Wecker aus der Hölle

Es gibt ja sehr unterschiedliche Methoden morgens aufzuwachen.
Jeder hat da – genau wie beim Einschlafen – seine eigenen Mittel und Wege. Wenn man dann irgendwann den Alltag konsolidiert und zusammen zieht, müssen diese Methoden entweder in Einklang gebracht werden oder neue Wege gefunden und beschritten werden.

Mein Objekt der Begierde lies sich früher grundsätzlich vom Handywecker wecken – mit Snooze-Funktion.
Ich war den größten Teil meines Lebens ein Benutzer klassischer Wecker, und das Handy war für mich nur eine Notlösung.
Die Snooze-Funktion ist dabei eine schöne Sache, aber auch gefährlich. Abgesehen davon war ich durch den ungewohnten Handywecker zu Beginn unseres konsolidierten Alltags einfach früher wach, obwohl ich länger hätte schlafen können.


Irgendwann schenkte ich dem Objekt meiner Begierde zu irgendeinem günstigen Anlass, Weihnachten oder so einen sanften Tageslichtwecker.
Mit dieser Lösung waren wir beide sehr zufrieden, bis der Nachwuchs sein Bett in unseres verlegte und unsere Aufstehzeiten wieder stärker voneinander abwichen.
Muss ich früher aufstehen, werde ich also nun von Vibrationen am Handgelenk geweckt. Die stören außer mich niemanden.
Stehen wir gemeinsam auf, weckt uns der Tageslichtwecker.
So haben wir unsere Lösungen gefunden.
Alles wunderbar.
Meistens.
Denn wenn man gern mit offenem Fenster schläft, kann man auch von Geräuschen von draußen geweckt werden.
Wie z.B. heute durch ein lautes, aus der Tiefe kommendes Rotzen und ausspucken auf der Straße.

Ein Tag, der mit einem solchen Geräusch anfängt, kann nur sehr speziell werden.

Mama ex machina

Im klassischen Theater gibt es ein Stilmittel, das “Deus ex Machina” heißt. Wenn der Held nicht mehr weiter kommt und eine Lösung unmöglich scheint, schalten sich die Götter quasi aus dem Off ein und Lösen den Knoten, damit das Theaterstück weiter gehen kann.

Ich bin ja nun mal eine Vollzeit arbeitende Mama.
Manchmal bedauere ich das, manchmal finde ich es allein als Vorbild und der Gleichberechtigung wegen ganz richtig so.
Das führt allerdings dazu, dass manche Ferientage eben auch vom Vater der beiden wunderbarsten Geschöpfen der Erde abgedeckt werden müssen. Er hat darin Übung, letztendlich hat er mit den beiden wunderbarsten Geschöpfen der Erde wahrscheinlich sogar mehr Zeit im Wachzustand verbracht, als ich (rechnet man mal die Schwangerschaften an sich raus). Trotzdem kommt es beim „erziehen“ eben manchmal zu Konflikten. Da will der Papa doch tatsächlich nicht ausschließlich Süßigkeiten erlauben, sondern besteht auf ein Salatblatt zwischendurch. Das kann dann auch hochkochen.
Irgendwann nimmt dann die große den Telefonhörer zur Hand. Was folgt ist das Stilmittel „Mama ex Machina“: Aus der Arbeit heraus muss beschwichtigt und vermittelt werden. Zum Amüsement der Kollegen.
Es könnte ja auch etwas schlimmes passiert sein. Also gehe ich dran. Und für die beiden wunderbarsten Geschöpfen der Erde ist es in dem Moment auch schlimm. Geradezu furchtbar und ohne dieses extra Stilmittel unlösbar.

Ich bin froh, dass sie mir vertrauen und ich in solchen Situationen meist wirklich auflösend wirken kann.
Trotzdem hasse ich diese Anrufe. Friedlich wäre mir lieber.
– Haben die antiken Dramatiker mal die Götter gefragt was sie von dem Stilmittel halten?

