Interaktion

In unserer ersten gemeinsamen Wohnung haben wir im Erdgeschoss gewohnt. Die Postbotin hat einfach ans Fenster geklopft, wenn sie etwas sperrigeres für uns hatte oder manchmal auch einfach nur so um einen kurzen Moment zu ratschen. Ich habe unsere Postbotin mit ihrem sonnigen Gemüt sehr gemocht. Unsere Müllmänner haben selbstverständlich zu Weihnachten eine Tüte mit Plätzchen in die Hand gedrückt bekommen.

In unserer nächsten Wohnung wohnten wir im zweiten Stock. Die Postbotin kannte ich trotzdem. Man traf sich auf dem Weg, blieb für zwei oder drei Sätze stehen. Diese trug fast immer Blumen im Haar und irgendwie hatte man den Eindruck auch oft in der Seele. Die Paketboten kannten wir nach einer Weile ebenfalls. Durch die Elternzeiten war bei uns meistens jemand da, der für das Haus die Pakete entgegen nahm und ab und zu fingen wir an, das eine oder andere zu bestellen statt in kleinen Geschäften einzukaufen. Die Müllmänner grüßten wir immerhin noch im Vorbeigehen.

In unserer nächsten Wohnung wohnten wir im vierten Stock ohne Aufzug. Und in einem Bundesland mit deutlich reglementierten Ladenöffnungszeiten. Bestellen war für uns quasi lebenswichtig um nicht jedes Buch, jedes Trum hinauf schleppen zu müssen. Und um trotz Vollzeitstellen noch das eine oder andere zu erwerben.  Und Wir bestellten alles Mögliche, besonders wenn wir krank waren und einfach vor lauter Erkältung oder sonst etwas die Kraft nicht hatten, die Stufen zu bewältigen. Die Rechnung ging nur nicht auf. Die Paketboten klingelten nicht bei uns. Selbst wenn wir den ganzen Tag zu Hause waren –weil krank- gab es gerne eine Paketbenachrichtigung im Briefkasten. Oft stiegen die Paketboten nicht einmal aus, sondern schickten die Paketbenachrichtigung gleich per Post.

Unseren Briefträger habe ich nie gesehen. Die Müllmänner nur gehört.

Aber einmal, als ich ein dringendes Paket erwartete, passte ich den Paketboten unten ab, um ihm den Weg zu sparen und sicher zu stellen, dass wir nicht wieder viel später eine Benachrichtigung per Post bekommen würden. Im Gespräch mit ihm erfuhr ich dann, was ich schon lange geahnt hatte. „Wissen sie, bei Ihrem Namen, da wissen wir schon, dass das im vierten Stock ist, da klingle ich gar nicht erst.“ Ich bin dankbar, für jeden Boten, der es auf sich nimmt bei uns zu klingeln! Und ich würde unseren Postboten gerne mal kennenlernen. Die Nähe zum Boden und damit zu den kleinen Läden, zum persönlichen Kontakt mit den Menschen, die uns das Leben leichter machen fehlt mir ungemein. Und ja, es steckt auch viel Faulheit dahinter aber vor allem das Bedürfnis die Menschen zu kennen, die wir alle brauchen und die Blumen auf ihren Seelen zu sehen.

Spießer

Ich weiß es eigentlich schon lang. Vielleicht weiß ich es sogar schon immer. Ich bin ein Spießer. Ein richtiger, echter Spießer.
Also eigentlich eine Spießerin. Nicht im Sinne von Mitläufer. Ganz im Gegenteil: Spießer ist in meiner Generation und bereits mindestens in der davor ein solches Schimpfwort, dass es fast schon wieder rebellisch ist ein Spießer zu sein.
Viele sind allerdings verkappte Spießer. Sie tragen spießige Elemente in sich – viele – nur würden sie wohl kaum dazu stehen.

