„normal“

Als ich ein Kind war, war meine Mutter voll berufstätig. Das war aber nicht unbedingt die Norm. Es war meine Normalität aber oft war ich neidisch auf die Kinder deren Mütter Zuhause waren, die nicht in den Hort mussten oder früher noch im Kindergarten nicht gezwungen waren Mittagsschlaf zu machen oder Widerlichkeiten wie Milchreis zu essen sondern Zuhause ein liebevoll gekochtes Essen bekamen.

Im Vergleich zu meinen eigenen Kindern war ich sehr gut dran. Nicht nur, dass die beiden bereits mit einem Jahr in die Krippe kamen, so müssen sie in diversen Betreuungseinrichtungen bis fünf Uhr nachmittags ausharren und kommen dann heim in ein Zuhause wo der gesamte Haushalt noch nicht erledigt ist, so dass sie oft noch mit einkaufen müssen, geduldig auf das Abendessen warten müssen und sich am Wochenende selbst beschäftigen müssen bis der Hausputz der Woche erledigt ist. Sie beschweren sich darüber nicht. Für die beiden ist das die Normalität und sie wissen genau, dass es vielen ihrer Freunde ähnlich geht.

Jetzt hatte ich zwischen zwei Kitaschließtagen einen extra Tag frei. Es hätte sich nicht gelohnt bei fünf freien Tagen einen zwischendurch in die Arbeit zu gehen. Die Kinder waren also in Schule und Kindergarten. Ich habe eingekauft, mich um den Balkon und ein bisserl um den Haushalt gekümmert. Ich habe mit den Kindern Einladungen für einen Kindergeburtstag gebastelt und überhaupt eine Menge geschafft. Ich hatte sogar ein wenig Zeit für mich selbst. Und dann ist das seltsame passiert. Da war er der Gedanke in meinem Kopf: „Schön, endlich auch mal einen Tag eine „normale“ Mama zu sein.“ Ja es war ein schöner Tag. Aber warum meine ich, dass es „normal“ ist? Weder in meiner Kindheit noch jetzt ist das auch nur irgendwie die Norm. In meiner Kindheit war das die Norm der anderen. Warum habe ich und vermutlich haben wir immer noch dieses Bild im Kopf, dass eine Mama zuhause sein muss?

Ich glaube, das liegt daran, weil wir dies bereits als Kinder als Norm vermittelt bekommen haben. Weil das auch jetzt von so vielen noch als die bessere Norm vermittelt wird. Eine „gute“ Mutter ist daheim und kümmert sich um alles zu einer Zeit, dass es die Familie weder mitbekommt noch mithelfen muss.

Ich bin sicher niemand, der dieses Bild propagiert oder lebt. Und trotzdem ist es immer noch in meinem eigenen Kopf. Und vermutlich auch in den Köpfen der meisten anderen. Wir bekommen ein schlechtes Gewissen eingepflanzt und es ist ganz einfach, weil wir die falschen Normen in unseren Köpfen haben. Mit der Realität hat das nichts zu tun.

Die goldene Frage ist: Wie verändert man die Norm in den Köpfen. Kann das bei einem selbst gelingen oder vielleicht erst bei der nächsten Generation? Sind wir verdammt unglücklich in unserer Normalität zu leben, weil sie nicht zu den Normen in unseren Köpfen passen?

Wir entscheiden uns selbst dazu glücklich zu sein! Und sich der eigenen Normen bewusst zu werden ist vielleicht der erste Schritt um sie in den Köpfen zu verändern und aufzulösen.

Ich werde mich noch gezielter auf die Suche nach meinen falschen Normen und Leitsätzen machen und hoffentlich gute Wege finden sie gerade zu rücken oder sogar zu bekämpfen.

Schrumpfen

Als Kind meint man, man würde größer, je älter man wird. Man meint, man hätte mehr Möglichkeiten. In Wirklichkeit sieht es nur so aus, als würde man größer. In Wirklichkeit wird man immer kleiner und unbedeutender. Zumindest die meisten von uns.

