröffnungsrunde war ich die erste die greinte. Aber definitiv nicht die letzte. Ich hatte meinen Stundenplan und der war voll. Gut so, ich wollte fleißig sein und an mir arbeiten. Ich hatte Zeit mit den Kindern, aber weniger als gedacht.

Ich fing an neben meinen geplanten Gesprächen und Massagen und Gruppen und Sportangeboten und was weiß ich, auch mit anderen Müttern ins Gespräch zu kommen.

In der zweiten Woche hatte ich zwei einschneidende Erlebnisse.
Ich begriff, dass ich doch etwas mehr am Limit war als ich dachte und dass es sehr wohl noch eine mächtige Stellschraube gab an der ich mit etwas Mut drehen konnte. Ich war die ganze Zeit der Meinung, den Job zu wechseln käme nicht in Frage. Eine Probezeit zu riskieren in meiner Gesamtsituation wäre außer Diskussion. Aber ich erkannte, dass ein Chefwechsel die einzige verbliebene Stellschraube war. Und dass nichts zu ändern und einfach so weiter zu machen wie zuvor das größere Risiko darstellte.

Außerdem unterhielt ich mich mit einer der anderen Mütter und stellte fest, dass sie in einer ähnlichen Konstellation eben nicht einfach gekämpft hatte, sondern aufgegeben und anders weiter gemacht hat.
Das erste Mal, nahm ich mich und mein Durchbeißen nicht für selbstverständlich, sondern sprach mir selbst Anerkennung zu.

Beide Erkenntnisse haben mein Leben bereichert. Ich habe viel Kraft getankt, habe einiges gelernt und über mich erfahren, fühlte mich gut aufgehoben.

In der dritten Woche verletze ich mir den Fuß. Tagelang konnte ich nicht auftreten ohne, dass mir schwarz vor Augen wurde. Ich musste mein Programm auf das Notwendigste herunter streichen. Ich musste mich mit dem Nichtstun beschäftigen. Mit mir selbst. Ich hatte vergessen wie das war. Und auch hier gewann ich neue alte Einsichten. Und ich merkte, wie sehr ich einem beständigen Grundrauschen ausgesetzt war. Die ganze Zeit.

Vor allem aber habe ich neue Freunde gewonnen. Denn wenn man sich unter Müttern zuhört und Verständnis für einander aufbringt, wenn man sich, wie in einer Kur, bewusst macht, dass jeder sein Päckchen zu tragen hat und aufhört sich blenden zu lassen von den perfekten Müttern.
(Die Mütter, die man überall zu sehen scheint, die alles spielend hinbekommen, die immer geduldig sind, die immer Zeit haben für Arbeit und Kinder und Haushalt und Hobbies und Freunde und Familie und Basteln und Backen für irgendwelche Anlässe und und und)
Dann merkt man, dass man nicht allein ist. Dass da eine unglaubliche Wertschätzung sein kann. Dass man sich GEGENSEITIG gut tun kann. Genauso wie es eigentlich immer sein sollte.

Heute sitze ich hier und es geht mir gut. Ich habe inzwischen in einer neuen Firma angefangen.
Ich schreibe wieder. Ich liebe meine Familie und meistens habe ich auch Geduld.

Ich bin immer noch genauso weit entfernt von der Mutter, die ich gerne sein würde, aber ich habe gelernt, dass es den meisten Müttern nicht so viel anders geht. Ich weiß mich selbst wieder mehr wertzuschätzen. Ich bin gelassener, habe nettere Chefs und mehr Zeit.

Meine Theorie: Jeder kann von einer Kur profitieren. Wer die Chance hat, sollte sie nutzen. Es ist kein Zeichen von Schwäche diese Möglichkeit zu nutzen, es ist ein Zeichen davon, dass man sich selbst gut behandelt und die richtigen Weichen zu setzen bereit ist.