Erstmal eine Definition: Wikipedia schreibt „Als […] Spießer […] werden in abwertender Weise engstirnige Personen bezeichnet, die sich durch geistige Unbeweglichkeit, ausgeprägte Konformität mit gesellschaftlichen Normen und Abneigung gegen Veränderungen der gewohnten Lebensumgebung auszeichnen.“

Was genau macht mich also zum bekennenden Spießer? Ich mag Regeln und ich halte mich an Regeln und ich ärgere mich unglaublich über Leute, die sich nicht an Regeln halten. Wenn eine Regel mich stört, nutze ich regelkonforme Wege, um mich dagegen aufzulehnen. Ich gehe zu Demonstrationen, ich wähle eine Partei, die ich persönlich für die geeignetste halte, ersetze alte sinnlose Regeln durch neue sinnvolle Regeln.
Was ich nicht mache ist Regeln, die ich für unsinnvoll halte, zu ignorieren. Genauso wenig fallen Regeln meiner Bequemlichkeit zum Opfer. Und spätestens da werde ich für unsere heutige Gesellschaft etwas absonderlich.

Und ich habe meine eigenen Regeln, die nicht in irgendeinem Gesetzestext festgeschrieben sind.
Ich fühle mich z.B. verpflichtet, was ich kann zum Erhalt unserer Erde beizutragen. Dazu gehört, dass ich in den vergangenen zehn Jahren nur viermal mit dem Flugzeug geflogen bin. Zweimal beruflich und zweimal mit der Familie einfach so zum Urlaub machen. Das ist erst einmal nicht die schlechteste Bilanz.
Ich hatte bis vor kurzem für ca. 15 Jahre kein eigenes Auto, auch mein Mann nicht; das, was ich jetzt habe, fahre ich vielleicht einmal im Monat und habe es eher, weil die Alternative wohl ein „frühes“ Verschrotten gewesen wäre.
Ich versuche Plastik zu vermeiden, kaufe regional und bio, stopfe Socken statt sie zu entsorgen und habe T-Shirts aus den frühen 80ern, die ich nach wie vor trage.
Was man eben so macht als Ökospießer.
Und auch wenn das alles heutzutage viel gepredigt wird, hört man doch öfters Gründe warum man das eine oder andere nicht beherzigt wird. (Genau wie meine fadenscheinige Autobegründung).

Ich mag kleine, alte VW Käfer oder Karman Gia lieber als neue SUVs. Ich habe tatsächlich neben Spott auch gewisse Aggressionen gegen SUVs. Diese breiten, riesigen Ungetüme, die – außer vielleicht einem Förster oder einem Bergbauern – kein normaler Mensch braucht. Wozu braucht man in der Großstadt einen Geländewagen? Nimmt doch nur Platz weg!

Ich mag Leute, die bei Rot stehen bleiben auch wenn nicht gerade ihre eigenen Kinder um sie herumstehen – einfach, weil das eine Regel ist, die in vielen Fällen sinnvoll ist und die man allen Kindern, nicht nur den eigenen vorleben sollte. Den Umkehrschluss kann man hier ruhig ziehen.

Ich mag Leute, die bereit sind ein paar Meter zu laufen und dafür korrekt zu parken. (Die Parkplatzsuche ist ja auch schwieriger durch die ganzen SUVs, die die Stadt verstopfen.) Leute hingegen, die auf Bürgersteigen parken oder fahren, bringen mich zur Weißglut und können mich zum Schimpfen und Toben bringen.

Ich mag Leute, die wenn sie das letzte Blatt einer Toilettenrolle aufbrauchen, einfach eine neue nachlegen.

Ich mag es, wenn man sich im Treppenhaus grüßt.

Und eigentlich werde ich mit vielem von dem was ich mag, eher rückwärtsgewandt als spießig.
Es entspricht schon lange nicht mehr der gesellschaftlichen Norm in einer Großstadt IMMER legal zu parken. Wer wartet heute schon immer an roten Ampeln, wenn es doch zeitsparender ist einfach zu gehen, wenn eh gerade nichts kommt?