Unlängst hatte ich ein interessantes Gespräch mit meiner Großen.
Kind: „Erwachsene müssen ganz schön viel“
Ich: „Naja eigentlich meinen wir nur, dass wir viel müssen, manches müssen wir gar nicht“
Kind: „Doch klar musst Du. Du musst z.B. in die Arbeit, damit wir unsere Miete bezahlen können und etwas zum Essen kaufen.“
Irgendwie war ich ganz froh, dass wir an diesem Punkt unser Ziel erreicht hatten und das Gespräch unterbrochen wurde.

Erstens, weil man ja durchaus erklären könnte, dass es noch einige andere Möglichkeiten gäbe, dann aber in die Verlegenheit käme zu erklären warum man sich eben genau für dieses Müssen und nicht für anderes Müssen entschieden hat.
Zweitens, weil es traurig ist, wie sehr das eigene Kind die Begrenztheit der Mutter bereits wahrnimmt.
Als Kind hat man noch so viele Abzweigungen vor sich. Man hat noch die Chance, der Welt etwas Positives zu hinterlassen.
Als Erwachsener hat man immer weniger Abzweigungen vor sich, immer mehr „Müssen“.

Und ich persönlich hinterlasse der Welt nicht so wahnsinnig viel.
Ich arbeite als Edeltippse, da macht man die Welt nicht zu einem besseren Ort. Und außer ein paar ordentlich sortierten, abgehefteten Papierbergen bleibt nicht viel.
Ich habe keinen Garten, in den ich wenigstens einen Baum pflanzen könnte. Für ein Buch fehlt mir der Atem, die Schreibe, die Ideen.

Das Beste, was ich der Welt gegeben habe, sind diese beiden wunderbaren Kinder.

Und wenn ich als Mutter keinen Mist baue, bleiben sie womöglich so wunderbar wie sie sind.

Wecker aus der Hölle

Es gibt ja sehr unterschiedliche Methoden morgens aufzuwachen.
Jeder hat da – genau wie beim Einschlafen – seine eigenen Mittel und Wege. Wenn man dann irgendwann den Alltag konsolidiert und zusammen zieht, müssen diese Methoden entweder in Einklang gebracht werden oder neue Wege gefunden und beschritten werden.

Mein Objekt der Begierde lies sich früher grundsätzlich vom Handywecker wecken – mit Snooze-Funktion.
Ich war den größten Teil meines Lebens ein Benutzer klassischer Wecker, und das Handy war für mich nur eine Notlösung.
Die Snooze-Funktion ist dabei eine schöne Sache, aber auch gefährlich. Abgesehen davon war ich durch den ungewohnten Handywecker zu Beginn unseres konsolidierten Alltags einfach früher wach, obwohl ich länger hätte schlafen können.


Irgendwann schenkte ich dem Objekt meiner Begierde zu irgendeinem günstigen Anlass, Weihnachten oder so einen sanften Tageslichtwecker.
Mit dieser Lösung waren wir beide sehr zufrieden, bis der Nachwuchs sein Bett in unseres verlegte und unsere Aufstehzeiten wieder stärker voneinander abwichen.
Muss ich früher aufstehen, werde ich also nun von Vibrationen am Handgelenk geweckt. Die stören außer mich niemanden.
Stehen wir gemeinsam auf, weckt uns der Tageslichtwecker.
So haben wir unsere Lösungen gefunden.
Alles wunderbar.
Meistens.
Denn wenn man gern mit offenem Fenster schläft, kann man auch von Geräuschen von draußen geweckt werden.
Wie z.B. heute durch ein lautes, aus der Tiefe kommendes Rotzen und ausspucken auf der Straße.

Ein Tag, der mit einem solchen Geräusch anfängt, kann nur sehr speziell werden.

