Sorgen

Ich mache mir eigentlich immer wegen irgendetwas Sorgen.
Sind die einen erfolgreich bekämpft, kommen schon die nächsten.

Manche würden sagen ich bin zu negativ oder mache mir zu viele Gedanken. Ich würde sagen, ich habe eben einfach genug Vorstellungskraft, dass ich Dinge weiter voraus denken kann und mir die möglichen dramatischen Konsequenzen eben ganz plastisch in allen Farben und Schattierungen vorstellen kann. Das kann ich auch nicht abstellen.
Mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt, habe für die meisten Eventualitäten einen Plan B, C, D usw. (das Alphabet hat ja zum Glück viele Buchstaben) und freunde mich eben einfach mit den Sorgen an.

Denn im Grunde genommen sind sie meine treuen und zuverlässigen Verbündeten. Ohne sie hätte ich wohl nicht mal einen Plan B. Wenn dann etwas passierte, könnte ich nicht reagieren. Sie begleiten mich auf Schritt und Tritt und sorgen dafür, dass ich nie einsam bin, denn mindestens die Sorgen sind ja immer bei mir.
Sorgen mache ich mir in der Regel um andere. Je mehr Menschen ich liebe, desto zahlreicher und größer die Sorgen.

Nur manchmal, ganz selten, lassen einen selbst die zuverlässigsten Sorgen im Stich. Dann setzt das Frühwarnsystem aus und man wird von Dingen überrumpelt. Es gibt Dinge die sind so schrecklich, dass sie meinem Hirn zu abstrakt sind.
Natürlich weiß man, dass dieses oder jenes passieren könnte, aber die Konsequenzen sind so immens, das man sich mit der blühendsten Phantasie nicht vorstellen kann, wie die genau aussehen. Also bleiben diese Sorgen klein und abstrakt, bis sie plötzlich riesig, übermächtig, real und greifbar werden.
Das sind dann keine guten Freunde mehr sondern Schreckgespenster, die einen vor sich her jagen und nur noch funktionieren lassen. Die einen hetzen und kaum die Luft zum Atmen lassen. Die einen zwischendurch überrennen und auf einem herumtrampelt, mit einem ringen und einen niederstrecken, bis man sie bezwungen hat, dressiert oder besiegt hat. Sie handzahm mit sich herum schleppt. Dann sind sie wieder mehr oder weniger drollige Begleiter, die einen etwas verschroben werden lassen.
Die Narben von diesen Kämpfen trägt man (meist unsichtbar) mit sich. Sie verändern einen und man weiß plötzlich, welche Bestien in den kleinen Begleitern schlummern können.

Und jetzt Platz und Ruhe ihr Sorgen.
Gut das ihr da seid, aber bleibt bloß brav!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.