Ich fühle mich in der gegenwärtigen gesellschaftlichen Norm eben nicht so ganz wohl und aufgehoben. Denn Regeln spielen nur dann eine Rolle, wenn sie dem eigenen Zweck dienen, wenn sie der eigenen Bequemlichkeit nicht im Wege stehen.

Nur wenn ich kein Spießer bin, was bin ich dann?

„normal“

Als ich ein Kind war, war meine Mutter voll berufstätig. Das war aber nicht unbedingt die Norm. Es war meine Normalität aber oft war ich neidisch auf die Kinder deren Mütter Zuhause waren, die nicht in den Hort mussten oder früher noch im Kindergarten nicht gezwungen waren Mittagsschlaf zu machen oder Widerlichkeiten wie Milchreis zu essen sondern Zuhause ein liebevoll gekochtes Essen bekamen.

Im Vergleich zu meinen eigenen Kindern war ich sehr gut dran. Nicht nur, dass die beiden bereits mit einem Jahr in die Krippe kamen, so müssen sie in diversen Betreuungseinrichtungen bis fünf Uhr nachmittags ausharren und kommen dann heim in ein Zuhause wo der gesamte Haushalt noch nicht erledigt ist, so dass sie oft noch mit einkaufen müssen, geduldig auf das Abendessen warten müssen und sich am Wochenende selbst beschäftigen müssen bis der Hausputz der Woche erledigt ist. Sie beschweren sich darüber nicht. Für die beiden ist das die Normalität und sie wissen genau, dass es vielen ihrer Freunde ähnlich geht.

Jetzt hatte ich zwischen zwei Kitaschließtagen einen extra Tag frei. Es hätte sich nicht gelohnt bei fünf freien Tagen einen zwischendurch in die Arbeit zu gehen. Die Kinder waren also in Schule und Kindergarten. Ich habe eingekauft, mich um den Balkon und ein bisserl um den Haushalt gekümmert. Ich habe mit den Kindern Einladungen für einen Kindergeburtstag gebastelt und überhaupt eine Menge geschafft. Ich hatte sogar ein wenig Zeit für mich selbst. Und dann ist das seltsame passiert. Da war er der Gedanke in meinem Kopf: „Schön, endlich auch mal einen Tag eine „normale“ Mama zu sein.“ Ja es war ein schöner Tag. Aber warum meine ich, dass es „normal“ ist? Weder in meiner Kindheit noch jetzt ist das auch nur irgendwie die Norm. In meiner Kindheit war das die Norm der anderen. Warum habe ich und vermutlich haben wir immer noch dieses Bild im Kopf, dass eine Mama zuhause sein muss?

Ich glaube, das liegt daran, weil wir dies bereits als Kinder als Norm vermittelt bekommen haben. Weil das auch jetzt von so vielen noch als die bessere Norm vermittelt wird. Eine „gute“ Mutter ist daheim und kümmert sich um alles zu einer Zeit, dass es die Familie weder mitbekommt noch mithelfen muss.

Ich bin sicher niemand, der dieses Bild propagiert oder lebt. Und trotzdem ist es immer noch in meinem eigenen Kopf. Und vermutlich auch in den Köpfen der meisten anderen. Wir bekommen ein schlechtes Gewissen eingepflanzt und es ist ganz einfach, weil wir die falschen Normen in unseren Köpfen haben. Mit der Realität hat das nichts zu tun.

Die goldene Frage ist: Wie verändert man die Norm in den Köpfen. Kann das bei einem selbst gelingen oder vielleicht erst bei der nächsten Generation? Sind wir verdammt unglücklich in unserer Normalität zu leben, weil sie nicht zu den Normen in unseren Köpfen passen?

Wir entscheiden uns selbst dazu glücklich zu sein! Und sich der eigenen Normen bewusst zu werden ist vielleicht der erste Schritt um sie in den Köpfen zu verändern und aufzulösen.