Mama ex machina

Im klassischen Theater gibt es ein Stilmittel, das “Deus ex Machina” heißt. Wenn der Held nicht mehr weiter kommt und eine Lösung unmöglich scheint, schalten sich die Götter quasi aus dem Off ein und Lösen den Knoten, damit das Theaterstück weiter gehen kann.

Ich bin ja nun mal eine Vollzeit arbeitende Mama.
Manchmal bedauere ich das, manchmal finde ich es allein als Vorbild und der Gleichberechtigung wegen ganz richtig so.
Das führt allerdings dazu, dass manche Ferientage eben auch vom Vater der beiden wunderbarsten Geschöpfen der Erde abgedeckt werden müssen. Er hat darin Übung, letztendlich hat er mit den beiden wunderbarsten Geschöpfen der Erde wahrscheinlich sogar mehr Zeit im Wachzustand verbracht, als ich (rechnet man mal die Schwangerschaften an sich raus). Trotzdem kommt es beim „erziehen“ eben manchmal zu Konflikten. Da will der Papa doch tatsächlich nicht ausschließlich Süßigkeiten erlauben, sondern besteht auf ein Salatblatt zwischendurch. Das kann dann auch hochkochen.
Irgendwann nimmt dann die große den Telefonhörer zur Hand. Was folgt ist das Stilmittel „Mama ex Machina“: Aus der Arbeit heraus muss beschwichtigt und vermittelt werden. Zum Amüsement der Kollegen.
Es könnte ja auch etwas schlimmes passiert sein. Also gehe ich dran. Und für die beiden wunderbarsten Geschöpfen der Erde ist es in dem Moment auch schlimm. Geradezu furchtbar und ohne dieses extra Stilmittel unlösbar.

Ich bin froh, dass sie mir vertrauen und ich in solchen Situationen meist wirklich auflösend wirken kann.
Trotzdem hasse ich diese Anrufe. Friedlich wäre mir lieber.
– Haben die antiken Dramatiker mal die Götter gefragt was sie von dem Stilmittel halten?

Spielplätze

Spielplätze können so unterschiedlich sein. Genauso ist die Nutzung von Spielplätzen ganz unterschiedlich. Klar, erstmal ist da die ursprünglich geplante Nutzung. Kinder gehen dorthin um zu spielen.
Allerdings habe ich durchaus Erinnerungen auch als Teenager auf verlassenen Spielplätzen auf Schaukeln mit Freunden einen geruhsamen Gedankenaustausch gehabt zu haben. Wir ließen nicht nur die Seele, sondern auch den Körper baumeln. Manchmal begegnen einem auf Spielplätzen auch saufende oder randalierende Teenager.

Und interessant ist es auch die Eltern zu beobachten. Als Kind haben mich die Eltern nicht sonderlich interessiert. Als Elter dann natürlich schon. Und auf Spielplätzen prallen die unterschiedlichen Erziehungs-ansätze wie sonst vielleicht nur auf Elternabenden aufeinander.

Natürlich gibt es in bestimmten Vierteln bestimmte Häufungen von Elterntypen, aber einige statistische Ausreißer gibt es wohl überall. Daher hier eine kleine Übersicht:

1. die Sportlichen

Diese Gruppe kommt oft mit einem halben Fuhrpark zum Spielplatz. Roller, Blades, Fahrrad mit Anhänger (in dem dann noch weitere Fahrgeräte transportiert werden), Laufrad,… Sie findet man in der Nähe von Klettergeräten, auf denen die Kinder zu Höchstleistungen angestachelt werden. Meist haben sie noch ein paar Wasserflaschen im Gepäck. Entspanntes Schaukeln ist bei dieser Gruppe so gut wie ausgeschlossen. Gesprächsthemen sind die Erfolge (nicht nur sportlicher Art) der Sprösslinge. Was Förderung betrifft, kann man sich hier sicher eine Scheibe abschneiden.
Das Leben ist ein Wettkampf, Erziehung auch.

