Jahresgespräch mit dem Nikolaus

Neulich haben meine Kinder das erste Mal privat den Nikolaus getroffen, samt Krampus.

Eigentlich viel zu spät, da die Große schon vor zwei Jahren an Heilig Abend ein klärendes Gespräch unter vier Augen eingefordert hatte und die Kleine – nun ja – eben fast in diesem Alter ist, wo die Realität plötzlich ganz groß und stark wird. Tatsächlich hat an diesem Abend diese Realität wohl etwas früher als geplant übernommen, da es ein Knabe nicht lassen konnte sie auf die Tatsache hinzuweisen, dass der Nikolaus nicht echt und eben nur verkleidet sei.

Trotzdem war es ein interessanter Abend. Wir waren zu dieser Nikolausfeier mit vielen Kindern eingeladen. Und eines ist mir dabei klar geworden: Der „Life-Nikolaus“ im privaten Rahmen ist letztendlich das erste Jahresgespräch, das Kinder haben.

Wir hatten im Vorfeld unsere Bewertung in Form von ein paar Stichpunkten abgegeben. Kein professioneller Bewertungsbogen aber die Aufforderung Stärken und Schwächen auf einer DIN A 4 Seite zusammen zu schreiben ging dem vorraus.

Der Nikolaus baute daraus mit den Kindern ein ziemlich qualifiziertes Jahresgespräch auf.

Zunächst kam ein wenig Lob, dann Kritik mit einem gehörigen Anteil Selbstreflektion, dann noch ein bisschen projektbezogenes Lob und dann ein Gesamturteil mit Zielsetzung für das kommende Jahr.

Ich frage mich, was das mit den Kindern macht, dieses frühe Training für ein Leben als Angestellte, die zumindest wichtig genug sind für Zielvereinbarungen aber nicht wichtig genug um einfach ihr Ding zu machen.

Unsere Kinder haben die Chance ja weitgehend verpasst, bei uns kam der Nikolaus einfach so über Nacht. Sie mussten für ihre Gratifikation kein Gespräch führen. Wäre ein früher Nikolaus, das Geheimnis zum Erfolg gewesen? Oder haben wir es doch genau richtig gemacht? Sie einfach so zu nehmen wie sie sind ohne Zielvereinbarungen?

Hätte ich womöglich Karriere gemacht, wenn meine Eltern nur öfters jemanden in ein Kostüm gesteckt hätten? Wer weiß?

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