Ich werde mich noch gezielter auf die Suche nach meinen falschen Normen und Leitsätzen machen und hoffentlich gute Wege finden sie gerade zu rücken oder sogar zu bekämpfen.

Schrumpfen

Als Kind meint man, man würde größer, je älter man wird. Man meint, man hätte mehr Möglichkeiten. In Wirklichkeit sieht es nur so aus, als würde man größer. In Wirklichkeit wird man immer kleiner und unbedeutender. Zumindest die meisten von uns.

Unlängst hatte ich ein interessantes Gespräch mit meiner Großen.
Kind: „Erwachsene müssen ganz schön viel“
Ich: „Naja eigentlich meinen wir nur, dass wir viel müssen, manches müssen wir gar nicht“
Kind: „Doch klar musst Du. Du musst z.B. in die Arbeit, damit wir unsere Miete bezahlen können und etwas zum Essen kaufen.“
Irgendwie war ich ganz froh, dass wir an diesem Punkt unser Ziel erreicht hatten und das Gespräch unterbrochen wurde.

Erstens, weil man ja durchaus erklären könnte, dass es noch einige andere Möglichkeiten gäbe, dann aber in die Verlegenheit käme zu erklären warum man sich eben genau für dieses Müssen und nicht für anderes Müssen entschieden hat.
Zweitens, weil es traurig ist, wie sehr das eigene Kind die Begrenztheit der Mutter bereits wahrnimmt.
Als Kind hat man noch so viele Abzweigungen vor sich. Man hat noch die Chance, der Welt etwas Positives zu hinterlassen.
Als Erwachsener hat man immer weniger Abzweigungen vor sich, immer mehr „Müssen“.

Und ich persönlich hinterlasse der Welt nicht so wahnsinnig viel.
Ich arbeite als Edeltippse, da macht man die Welt nicht zu einem besseren Ort. Und außer ein paar ordentlich sortierten, abgehefteten Papierbergen bleibt nicht viel.
Ich habe keinen Garten, in den ich wenigstens einen Baum pflanzen könnte. Für ein Buch fehlt mir der Atem, die Schreibe, die Ideen.

Das Beste, was ich der Welt gegeben habe, sind diese beiden wunderbaren Kinder.

Und wenn ich als Mutter keinen Mist baue, bleiben sie womöglich so wunderbar wie sie sind.

Wecker aus der Hölle

Es gibt ja sehr unterschiedliche Methoden morgens aufzuwachen.
Jeder hat da – genau wie beim Einschlafen – seine eigenen Mittel und Wege. Wenn man dann irgendwann den Alltag konsolidiert und zusammen zieht, müssen diese Methoden entweder in Einklang gebracht werden oder neue Wege gefunden und beschritten werden.

Mein Objekt der Begierde lies sich früher grundsätzlich vom Handywecker wecken – mit Snooze-Funktion.
Ich war den größten Teil meines Lebens ein Benutzer klassischer Wecker, und das Handy war für mich nur eine Notlösung.
Die Snooze-Funktion ist dabei eine schöne Sache, aber auch gefährlich. Abgesehen davon war ich durch den ungewohnten Handywecker zu Beginn unseres konsolidierten Alltags einfach früher wach, obwohl ich länger hätte schlafen können.


Irgendwann schenkte ich dem Objekt meiner Begierde zu irgendeinem günstigen Anlass, Weihnachten oder so einen sanften Tageslichtwecker.
Mit dieser Lösung waren wir beide sehr zufrieden, bis der Nachwuchs sein Bett in unseres verlegte und unsere Aufstehzeiten wieder stärker voneinander abwichen.
Muss ich früher aufstehen, werde ich also nun von Vibrationen am Handgelenk geweckt. Die stören außer mich niemanden.
Stehen wir gemeinsam auf, weckt uns der Tageslichtwecker.
So haben wir unsere Lösungen gefunden.
Alles wunderbar.
Meistens.
Denn wenn man gern mit offenem Fenster schläft, kann man auch von Geräuschen von draußen geweckt werden.
Wie z.B. heute durch ein lautes, aus der Tiefe kommendes Rotzen und ausspucken auf der Straße.