2. die Entspannten

Diese Gruppe, sitzt meist im Rudel auf sonnigen Bänken. Es kann schon vorkommen, dass sie mal das eine oder andere Spielgerät der Kinder vergessen haben aber sie haben vermutlich an Ihren Kaffee für unterwegs gedacht. Sie beobachten, wie die Kinder sich selbst beschäftigen, in Krisensituation sind sie in der Nähe aber im Großen und Ganzen geben Sie den Kindern Raum, sich mit sich selbst zu beschäftigen und kreative Lösungen für den Ersatz der vergessenen Sandspielsachen zu finden.
Von Ihnen kann man sich gut abgucken, den Kindern Raum für sich selbst zu geben und sich selbst Raum zum Durchatmen.

3. die Helis

Ihre Kinder sind ihr höchstes Gut. Sie definieren sich über die Kinder, können sich daher mit den Sportlern durchaus messen, was Förderung und Wettbewerb betrifft. Allerdings können sie schlecht loslassen. Sie werden jeden Schritt begleiten, jeden Kletterversuch wegen zu hoher Risiken unterbinden. Erkennungszeichen ist das allgegenwärtige Desinfektionsmittel. Von Ihnen kann man sich immer wieder erinnern lassen, dass die Kinder eben wirklich unser höchstes Gut sind. Sie sind wertvoll, kostbar und schützenswert.

4. die „Speziellen“

Diese Eltern sitzen mit der Kippe neben dem Sandkasten. Manchmal haben sie auch ihre Dose Bier in der Hand. Der größte Extremfall, den ich je gesehen habe, war ein Vater, der auf einer Liege neben dem Klettergerüst lag. Auf den ersten Blick ging ich davon aus, dass ein Obdachloser hier eine gemütliche Ruhestadt gefunden hatte; als ein kleiner Junge dazu kam, konnte ich ihn als „Begleitvater“ identifizieren.
Man kann davon ausgehen, dass diese Eltern es sehr schwer haben. Es ist Ihnen also hoch anzurechnen, dass sie mit ihren Kindern zumindest auf den Spielplatz gehen. Trotz all der missbilligenden Blicke der anderen Eltern.
Von ihnen sollte man sich abgucken, nicht aufzugeben. Mehr sollte man sich allerdings besser nicht abgucken.

5. die Ernährer

Diese Eltern haben oft ein ganzes Picknick dabei. Entscheidend hier ist, dass der Nachwuchs und alle anderen Kinder auf dem Spielplatz nicht verhungern. Die Entspannten und die Speziellen wären oft aufgeschmissen ohne sie. Je nachdem wie gesund die Vorräte sind, kann man sich die Fürsorge abgucken oder eben besser nicht. Kein Essen dabei zu haben kann auch eine gute Möglichkeit sein, den Spielplatz auch irgendwann wieder ohne große Proteste der Kinder zu verlassen. Trotzdem sind die Ernährer wohl die einzigen Eltern, die von allen Kindern auf dem Spielplatz wahrgenommen werden.

6. die Junggebliebenen

Die Junggebliebenen gehen nicht nur wegen der Kinder auf den Spielplatz. Sie findet man mit leuchtenden Augen auf der Wippen, dem Karussell, dem Klettergerüst, der Rutsche oder wo eben sonst gerade Spaß ist. Sie müssen dabei aufpassen ihre Kinder nicht aus den Augen zu verlieren, sind aber generell gute Begleiter. Die Leichtigkeit und den Moment und die Möglichkeiten zu genießen sollte man sich von diesen Eltern abgucken.

Natürlich gibt es – wie überall – auch in dieser Systematik Mischtypen. Und letztendlich kann man ja wirklich niemanden einfach so in eine Kategorie stopfen, den jeder ist anders und findet seinen eigenen Weg, oder?

