Rad fahren

Ich bin kein Radfahrertyp. Nach oben buckeln und nach unten treten war noch nie mein Ding.

Ich finde Radfahren hat per se etwas würdeloses. Egal wie schön das Fahrrad ist, der Radler oben drauf sieht nicht schön aus für mich. Noch bemitleidenswerter sehen dicke Menschen auf dem Fahrrad aus. Noch lächerlicher sehe ich auf einem Fahrrad aus. Untrainiert, fett und mit hochrotem Kopf, das monströse Hinterteil wabert in langsamen fast schon meditativen Wellenbewegungen schwerfällig von links nach rechts. An einem kalten Morgen streicht der Dampf meines Schnaufens einer alten Dampflok gleich um mein hochrotes Gesicht. Selbst schnelle Fußgänger überholen mich, ganz zu schweigen von den gefühlt drei Millionen Radfahrern die mich morgens auf dem Weg zur Arbeit (überwiegend rechts) überholen.

Ich habe sie ALLE von hinten gesehen und niemand sieht elegant aus. Egal wie trainiert und fit. Ihre Würde und Eleganz und Schönheit gewinnen sie in dem Moment zurück, in dem die Ampel auf Rot schaltet und sie absteigen.

Denn das muss man festhalten. Sobald Radfahrer ihr würdeloses Fortbewegungsmittel verlassen, geben sie sehr häufig einen sehr ästhetischen Anblick ab (nun gut, ich vermutlich nicht, ich habe wie gesagt einen hochroten Kopf und von Fitness kann bei mir keine Rede sein).

Warum ich trotzdem auf einmal mit dem Rad fahre? Weil ich Bewegung brauche. Ich habe keine Zeit für Sport bzw. ich nehme sie mir nicht, weil ich meine wenige freie Zeit lieber mit meinen Kindern verbringe. Um aber noch genug Lebenszeit zu haben, die ich mit den Kindern verbringen kann, ist es an der Zeit mehr Bewegung in mein Leben zu bringen.

Meine Mutter fährt so ziemlich alles mit dem Rad. Sie ist immer mit dem Fahrrad unterwegs. Und neben meiner Schwester, ist sie einer der körperlich fittesten Menschen, die ich kenne. Sie fährt aber auch sehr gerne Rad.

Ich habe großen Respekt für Menschen, die sich auf diesen zwei Rädern durch das Leben bewegen. Nicht aus ästhetischer Sicht, aber was die Dressur des inneren Schweinehundes, die körperliche Fitness und die Zähigkeit betrifft, auf jeden Fall.

Trotzdem gibt es einige Dinge, die ich nicht ganz verstehe. Warum nur überholen Radfahrer in München grundsätzlich rechts? Ich bin langsam und habe jedes Verständnis für andere Radfahrer, Jogger, Hunde, Marienkäfer und Schnecken, die mich überholen wollen. Während die Schnecken einfach Gas geben müssen, können Radfahrer aber auch einfach klingeln. Um Platz zu machen reicht selbst meine Geschwindigkeit. Und warum bin ich das einzige Mal, wo ich überholt habe (es ging bergab, da habe ich mehr Schwung als andere) angespuckt worden? Vielleicht weil ich links überholt habe? Und warum begreifen so viele den Radweg (wie auch den Gehweg) in der angeblichen Radlstadt München als Parkstreifen? Und warum kratzt das außer mir niemanden? Die Fragen werden jeden Tag mit jeder Fahrt mehr. Da sehne ich mich doch allein deswegen zurück zu den Tramfahrten, bei denen ich einfach meinen Gedanken nachhängen konnte, ohne dauernd von meinen Fragen unterbrochen zu werden.

Mal sehen, wie lange ich den Schweinehund im Griff behalte….

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.