Interaktion

In unserer ersten gemeinsamen Wohnung haben wir im Erdgeschoss gewohnt. Die Postbotin hat einfach ans Fenster geklopft, wenn sie etwas sperrigeres für uns hatte oder manchmal auch einfach nur so um einen kurzen Moment zu ratschen. Ich habe unsere Postbotin mit ihrem sonnigen Gemüt sehr gemocht. Unsere Müllmänner haben selbstverständlich zu Weihnachten eine Tüte mit Plätzchen in die Hand gedrückt bekommen.

In unserer nächsten Wohnung wohnten wir im zweiten Stock. Die Postbotin kannte ich trotzdem. Man traf sich auf dem Weg, blieb für zwei oder drei Sätze stehen. Diese trug fast immer Blumen im Haar und irgendwie hatte man den Eindruck auch oft in der Seele. Die Paketboten kannten wir nach einer Weile ebenfalls. Durch die Elternzeiten war bei uns meistens jemand da, der für das Haus die Pakete entgegen nahm und ab und zu fingen wir an, das eine oder andere zu bestellen statt in kleinen Geschäften einzukaufen. Die Müllmänner grüßten wir immerhin noch im Vorbeigehen.

In unserer nächsten Wohnung wohnten wir im vierten Stock ohne Aufzug. Und in einem Bundesland mit deutlich reglementierten Ladenöffnungszeiten. Bestellen war für uns quasi lebenswichtig um nicht jedes Buch, jedes Trum hinauf schleppen zu müssen. Und um trotz Vollzeitstellen noch das eine oder andere zu erwerben.  Und Wir bestellten alles Mögliche, besonders wenn wir krank waren und einfach vor lauter Erkältung oder sonst etwas die Kraft nicht hatten, die Stufen zu bewältigen. Die Rechnung ging nur nicht auf. Die Paketboten klingelten nicht bei uns. Selbst wenn wir den ganzen Tag zu Hause waren –weil krank- gab es gerne eine Paketbenachrichtigung im Briefkasten. Oft stiegen die Paketboten nicht einmal aus, sondern schickten die Paketbenachrichtigung gleich per Post.

Unseren Briefträger habe ich nie gesehen. Die Müllmänner nur gehört.

Aber einmal, als ich ein dringendes Paket erwartete, passte ich den Paketboten unten ab, um ihm den Weg zu sparen und sicher zu stellen, dass wir nicht wieder viel später eine Benachrichtigung per Post bekommen würden. Im Gespräch mit ihm erfuhr ich dann, was ich schon lange geahnt hatte. „Wissen sie, bei Ihrem Namen, da wissen wir schon, dass das im vierten Stock ist, da klingle ich gar nicht erst.“ Ich bin dankbar, für jeden Boten, der es auf sich nimmt bei uns zu klingeln! Und ich würde unseren Postboten gerne mal kennenlernen. Die Nähe zum Boden und damit zu den kleinen Läden, zum persönlichen Kontakt mit den Menschen, die uns das Leben leichter machen fehlt mir ungemein. Und ja, es steckt auch viel Faulheit dahinter aber vor allem das Bedürfnis die Menschen zu kennen, die wir alle brauchen und die Blumen auf ihren Seelen zu sehen.

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