Zeit

Die Zeit steht still. Der Start in den Tag war durchwachsen, vieles ist nicht gelaufen, wie geplant. Es war hektisch und die Zeit ist zu schnell vergangen, wie immer, wenn ich mit den Kindern zusammen bin. Sie lassen die Zeit tanzen und rennen.
Jetzt sind die Kinder in der Kita und die Zeit steht still. Der Weg zur Arbeit zieht sich. Der Arbeitstag nimmt kein Ende. Der Weg nach Hause scheint nicht statt zu finden. Wie in Michael Endes „Momo“, in der Gasse, die zu Meister Hora führt, scheint die Zeit fast rückwärts zu laufen. Es gibt kein Vorwärtskommen zu den wurrligen, wunderbaren Kindern, die so schnell wachsen und groß werden.
Diese großartigen Menschen, die mit ihrer Neugier und ihrem Überschwang die Zeit anstupsen, bis sie einem aus den Fingern flutscht und man ihre Vergänglichkeit kaum noch begreifen kann.

Aber die Zeit dazwischen, besonders an Tagen wie diesen, gleicht es wieder aus. Sie läuft so langsam, dass man locker auf dem Heimweg ein paar Zeilen schreiben kann (wenn man nicht auf dem Fahrrad sitzt, sondern faul ist, wie ich heute). Sie läuft so langsam, dass man sich selbst beim Denken zusieht.
Und an was denke ich? An meine Kinder, die die Zeit wieder in Form stupsen und stupsen und stupsen bis sie wieder rennt.
Dabei ist doch gerade die Zeit mit ihnen so kostbar. Diese Zeit sollte langsam laufen, diese Zeit sollte nicht aufhören. Das Kuscheln, die Fragen, die Ideen, die Gedanken, die Kreativität.
Ich frage mich, wie den beiden die Zeit vorkommt. Ich haben den Eindruck, sie begegnen ihr voller Ungeduld. Es geht ihnen nicht schnell genug groß zu werden, den nächsten Geburtstag zu haben.
Nur morgens, da geht es ihnen auch zu schnell, das Aufstehen-müssen, das Fertig-machen.

Was ist die Zeit doch für ein eigenartiger, wandelbarer Begleiter.

Mit Essen spielt man nicht

Ich bin ein Mensch, der gerne mit Essen spielt.
Ich mag es in Wackelpudding Burgen mit Gräben zu bauen.
Ich sehe in den Bläschen auf meinem Kaffee die Augen eines Kaffeemonsters.
Ich finde es völlig normal, das gewickelte Croissant nach dem Backen, vor dem Verzehr wieder auseinander zu wickeln.
Ich esse gerne separiert.
Ich mag es kleine raffinierte Kanapees zusammen zu bauen.
Ich finde es befriedigend Kartoffelbrei mit Sauerkraut zu zermantschen.
Ich nage von rohen Karotten gerne erst einmal das Äußere ab…
Mein Mann ist anders sozialisiert. Leider. Ihm ist es wichtig, den Kindern ordentliche Tischmanieren vorzuleben. Und natürlich hat er damit durchaus recht.
Nur manchmal macht es mich traurig, dass ich meinen Kindern dieses spielerische nicht mitgeben kann.
Aber – zum Glück – hat er begriffen, dass ein ausgewickeltes Croissant besser schmeckt, – zum Glück – kochen die Kinder gern. Und im abgeschirmten Raum der Küche kann man viel probieren.
Und – zum Glück – hat er mit mir Geduld, wenn es mich überkommt und ich einfach nicht anders kann, als Kind zu sein.
Und dann dürfen das auch die Kinder.
Bis dahin lernen Sie dank ihm auch wie man anständig isst.

Supermom

Als Kind wollte ich (jetzt mal nur in groben Zügen), dass meine Mutter mich lieb hat, Zeit für mich hat, mich nicht zwingt saure Leber, Kalbsbries, Rosenkohl  und ähnliche Schmankerl „wenigstens zu probieren“ und mich so nimmt wie ich bin. Das Komplettpaket hat mal mehr und mal weniger funktioniert (Ein kleiner Tipp, wo es zum Beispiel chronisch weniger funktioniert hat: Ich bin nicht ohne Grund relativ früh Vegetarierin geworden, die Summe der grässlichen  Dinge die man „wenigstens probieren“ muss reduziert sich dadurch enorm).

