Sieg für den inneren Schweinehund

Ich nehme heute Abschied von einen treuen Begleiter. Mein Schrittzähler und ich werden getrennte Wege gehen. 2011 also vor nunmehr acht Jahren hat eine Freundin mir das erste Modell geschenkt. Das Ding hat mich Tag und Nacht begleitet, bis es den Weg alles irdischen gegangen ist und durch ein neues Modell ersetzt wurde.

So habe ich acht Jahre lang meinen Schlaf verfolgt, meine Schritte gezählt und was weiß ich was noch alles „getrackt“.

Das war für mich immer mit einem gewissen Grauen verbunden, weil so viele Daten über mich gesammelt wurden. Wenigstens wußte ich, dass es an kleinerer Stelle gesammelt wurde und nicht in einen der riesigen Datenpools gelaufen ist. Jetzt ist das Unternehmen von einem der drei Riesen gekauft worden. Und so sehr es mir zu einer lieben Gewohnheit geworden ist mich noch zu den letzten Schritten anzufeuern um wenigstens meine 10.000 voll zu kriegen, werde ich mich nur von dem Schrittzähler trennen. Keine „gemeinsamen Spaziergänge“ mehr mit den Freunden aus anderen Ländern. Kein Nachweis, wie schlecht ich geschlafen habe. Mein Wort muss genügen, meine Selbstdisziplin muss wieder größer werden um mich selbst zu ein wenig Bewegung zu ermuntern.

Ob der innere Schweinehund nun endgültig siegt oder nur einen Zwischensieg erlangt, wird die Zeit zeigen. Das Netzt wird auf jeden Fall mal wieder enger.

Und ja, natürlich st auch dieses Blog aus Datensicht fragwürdig und viele andere Dinge die ich tue auch. Es wird ein ewiges Kosten-Nutzen-Abwägen bleiben, bei dem wir alle nur verlieren können.

Fünf Phasen der Überstunden

Überstunden sind manchmal etwas wie ein kleiner Tod. Meistens macht es mir gar nichts aus, wenn ich ein bisschen länger bleiben muss. Klar verbringe ich lieber Zeit mit meinem Mann und meinen Kindern, nichts desto trotz ist es auch befreidigend, wenn man etwas fertig stellen kann. Es gibt aber auch Tage an denen sind Überstunden das letzte was man braucht. Wenn man einen Termin hat, wenn man nicht fit ist, wenn man Geburtstag hat. Vor ein paar Tagen war mal wieder einer dieser Gründe da. Ich war mal wieder dumm genug an meinem Geburtstag nicht frei zu nehmen und bereits drei Tage vorher war klar, dass es ein laaaaanger Tag werden würde. Wärend ich da so saß, merkte ich, dass dieser kleine Tod genauso die Sterbephasen nach Kübler-Ross auslöst (ich habe darüber bereits an anderer Stelle geschrieben: http://www.meinetheorie.net/2009/11/30/sterbephasen/) wie andere einschneidende Ereignisse.

Man leugnet zunächst, dass das Unvermeidliche eintreten wird. „Ich schaffe das schon, so spät wird es kaum werden“.

Wenn einem dann klar wird, dass man eben doch laaange sitzen wird, fängt die Wut an. Auf einen selbst und den Rest der Welt. Man möchte fluchen und schreien.

Ist diese kurze Phase vorbei, träte bei Kübler-Ross das Verhandeln ein. Das äußert sich hier allerdings anders. Galgenhumor macht sich bemerkbar. Mir fallen selten so gute rabenschwarze Witze ein, wie in solchen Momenten. Irgendwann, schwappt das dann über in pure echte Verzweiflung „Ich werde NIE fertig“. Zum Glück hält diese Phase nicht lange an. Gerade wenn dann die Akzeptanz kommt, ist man meistens fertig.

Betrachtet man die längste Phase mit den Witzen, ist es dann eigentlich schon fast wieder gut – und man geht befreit heim.

Jahresgespräch mit dem Nikolaus

Neulich haben meine Kinder das erste Mal privat den Nikolaus getroffen, samt Krampus.

Eigentlich viel zu spät, da die Große schon vor zwei Jahren an Heilig Abend ein klärendes Gespräch unter vier Augen eingefordert hatte und die Kleine – nun ja – eben fast in diesem Alter ist, wo die Realität plötzlich ganz groß und stark wird. Tatsächlich hat an diesem Abend diese Realität wohl etwas früher als geplant übernommen, da es ein Knabe nicht lassen konnte sie auf die Tatsache hinzuweisen, dass der Nikolaus nicht echt und eben nur verkleidet sei.

Trotzdem war es ein interessanter Abend. Wir waren zu dieser Nikolausfeier mit vielen Kindern eingeladen. Und eines ist mir dabei klar geworden: Der „Life-Nikolaus“ im privaten Rahmen ist letztendlich das erste Jahresgespräch, das Kinder haben.

Wir hatten im Vorfeld unsere Bewertung in Form von ein paar Stichpunkten abgegeben. Kein professioneller Bewertungsbogen aber die Aufforderung Stärken und Schwächen auf einer DIN A 4 Seite zusammen zu schreiben ging dem vorraus.

Der Nikolaus baute daraus mit den Kindern ein ziemlich qualifiziertes Jahresgespräch auf.

Zunächst kam ein wenig Lob, dann Kritik mit einem gehörigen Anteil Selbstreflektion, dann noch ein bisschen projektbezogenes Lob und dann ein Gesamturteil mit Zielsetzung für das kommende Jahr.

Ich frage mich, was das mit den Kindern macht, dieses frühe Training für ein Leben als Angestellte, die zumindest wichtig genug sind für Zielvereinbarungen aber nicht wichtig genug um einfach ihr Ding zu machen.

Unsere Kinder haben die Chance ja weitgehend verpasst, bei uns kam der Nikolaus einfach so über Nacht. Sie mussten für ihre Gratifikation kein Gespräch führen. Wäre ein früher Nikolaus, das Geheimnis zum Erfolg gewesen? Oder haben wir es doch genau richtig gemacht? Sie einfach so zu nehmen wie sie sind ohne Zielvereinbarungen?

Hätte ich womöglich Karriere gemacht, wenn meine Eltern nur öfters jemanden in ein Kostüm gesteckt hätten? Wer weiß?