Autos

Als ich frisch meinen Führerschein gemacht hatte, bin ich sehr gerne mit dem Auto gefahren. Mein erstes eigenes Auto bedeutete für mich ein Versprechen von Freiheit und Unabhängigkeit.

Ich hatte immer einen kleinen Beutel im Handschuhfach mit Zahnputzzeug, Deo und einer Ersatzunterhose für den Fall, dass ich ganz spontan in den Urlaub fahren würde. Ich bin NIE ganz spontan mit dem Auto in den Urlaub gefahren.

Irgendwann hing eine Kassette im Autokassettenrecorder fest, weshalb ich nur noch diese anhören konnte. Das Auto war geflickt und zusammengestöpselt. Am Ende waren sogar Kinderknete und eine leere Klopapierrolle verbaut. Und irgendwann ging das Auto den Weg alles Irdischen… in eine Schrottpresse.

Zum Glück konnte ich mir hier und da ein Auto leihen, wenn ich wirklich eines brauchte aber ich stellte recht bald fest, dass ich immer seltener ein Auto brauchte. Ich bin sehr gern zu Fuß unterwegs. Ich fahre gerne mit der Tram oder mit dem Bus. Und auch mit Kindern finde ich das wesentlich angenehmer.
Klar, viele Ausflüge, die andere mit dem Auto ganz selbstverständlich machen, machen wir nicht. Und wenn andere Familien ganz selbstverständlich davon erzählen, fehlte es mir oft ein Auto zu haben.

Nun haben wir seit einiger Zeit ein Auto übernommen. Es ist schon ziemlich klapprig. Den nächsten TÜV wird es vermutlich nicht überleben. Und es ist schön, von Zeit zu Zeit einen Ausflug zu machen. Aber die meiste Zeit steht es herum. Die meiste Zeit möchte ich nicht damit fahren. Schon gar keine kurzen Stecken. Die Parkplatzsuche danach lohnt sich selten. Und die ganz langen Strecken würde weder das Auto noch ich (weil untrainiert) schaffen.

Ich habe mich weg entwickelt vom Autofahrer zum Fußgänger. Und ich finde das eigentlich sogar ganz gut. Mein Radius ist kleiner, aber ich habe mehr Ruhe. Ich brauche länger um die Dinge zu erledigen, aber dafür verbringe ich diese Zeit gemeinsam mit meinen Kindern, statt sie quengelnd hinter mir sitzen zu haben.

Und ich weiß, dass ich einen winzigen Teil dazu beitrage, dass meine Kinder auch noch ein bisschen von dieser Welt haben. Was mir aber auch abhanden gekommen ist, ist das Verständnis für diejenigen, die meinen ohne Auto ginge es nicht. Denn ich kenne das Leben ohne Auto. Und ich weiß, das es geht. Die Entscheidung hierfür muss man selbst treffen aber es ist ein Gewinn.

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