Komplott

Ich habe allmählich den Verdacht, dass mein Handy ein Komplott gegen mich führt.

Zunächst hatte ich, wie sich das für einen gesunden Paranoiker gehört alle anderen in Verdacht. Die eine Kollegin muss mich im sozialen Netzwerk blockiert haben. Mein Mann hat vergessen mir eine Nachricht zu schreiben usw. oder ich hatte die Technik der in Verdacht. Falsch geklickt, Handy kaputt, Bug im System.
Die Vorfälle der Unerreichbarkeit häuften sich.
Aber jetzt ist es mir klar:
Mein Handy ist schuld. So muss es einfach sein. Und es hat alle anderen Geräte aufgehetzt!
Nachrichten erreichen mich nicht, ich werde blockiert und die anderen, die mich gerne erreichen würden, klagen über den Verlust der kompletten Handlungsfähigkeit ihrer Endgeräte und Anwendungen.
Die Welt dreht sich um mich – um mich zu isolieren macht die Technik alles.

Und das alles nur, ja nur, weil ich es genossen habe.

Ja ich gebe es zu, ich habe es genossen, als mein Handy krank war und ich es nicht nutzen konnte. Ich habe diese neue alte Verbindlichkeit bei Verabredungen geschätzt. Ich fand es gut nicht erreichbar zu sein. Ich war zufrieden, meine Nachrichten leicht zeitverzögert auf Papier zu lesen. UND ICH BEREUE NICHTS!

Low-Performer

Je größer ein Unternehmen ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass man auf
diverse sogenannte Low-Performer trifft.
Die Gründe hierfür sind meiner Vermutung nach, ganz unterschiedlich. Daher möchte ich hier und heute meine eigenen Unterkategorien von Low-Performern (im Folgenden LP) öffnen:

1. Der LP by Choice: Dieser LP hat sich irgendwann einmal dazu entschieden, eine ruhige Kugel zu schieben. Er hat das Talent seine Aufgaben zu begrenzen und zu reduzieren. Er ist der Meister des Minimums. Er hat eine schier unendliche Geduld. Er ist absolut langeweiletolerant. Und je kleiner das Unternehmen desto begabter muss er
nach wie vor sein, besonders beschäftigt auszusehen. Dieser LP ist der LP den sich alle anderen vorstellen, wenn sie an LPs denken.

Dabei werden seine besonderen Talente allerdings völlig außer Acht gelassen. Nur jemand der seine Aufgaben extrem effizient erledigen kann, hat trotzdem noch die Zeit nichts zu tun.
Ein solcher LP kann möglicherweise mit der richtigen Aufgabe neu motiviert werden. Entscheidend für den Erfolg dieses Vorhabens ist aber sicher der ursprüngliche Grund,
warum sich der LP entschieden hat zu dem zu werden, dass er ist.
Zumeist geht ein solcher LP ursprünglich aus einem der anderen Typen hervor, weshalb es sich lohnen dürfte, diese genauer zu beleuchten.

2. LP durch unübersichtliche Anwesenheit:
Dieser LP ist oft nur ein LP auf Zeit.
Er hatte vielleicht länger Urlaub oder war öfters krank oder in Elternzeit. Möglicherweise hat er auch ein Teilzeitmodell mit unregelmäßigen Arbeitszeiten; also Anwesenheit nicht jeden Tag oder an manchen Tagen länger und an manchen kürzer.
Diejenigen, die Arbeit zu vergeben haben, haben diesen Mitarbeiter aus diesem Grund vielleicht einfach gar nicht auf dem Radar. Sofern derjenige nicht während seiner Abwesenheit durch einen äußerst effizienten High-Performer ersetzt wurde, gibt sich das Problem von selbst, sobald er wieder ganz klar als anwesend wahrgenommen wird. Es sei denn, er nimmt es persönlich und ist aus lauter Frust darüber ständig übergangen zu werden zum LP by Choice geworden. Ist dies passiert, wird sein Ego erst einmal aufpoliert werden müssen und ihm oder ihr klar gemacht werden müssen, dass er oder sie wirklich wahrgenommen und wertgeschätzt wird.

3. LP durch mehr oder weniger ausgeprägte Inkompetenz: Dieser LP ist einfach, sagen wir mal, nicht ganz so gut in dem was er tut wie seine direkten Kollegen. Sobald also Arbeit zu verteilen ist, wird diese nach Möglichkeit auf magische Weise eher an die äußerst fähigen Kollegen verteilt statt an ihn. Die Folge davon ist, dass der LP weder Erfahrungen sammeln kann, noch sich verbessern kann. Die Kluft wird größer, die Leistung kleiner.
Dieser LP ist besonders gefährdet zum Typ 1 zu werden, da es einen starken Impuls entweder von ihm selbst oder von außen bedarf, um diesen Teufelskreis zu durchbrechen. Oft ist sein einziger Ausweg ein Neuanfang in einer Umgebung in der sein Ruf als weniger kompetent nicht bereits verfestigt ist.