Ein Tag, der mit einem solchen Geräusch anfängt, kann nur sehr speziell werden.

Mama ex machina

Im klassischen Theater gibt es ein Stilmittel, das “Deus ex Machina” heißt. Wenn der Held nicht mehr weiter kommt und eine Lösung unmöglich scheint, schalten sich die Götter quasi aus dem Off ein und Lösen den Knoten, damit das Theaterstück weiter gehen kann.

Ich bin ja nun mal eine Vollzeit arbeitende Mama.
Manchmal bedauere ich das, manchmal finde ich es allein als Vorbild und der Gleichberechtigung wegen ganz richtig so.
Das führt allerdings dazu, dass manche Ferientage eben auch vom Vater der beiden wunderbarsten Geschöpfen der Erde abgedeckt werden müssen. Er hat darin Übung, letztendlich hat er mit den beiden wunderbarsten Geschöpfen der Erde wahrscheinlich sogar mehr Zeit im Wachzustand verbracht, als ich (rechnet man mal die Schwangerschaften an sich raus). Trotzdem kommt es beim „erziehen“ eben manchmal zu Konflikten. Da will der Papa doch tatsächlich nicht ausschließlich Süßigkeiten erlauben, sondern besteht auf ein Salatblatt zwischendurch. Das kann dann auch hochkochen.
Irgendwann nimmt dann die große den Telefonhörer zur Hand. Was folgt ist das Stilmittel „Mama ex Machina“: Aus der Arbeit heraus muss beschwichtigt und vermittelt werden. Zum Amüsement der Kollegen.
Es könnte ja auch etwas schlimmes passiert sein. Also gehe ich dran. Und für die beiden wunderbarsten Geschöpfen der Erde ist es in dem Moment auch schlimm. Geradezu furchtbar und ohne dieses extra Stilmittel unlösbar.

Ich bin froh, dass sie mir vertrauen und ich in solchen Situationen meist wirklich auflösend wirken kann.
Trotzdem hasse ich diese Anrufe. Friedlich wäre mir lieber.
– Haben die antiken Dramatiker mal die Götter gefragt was sie von dem Stilmittel halten?

Das ganze Leben ist ein Spiel

Jeder bekommt vom Leben einige oder mehrere Karten ausgeteilt mit denen es schwierig wird ein gutes Spiel zu spielen, mit denen man kaum gewinnen kann.
Manch einer glaubt sich selbst schon als Gewinner, da bekommt er direkt den schwarzen Peter des Lebens und kann zusehen, den wieder loszuwerden. Manche schaffen es, manche nicht. Manche haben auch einfach Mitspieler, die ungünstige Karten haben und schlecht reinbuttern können, wenn es mal nötig ist.
Und genauso wie hier in dem Bild unterschiedliche Kartenspiele vermengt sind, kann man sich vielleicht ein bisschen die Regeln dieses Spiels zurecht biegen. Einen gewissen Spielraum suchen.

Vielleicht spielt auch jeder irgendwie sein eigenes Spiel und die Kunst ist es herauszufinden, welche Regeln denn nun gelten, damit man selbst siegreich aus dem Spiel hervorgeht.
Vielleicht ist das auch das Geheimnis, wie man mit den Karten, die man ausgeteilt bekommt am besten umgeht. Der eine oder andere mag in einem Spiel mit kurzen Runden gelandet sein, aber genau diese Spiele sind oft am lustigsten. In großem Chaos und mit hoher Geschwindigkeit rauscht man lachend durch das Leben.
Andere Spielen vielleicht ein hochkomplexes Spiel mit verwirrenden Regeln, ausgefeilten Strategien über einen langen Zeitraum. Auch das kann Spaß machen, mitunter aber auch frustrieren, besonders wenn man kein Meister in diesem Spiel ist.