Das Anforderungsprofil an Mütter von heute ist dagegen in meiner Wahrnehmung ein bisschen spezieller.

Mütter sollen nach wie vor Zeit haben, daher maximal Teilzeit besser gar nicht Arbeiten. Gleichzeitig sollen sie aber ein gutes Rollenvorbild sein und daher Vollzeit arbeiten, denn das sollen die braven Kinderchen ja später auch wollen. Sie sollen selbstverständlich alles selbst kochen, gesund, frisch und Bio am besten aus dem eigenen gepflegten Garten. Gekaufte Haferflocken? Pfui, da ist ja nichts mehr an gesunden Inhaltsstoffen drin!

Mütter sollen die Kinder nicht nur lieb haben sondern Freiraum lassen und gleichzeitig Grenzen setzen, keine Egoisten erziehen aber das Kind als Königskind behandeln, Fördern mit Kinderturnen, Sprach- und Musikkursen, Werk- und Bastelkursen, Ballett, Kinderyoga, Meditation und MINT-Workshops aber ja dem Kind genug Zeit zum Langweilen und selbst spielen und entdecken lassen.

Mütter sollen Geld verdienen, putzen, aufräumen, kochen, einkaufen, Faschingskostüme, Schlafanzüge, Hosen, Kleidchen selbst nähen, stricken, basteln, heimwerken, bloggen, Pflanzen ziehen,….

Und natürlich ganz wichtig, bei alle dem: Mütter dürfen sich selbst nicht vergessen, sie sollen sich genug Zeit für sich selbst nehmen. Einem oder besser mehreren schönen Hobbies nachgehen.
Hach, wie schön. Nur, tja, wann?!?

Vielleicht sollte man in manchen Dingen doch einen Schritt zurück machen, und einfach mal herausfinden, was die eigenen Kinder von einem wollen. Liebgehabt werden, angenommen werden, wie sie sind, Zeit für sie, egal in welcher Form und manchmal (wenn es überraschender Weise doch schmeckt) vielleicht sogar gezwungen werden, etwas neues oder bekanntes zum Essen zu probieren.
Ich verspreche: Leber kommt mir nicht in die Pfanne.

Netze

Ich halte nichts von Intrigen. Und ich mag es, wenn die Dinge offen ausgesprochen werden. Ich mag diese Spielchen, die überall gespielt werden, gar nicht. Und ja sie werden überall gespielt.

Das heißt nicht, dass ich sie nicht erkenne, diese feinen Gespinste aus wer kann mit wem, wer lästert über wen. Und ja ein wenig Lästern gehört dazu. (vgl. hierzu: http://www.meinetheorie.net/2010/11/13/von-affen-und-menschen/) Aber die größeren Machtspielchen und Manipulationen oder auch die größeren Bündnisse gefallen mir nicht.

Ich habe meisterhafte Manipulationen beobachtet. Die geschicktesten davon verlangen mir sogar Respekt ab auch wenn sie meist in irgendeiner Form grausam und hässlich sind. In der Regel kann ich solches Ränke schmieden relativ leicht und schnell erkennen. Ich kann mich selbst davor schützen. Was ich nicht sehr gut kann, ist meinen Lieben auf sanfte Weise vermitteln, wie sie sich schützen können und wann sie manipuliert werden. Denn entweder ich müsste sie selbst manipulieren oder eben offen und ehrlich sein. Das ist dann aber nicht mehr sanft. Manchmal sieht man also seine Lieben wie kleine Schmetterlinge auf ein Spinnennetz zu flattern und weiß einfach nicht was man tun soll. Man möchte am liebsten das Netz zerreißen und ihnen einen sicheren Flug durch die Welt ermöglichen. Aber oft kann man nur zusehen und hoffen, dass sie selbst die Kraft haben sich zu befreien.
Genauso sieht man selbst oft ein Netz, das einen sicher nicht verschlingt aber zu großen Umwegen und Anstrengungen zwingt und einen geradlinigen Weg unmöglich macht.