Zimtsterne

Das Objekt meiner Begierde, der Vater meiner Kinder und der beste Ehemann von allen hat heute Zimtsterne gebacken. Warum das etwas besonderes ist? Weil ich es hasse Zimtsterne zu backen. Das Gebatzel, das Gemansche furchtbar. Wie meine gesamte Familie esse ich aber gerne Zimtsterne. Also standen sie auch dieses Jahr wieder auf dem Backplan. Nicht nur, dass das Objekt meiner Begierde diese Aufgabe übernommen hat, er hat mir auch noch glaubhaft den Eindruck vermittelt, ihm mache das Ganze Spaß.

Für mich ist das eine der wunderbaren Liebeserlärung in den mehr oder weniger kleinen Alltagsdingen. Und hier wird es tatsächlich ein wenig interessanter. Es gibt eine Art von Liebeserklärungen, die im ersten Sturm und Drang nicht sattfinden. Sie sind irgendwie nicht möglich und werden nicht so wahrgenommen. Die erste dieser Liebeserklärungen war der Kaffee, den ich JEDEN morgen vor die Nase gestellt bekomme. Böswillige Menschen (besonders wenn sie mich näher kennen) könnten auch behaupten, das sei eher Selbstschutz, weil ich vorher nur mit Vorsicht zu genießen bin. Die jüngste dieser Liebeserklärungen sind besagte Zimtsterne. Und auch wenn es ganz unterschiedliche Arten gibt, Liebe zum Ausdruck zu bringen, sorgen diese Zimtsterne heute dafür, dass ich mich geliebt fühle.

In der Anfangsphase einer Beziehung ist es doch so, dass man sich die großen Gesten gönnt. Heiße Liebesschwüre, tolle Unternehmungen, wohlbedachte erste Geschenke,…

Irgendwann aber schleicht sich dann der Alltag ein. Die Liebesschwüre werden leiser und bekommen eine besondere Sanftheit neben einer gewissen Routine. Die Unternehmungen, besonders wenn auch Nachwuchs da ist werden (zumindestens zeitweise) couchorientierter und die Geschenke werden schwieriger, weil man schon das Feuerwerk der ersten Male ein wenig verbraucht hat. Aber die Liebeserklärungen finden eben trotzdem ihren Weg in den Alltag. Und sie sind so wohlig weich und warm.

Meine Theorie also: es gibt unterschiedliche Arten, Liebe zu vermitteln, die im Alltag ist unscheinbarer als die ersten großen Liebesschwüre, aber wunderschön.

Schuhe

Manchmal denke ich, Ehe oder Beziehung ist ein bisschen wie ein Paar Schuhe.

Man sollte erst einmal ein paar Schritte in den Schuhen gegangen sein, bevor man sie kauft.
Natürlich kann es sein, dass die schönen neuen Schuhe am Anfang ein wenig drücken, bis sie eingelaufen sind. Irgendwann werden Sie dann entweder sehr bequem oder man verabschiedet sich von den Schuhen und sucht ein neues Paar, das nicht so schmerzhaft ist.

Wenn die bequemen Schuhe gepflegt werden, können sie lange halten.
Irgendwann werden sie aber trotz allem Hegen und Pflegen abgelaufene Sohlen haben und vielleicht ein paar andere Verschleiß-Erscheinungen. Manche Menschen werden die Schuhe dann entsorgen und sich nach neuen Schuhen umsehen.Andere sehen sich erst nach neuen Schuhen um und entsorgen das alte Paar danach.

Und manche Menschen bringen ihr liebgewonnenes Paar Schuhe zum Schuster, lassen es neu besohlen, flicken, kleben und aufpolieren und leben weiter mit ihren bequemen Schuhen. Dieser Vorgang wiederholt sich möglicherweise öfters.
Irgendwann ist aber einer oder beide Schuhe nicht mehr reparabel.

Auch dann gibt es wieder unterschiedliche Möglichkeiten damit umzugehen.

Man könnte z.B. die Schuhe umfunktionieren und Blumen hineinpflanzen.
Auch wenn die Funktion dann ganz anders ist, kann man so beide Schuhe noch wertschätzen und ihnen einen Platz im Leben einräumen.