Egal welches Spiel man spielt, muss man doch aus den eigenen Karten das beste machen, darf nicht aufgeben und hinschmeißen, sondern man will weiter machen und versuchen zu gewinnen. Egal, was die anderen über die Erfolgsaussichten denken mögen.
Bevor das Spiel nicht beendet ist, steht der Gewinner nicht fest.
Und wenn ich mich an die zahlreichen Spieleabende meiner Kindheit zurück erinnere, erinnere ich mich nicht mehr, ob ich gewonnen habe oder verloren (außer bei Wissensspielen, aber das ist ein ganz anderes Thema), sondern ich erinnere mich, dass ich Spaß hatte.
Wir alle hatten gemeinsam Spaß.

Und das ist vermutlich das eigentliche gewinnen.

Diäten

In meiner Schulzeit habe ich in einem “Rollstudio” ausgeholfen. Dort gab es Maschinen mit gedrechselten Stäben an großen Scheiben, die sich über einen Motor drehten. Auf diesen Dingern konnte man sich nach genauer Anleitung quasi durchmassieren lassen. Nach einer kurzen Pause mit einem Getränk aus Wasser, pulverisierter Molke und irgendwelchen netten Geschmäckern, ging es dann weiter an Rüttelbändern wie aus einem Jerry Lewis Film.
Ziel der Aktion, war es auf halbwegs angenehme, einfache Art das Gewebe zu straffen und den eigenen Umfang zu reduzieren.
Meine Aufgabe war es, die Molketränkchen anzurühren, Termine zu koordinieren und den erforderlichen Smalltalk zu betreiben. Dann und wann war das eine oder andere Nahrungsergänzungsmittel mit im Programm, dass dann natürlich noch vorgestellt und angepriesen werden sollte.
Bei den meisten Kundinnen (Männer habe ich dort nie gesehen), hat das Prinzip recht gut funktioniert. Ein Großteil der Kundinnen begleitete diese Anwendungen mit irgendeiner Form von Diät.
Jeder war dabei von einer anderen Diät absolut überzeugt und alles andere war sowieso nur Schwachsinn.
Ich kann sagen: Ich kenne sie aus dieser Zeit alle!
Blutgruppendiät, Trennkost, Glyx, Shakes von der einen oder anderen Marke, Ayurvedisch, Schlank über Nacht, Astro-Fasten, Aura-Abnehmen, Heilsteine, Heilerde usw. usw.
Und noch etwas kann ich sagen: Bei jedem funktioniert etwas anderes gut. Das Richtige finden, davon überzeugt sein und es dauerhaft durchziehen, war meiner Beobachtung nach, meist das Geheimnis. Interessant war nur, dass es für viele nach den ersten Erfolgen zu einer Art Religion wurde. Und zu dieser galt es alle um einen herum zu bekehren. Auch ich kann mich davon nicht frei machen. Auch ich hatte diese Momente.

Heute weiß ich, dass es darauf ankommt, etwas zu finden, dass einen in einer gewissen Weise begeistert, damit man es schafft durchzuhalten. Wenn es dazu auch Erfolge gibt, prima. Wenn es nur dazu führt, dass man sich selbst wohl fühlt, möglicherweise einfach so wie man ist, fabelhaft.

Denn letztendlich geht es doch auch darum, sich selbst zu mögen egal wie man gebaut ist.

Gute Freunde

Gute Freunde sind etwas wunderbares. Sie teilen deinen Humor und oft deine Interessen. Sie teilen Dein Leid und freuen sich aufrichtig über deine guten Stunden. Sobald das nicht mehr so ist, trennen sich die Wege dann aber leider manchmal.

Manchmal ist das vorübergehend und manchmal endgültig. Und manchmal fühlt es sich endgültig an und ist dann doch nicht von Dauer.

Auslöser für solche Brüche sind oft ganz unterschiedlich. Aber jeder kennt so etwas. Und immer gibt es mehrere Perspektiven.

Bei einigen, beschäftigt das einen kurz.
Bei anderen bleibt es immer ein wenig schmerzhaft, wie ein Stein im Schuh.