Ach ihr Giftspinnen da draußen, könnt ihr Euch nicht auf die Stechmücken stürzen und meine Schmetterlinge fliegen lassen?

Vom Sinn, Unsinn und der Dankbarkeit

Nun sitze ich hier also. Ich warte darauf, dass wir zum Kinderarzt aufbrechen können. Ich bin dankbar, dass unsere Gesellschaft es vorsieht, dass man als Elter von kleineren Kindern auch mal zum Versorgen der Kinder zuhause sein muss. Dass die Solidargemeinschaft einspringt und das übernimmt.

Schade finde ich, dass Eltern nicht genug vertraut wird oder zugetraut wird selbst einzuschätzen, ob das Kind nun wirklich zuhause bleiben sollte.

Die Große hat eine Erkältung. Erst fühlt es sich an wie ein verdorbener Magen, dann kommt Fieber und Schnupfen, dann wird es wieder vorbei sein. Woher ich das weiß? Weil es vor ein paar Tagen bei mir genauso war. Ich lag ein paar Tage völlig lahmgelegt im Bett und habe nicht einmal gelesen. Danach war es wieder halbwegs in Ordnung.
Sie hat die gleichen Symptome, warum also sollte es etwas anderes sein?

Natürlich geht man mit seinen Kindern kein Risiko ein. Wenn ich mir unsicher bin, gehe ich selbstverständlich mit ihnen zum Arzt.

Aber eben auch wenn ich mir sicher bin, dass es das Beste wäre, wenn sie einfach zuhause viel Tee trinken, viel schlafen und viel kuscheln und nicht in der winterlichen Kälte an der Bushaltestelle auf dem Weg zum Kinderarzt rumfrieren, um dann im Wartezimmer alles an neuen Vieren und Bakterien mitzunehmen, um das ohnehin geschwächte Immunsystem anzugreifen.
Trotzdem wir es genau so laufen, denn ich brauche ja den Wisch vom Kinderarzt um zu beweisen, dass sie wirklich krank ist.
Möglicherweise dauert es dadurch länger. Wahrscheinlich werden die ohnehin völlig überlasteten Kinderärzte von Eltern wie mir zusätzlich mehr oder weniger unnötig belastet. Mehr oder weniger, weil dieser Wisch für mich eben nötig ist.

Und so dankbar ich bin, dass ich die Möglichkeit habe mich um mein krankes Kind zu kümmern, Tee zu kochen, zu kuscheln und vorzulesen, so traurig macht es mich doch auch, dass ich mir heftige Sorgen mache, dass es meinem Arbeitgeber oder meinen Kolleginnen zuviele Fehltage werden könnten, dass ich wider meinem gesunden Menschenverstand handeln muss und mein Kind mit einer einfachen Erkältung in ein virenverseuchtes Wartezimmer setzen muss. (Übrigens auch mich selbst, mit meinem Restschnupfen.)

Das einzig Tröstliche ist, dass die Erkältungen weniger werden. Während bei meinen Krippenkindern noch der Kommentar kam: „Dein Kind ist aber ganz schön oft krank“ (laut Kinderarzt unterer Durschnitt für ein Krippenkind, aber erkläre das mal jemanden mit Kindern, die nie in einer Krippe waren oder jemandem ohne Kinder…) sind Erkältungen mittlerweile so harmlos und überschaubar, dass die vorgesehenen Betreuungstage locker reichen (besonders, da meistens eh der wunderbare Ehemann übernimmt und mir das Wartezimmer sitzen erspart). Und irgendwann, werden meine beiden besten Geschenke der Welt mich nicht mehr brauchen wenn sie krank sind. Mama-Kuscheln ist dann nicht mehr die Medizin der Wahl. Und ich fürchte, das geht ohnehin schneller als mir lieb ist.