Die gleiche Möglichkeit hat man auch dann, wenn man einen der beiden Schuhe verliert. Man kann sie nicht mehr als Paar tragen, aber eben doch noch als Teil des Schuhpaares sehen. Natürlich macht man das alles nur mit Lieblingsschuhen. Von anderen trennt man sich eben einfach.

Ich persönlich mache von jedem Paar Schuhe noch ein Abschiedsbild, um die Schuhe in guter Erinnerung zu behalten, weil sie mich ja doch viele Schritte getragen und begleitet haben. Aber für das Lieblingspaar ist jeder Aufwand richtig.


P.S.: Manche Menschen haben auch mehr als ein Paar Schuhe im Schrank. Ich hoffe nur, dass dies häufiger auf reale Schuhe als auf übertragene Schuhe zutrifft.

Reproduktion

Ich glaube für die Wahl eines Partners zur Reproduktion gelten völlig
andere Regeln als für die Wahl eines Partners quasi einfach so.
Bei der Partnersuche wird quasi eine Basis geschaffen.
Damit man in Reproduktion geht, müssen Dinge stimmen, die vorher eine eher untergeordnete Rolle oder gar keine Rolle spielen.
Der Dialekt, den man vorher vielleicht ganz charmant fand, kann zum Beispiel viel kritischer gesehen werden, da ja der eigene Nachwuchs hochdeutsch sprechen soll. Die Geduld ist plötzlich ein viel wichtigerer Faktor. Die Fähigkeit einen Freitagabend
zufrieden zuhause verbringen zu können, ist plötzlich ein Plus, statt irgendwie komisch. Plötzlich ist es viel wichtiger, ob der andere ein Familienmensch ist oder nicht.
Im Grunde sollte man eine Art Leitfaden erstellen, wenn man anfängt zu Daten und sich überlegen, was einem dann wichtig ist. Und man sollte sich vorher Gedanken darüber machen, was sich ändert, wenn sich alles ändert.
Da alles dies gar nicht möglich ist, ist meine Theorie mal wieder: Man muss manchmal echt einfach Glück haben.

Katalog

Manchmal macht das Internet den Eindruck, eine einzige große Warenwelt zu sein, in der man sich in einem Netz von Preisvergleichen und Empfehlungen, Produktbeschreibungen und Anwenderkommentaren nur verheddern kann.

Interessanterweise gehören zu der großen bunten Warenwelt dort draußen auch Menschen. Damit meine ich nicht nur Menschen, die Produkte verkaufen, anpreisen, testen und bewerten sondern in diesem Fall besonders Menschen, die sich selbst zum Produkt machen (lassen). Und um noch genauer zu werden, meine ich damit nicht irgendwelche schlüpfrigen Anzeigen, sondern Vermittlungsbörsen aller Art und etwas weniger auffällig alle Arten von sozialen Netzwerken.

Vor nicht allzu langer Zeit, war ich z.B. auf der Suche nach AuPair Vermittlungsagenturen (nicht für mich, aber in Recherchen bin ich eben gut). Und siehe da, schon auf der ersten Seite breitete sich vor mir ein Katalog von Menschen aus. Wie Bestellbräute bei LuckyLuke gab es hier„Produktbilder“ und die entsprechende „Artikelbeschreibung“.

Diese Gelegenheit, war allerdings nicht das erste Mal, dass ich den Eindruck hatte, einen solchen Menschenkatalog vor mit zu haben.

Vor zwei oder drei Jahren, als ich damals gerade relativ frisch versinglet war, empfahl mir eine Freundin, mich in einer Partnerbörse anzumelden. Nach ihren mehr oder weniger umfangreichen Selbstversuchen und einer kurzen Recherche landete ich, zeitversetzt zum testen bei zwei einschlägigen Börsen. Eine davon war für mich als williges Weibchen kostenfrei. Jedes Klischee wurde schnell bedient und die Angebote waren oft recht schnell, recht eindeutig. Auf der Startseite fanden sich die Sonderangebote und Neuheiten in bunten Bildern und kurzen Headlines angepriesen. Bei näherem anklicken konnte man sich eine mehr oder weniger detaillierte Artikelbeschreibung durchlesen. Die Lieferzeiten (von potentiellen Antworten) ließen sich meist schnell errechnen. Und wie das so beim Bestellen in Katalogen ist, war man des Öfteren vom letztendlich gelieferten Produkt enttäuscht (sicher durchaus in beide Richtungen). Natürlich war das kein Problem, denn man hatte unbegrenztes Rückgaberecht (anders bei den AuPairs, das ist wohl mehr wie Leasing soweit ich das verstanden habe).