Das ganze Leben ist ein Spiel

Jeder bekommt vom Leben einige oder mehrere Karten ausgeteilt mit denen es schwierig wird ein gutes Spiel zu spielen, mit denen man kaum gewinnen kann.
Manch einer glaubt sich selbst schon als Gewinner, da bekommt er direkt den schwarzen Peter des Lebens und kann zusehen, den wieder loszuwerden. Manche schaffen es, manche nicht. Manche haben auch einfach Mitspieler, die ungünstige Karten haben und schlecht reinbuttern können, wenn es mal nötig ist.
Und genauso wie hier in dem Bild unterschiedliche Kartenspiele vermengt sind, kann man sich vielleicht ein bisschen die Regeln dieses Spiels zurecht biegen. Einen gewissen Spielraum suchen.

Vielleicht spielt auch jeder irgendwie sein eigenes Spiel und die Kunst ist es herauszufinden, welche Regeln denn nun gelten, damit man selbst siegreich aus dem Spiel hervorgeht.
Vielleicht ist das auch das Geheimnis, wie man mit den Karten, die man ausgeteilt bekommt am besten umgeht. Der eine oder andere mag in einem Spiel mit kurzen Runden gelandet sein, aber genau diese Spiele sind oft am lustigsten. In großem Chaos und mit hoher Geschwindigkeit rauscht man lachend durch das Leben.
Andere Spielen vielleicht ein hochkomplexes Spiel mit verwirrenden Regeln, ausgefeilten Strategien über einen langen Zeitraum. Auch das kann Spaß machen, mitunter aber auch frustrieren, besonders wenn man kein Meister in diesem Spiel ist.

Egal welches Spiel man spielt, muss man doch aus den eigenen Karten das beste machen, darf nicht aufgeben und hinschmeißen, sondern man will weiter machen und versuchen zu gewinnen. Egal, was die anderen über die Erfolgsaussichten denken mögen.
Bevor das Spiel nicht beendet ist, steht der Gewinner nicht fest.
Und wenn ich mich an die zahlreichen Spieleabende meiner Kindheit zurück erinnere, erinnere ich mich nicht mehr, ob ich gewonnen habe oder verloren (außer bei Wissensspielen, aber das ist ein ganz anderes Thema), sondern ich erinnere mich, dass ich Spaß hatte.
Wir alle hatten gemeinsam Spaß.

Und das ist vermutlich das eigentliche gewinnen.

Müde

Manchmal bin ich einfach müde. Ob das an der Zeitumstellung liegt oder Frühjahrsmüdigkeit ist oder einfach eine Alltagsmüdigkeit weiß ich nicht. Es ist eine bleierne Müdigkeit, die sich über alles legt. Mein Bett zieht mich an wie ein riesiger starker Magnet, der in der Lage ist Fleisch und Knochen anzuziehen. Aber das Bett hält nicht, was es mir heimlich versprochen hat. Es lässt mich nicht aus einem erfrischenden kurzen Mittagsschlaf erwachen sondern spuckt mich aus, frierend, knatschig und müder als zuvor.
Das Bett ist so ein Lügner, wenn es um den seltenen, wunderbaren, luxuriösen Mittagsschlaf geht.

Einzig im Hochsommer, wenn man über jede Erfrischung dankbar ist, und die Mittagshitze zäh über die Stadt fließt, wenn man das Haus nur Nachts verlassen möchte, um nicht zu einer breiigen Masse zu werden, unfähig zu denken, unfähig sich groß zu bewegen, dann – ja dann – lässt einen das Bett nicht mehr frieren. Dann schläft man gar nicht erst ein vor Hitze. Man liegt dann da, schwitzt, ist erschöpft und müde, so müde.

Dornröschen hatte wohl ein zuverlässigeres Bett. Allerdings wäre es wenig alltagstauglich, wenn man gleich 100 Jahre schlafen würde.
Eine viertel Stunde, eine Stunde, was weiß ich.
Vielleicht meint es mein Bett also doch gut mit mir. Vielleicht ist es eher ein „Genug gefaulenzt, Dein Alltag bleibt nicht wie bei Dornröschen stehen, der geht immerzu weiter, und weiter und weiter.

Braves Bett!
Nur das mit dem Frieren …