Ich habe das Glück, dass einige meiner Verluste im Lauf meines Lebens nicht endgültig waren. Ich betrachte diese Freunde als ein besonderes Geschenk. Auch wenn wir uns teilweise immer mal wieder ein paar Jahre aus den Augen verloren haben, haben wir uns trotzdem auch immer wieder gefunden. Bei denen, die man wirklich einfach nur aus den Augen verloren hat, weil die Lebensumstände oder Interessen sich irgendwann zu sehr unterschieden haben, war die Entfernung beim zweiten Mal gar nicht mehr so schlimm. Klar hat man die Freundschaft im Leben vermisst aber man wusste ja, die hält das aus und es kommen wieder Zeiten in denen man sich mehr zu sagen hat.

Bei denen, bei denen man diese Gewissheit nicht hat, weil es den Menschen, so wie man ihn kennt und liebt, irgendwie gar nicht mehr gibt, ist es immer wieder zwischendurch furchtbar. Man stolpert über ein Thema, dass den anderen früher begeistert hätte und würde es am liebsten erzählen, aber man weiß nicht einmal, ob es den neuen Menschen noch begeistern würde. In so einem Fall vermisst man mehr die eigene Vergangenheit als den Menschen.
Man hofft, dass die Dinge, die den Menschen verändert haben, irgendwann keinen Druck mehr ausüben und, dass der Mensch mehr oder weniger unbeschadet in die alte Form zurück schnalzt.

Bis dahin freut man sich über die Freunde, die einen gerade begleiten. Diese wunderbaren Menschen, mit denen man immer wieder reden kann, als sei keine Zeit vergangen egal ob zwei Tage, zwei Monate oder zwei Jahre dazwischen liegen.

Zeit

Die Zeit steht still. Der Start in den Tag war durchwachsen, vieles ist nicht gelaufen, wie geplant. Es war hektisch und die Zeit ist zu schnell vergangen, wie immer, wenn ich mit den Kindern zusammen bin. Sie lassen die Zeit tanzen und rennen.
Jetzt sind die Kinder in der Kita und die Zeit steht still. Der Weg zur Arbeit zieht sich. Der Arbeitstag nimmt kein Ende. Der Weg nach Hause scheint nicht statt zu finden. Wie in Michael Endes „Momo“, in der Gasse, die zu Meister Hora führt, scheint die Zeit fast rückwärts zu laufen. Es gibt kein Vorwärtskommen zu den wurrligen, wunderbaren Kindern, die so schnell wachsen und groß werden.
Diese großartigen Menschen, die mit ihrer Neugier und ihrem Überschwang die Zeit anstupsen, bis sie einem aus den Fingern flutscht und man ihre Vergänglichkeit kaum noch begreifen kann.

Aber die Zeit dazwischen, besonders an Tagen wie diesen, gleicht es wieder aus. Sie läuft so langsam, dass man locker auf dem Heimweg ein paar Zeilen schreiben kann (wenn man nicht auf dem Fahrrad sitzt, sondern faul ist, wie ich heute). Sie läuft so langsam, dass man sich selbst beim Denken zusieht.
Und an was denke ich? An meine Kinder, die die Zeit wieder in Form stupsen und stupsen und stupsen bis sie wieder rennt.
Dabei ist doch gerade die Zeit mit ihnen so kostbar. Diese Zeit sollte langsam laufen, diese Zeit sollte nicht aufhören. Das Kuscheln, die Fragen, die Ideen, die Gedanken, die Kreativität.
Ich frage mich, wie den beiden die Zeit vorkommt. Ich haben den Eindruck, sie begegnen ihr voller Ungeduld. Es geht ihnen nicht schnell genug groß zu werden, den nächsten Geburtstag zu haben.
Nur morgens, da geht es ihnen auch zu schnell, das Aufstehen-müssen, das Fertig-machen.

Was ist die Zeit doch für ein eigenartiger, wandelbarer Begleiter.