Letztendlich war es, wie so oft bei mir, dass mir die Schnäppchenjagd auf Dauer nicht gefiel. Nach etwa einer Woche beendete ich das Ganze wieder und löschte meine komplette Produktbeschreibung.

Im Premiumsegment fühlte ich mich besser aufgehoben. Zwar bekam man ein detailliertes Angebot mit Bild nur auf Anfrage, aber die Produktbeschreibungen waren aussagekräftiger und die Produkte einfach hochwertiger.

Trotzdem fand ich nach zwei oder drei Wochen onlineshoppen,dass ich in der echten bunten Warenwelt doch besser aufgehoben sei und verließ auch diesen Katalog – in der Tasche ein paar Testobjekte für den Bekanntenkreis.

Zugegeben, das stabilste und schönste Testobjekt habe ich nach über einem Jahr im Kumpeltest dann doch behalten. Ich glaube, das Rückgaberecht ist vielleicht abgelaufen.

Mal sehen. Und derzeit genügt es mir völlig in der bunten Warenwelt Schaufenster zu bummeln.

Happy Ends


Ich gestehe, ich bin süchtig nach Happy Ends! Manchmal zappe ich sogar so ab 22.00 Uhr durch die verschiedenen Sender von Happy End zu HappyEnd, einfach nur weil es so schön ist.

Trotzdem habe ich mit meiner Wahlschwester auch mal eine Liste erstellt, auf der wir Filme gesammelt haben die kein Happy End haben.

Hollywood Happy Ends sind ja meist sehr ähnlich und wir waren auf der Suche nach etwas anderem.

Im echten Leben ist es etwas abwechslungsreicher und manchmal auch weniger beständig. Wärend Filme nach dem Happy End – naja –enden…geht das Leben ja weiter und es gibt wieder hunderte Wege die man gehen kann, hunderte Abzweigungen für die man sich entscheiden kann und manche davon bewegen sich vom aktuellen Happy End zu auf ein neues ganz anderes und andere führen auf verschlungenen, hübschen, teilweise aufregenden, teilweise gerade, teilweise schwierigen Wegen durch das aktuelle Happy End.

Manche finden ihr Happy End allein, andere mit einem Objekt der Begierde, andere indem sie eine ganze Familie gründen oder in einer bestehenden Familie ihr Glück finden. Manche finden ihr Happy End im Job. Manche finden überall ein bisschen Happy End.

Ich bin so süchtig nach Happy Ends, dass es mir völlig egal ist, welches Happy End meine Freunde, wie erreichen, solange sie immer wieder mal ihr eigenes Happy End finden.

Zu Zeiten, wo ich selbst nicht mal ein Hinweisschild auf das eigene Happy End sehe, verdonnere ich meine Freunde besonders dazu, quasi stellvertretend für mich, glücklich zu sein.

Zu Zeiten wo ich mir gar nicht vorstellen kann, etwas anderes als ein aktuelles wunderbares, kuscheliges, warmes, weiches,beschützendes Happy End zu fühlen, wünsche ich mir erst recht, dass alle um mich herum ihr persönliches Happy End finden, weil ich dann so überschwappe vor Glück, das ich einfach alle genauso glücklich sehen will.

Ich selbst weigere mich als alter Happy End Junkie also, stellvertretend glücklich zu sein. Dazu ist es zu schön. Meine Theorie ist es also, dass man süchtig nach Happy Ends werden kann.

Und ich freue mich darauf irgendwann durch meinen Freundeskreis, durch die Gesichter meiner Lieben „zappen“ zu können und mir irgendwann mal den goldenen Happy End Schuss setzen zu können.

Freunde! Macht Euch glücklich!!!!