4. Der Side Kick: Dieser LP ist sehr nah verwandt mit dem Typ 3. Der Side Kick ist
eng vernetzt mit einem äußerst produktiven und fähigen Mitarbeiter.
Oft handelt es sich um einen direkten Kollegen, einen Teil eines zweier Teams. Der Side Kick weiß, dass der andere die Arbeit besser macht. Der andere weiß es genauso und wird den Teufel tun, etwas von seiner Arbeit abzugeben. Trotzdem hat der Side Kick eine wichtige Funktion. Er hält den High-Performer bei Laune und bei Kräften. Er hört ihm zu und nimmt Anteil und sorgt dadurch dafür, dass dieser dem Unternehmen erhalten bleibt.
Die große Überraschung kommt in der Regel dann, wenn der High-Performer irgendwann aus Überlastung zusammenbricht oder einfach nicht mehr bei Laune ist und geht. Dann nämlich, ist es der Side Kick, der auf einmal ohne Probleme den Laden schmeißt und selbst zum neuen High-Performer wird.

5. Der Neid-LP: Manche Menschen müssen sich mit starkem Neid auseinander setzen.
Andere bekommen mehr Anerkennung, bessere Fortbildungen, interessantere Aufgaben oder der Neider findet womöglich sogar heraus, dass andere mehr verdienen. Beim Neider kann das dazu führen, dass die Motivation völlig flöten geht.
Der Neider wird nach einem entsprechenden Auslöser möglicherweise sehr schnell aufhören ordentlich zu arbeiten. Zerfressen von Neid wird er in seiner Unzufriedenheit
fehleranfälliger. Aus lauter Trotz und Rachewunsch, macht es ihm wenig aus,
wenn etwas liegen bleibt oder schief läuft. Dieser LP ist vielleicht der
gefährlichste Typ.

6. Der Nachahmer: Der Nachahmer ist verwandt mit dem Neid-LP, aber bei weitem nicht so gefährlich.
Der Nachahmer hat als Begründung für seine mangelnde Einsatzbereitschaft einzig,
dass die anderen ja auch nichts tun. Dieser Vergleich mit den anderen ist aber schon die einzige Gemeinsamkeit mit dem Neider. Sobald nämlich bei ihm der Eindruck entsteht, dass alle ordentlich zu tun haben, packt auch er wieder an, wie es eben nötig ist. Er wird nie zum High-Performer werden aber er kann an sich ein ordentlicher Kollege und Mitarbeiter sein.

7. Der LP aus Langeweile: Der LP aus Langeweile ist vielleicht der interessanteste Typ. Dieser LP ist häufig vielseitig begabt oder geschult. Er hat möglicherweise schon riesen Dinger gestemmt. Er ist oft extrem effizient und strukturiert.
Er ist schlicht unterfordert von seinen Aufgaben. Und er langweilt sich fast zu Tode. Aus ihm wird niemals ein Typ eins werden. Auch er ist in der Lage Däumchen zu drehen, aber aus einem Zwang. Möglicherweise tut er deshalb nichts, weil sein Vorgänger für die gleichen Aufgaben eben viel mehr Zeit benötigt hat.
Er scheut den Konflikt, der entsteht, wenn er anderen die Arbeit streitig macht. Also
vegetiert er in seiner abgrundtiefen Langeweile vor sich hin. Er dürstet nach
Arbeit und stürzt sich daher auf jede Aufgabe mit Genuss und Inbrunst. Das
führt dazu, dass er auch diese in allerkürzester Zeit erledigt hat und zurückfällt in die stumpfsinnige, ermüdende, alles zerfressende Langeweile.
Der LP aus Langeweile ist selten mutig und so verharrt er oft zu lange in dieser misslichen Situation, schlicht aus der Angst die Sicherheit des vertrauten aufzugeben.

8. Der Abschied: Manche Mitarbeiter verlassen aus dem einen oder anderen Grund ihren Platz.
Vielleicht gehen sie in Elternzeit oder wechseln das Unternehmen oder die Abteilung oder gehen in Rente.
Wenn sie rechtzeitig mit ihrer Übergabe beginnen können, diese ordentlich vorbereitet haben und „im Guten“ gehen und daher eine strukturierte, vernünftige Einweisung vornehmen, sind ihre Aufgaben vielleicht bald erledigt. Sie werden zunehmend als die
graue Eminenz im Hintergrund auftauchen und sich damit abfinden müssen, immer weniger zu tun zu haben, bis sie ihre neuen Aufgaben -als Elter, Rentner oder sonst- angehen können. </br>Nach langer Zeit als normaler Mitarbeiter oder High-Performer haben diese Menschen plötzlich nicht mehr viel zu tun.

Die einen nutzen diese Ruhephase um liegen gebliebenes aufzuarbeiten, die anderen suchen sich kurze neue Projekte und manche fangen an über Abschiede zu philosophieren. Alles in allem ist dieser Typ kein echter LP sondern nur ein temporärer LP.

Das sind so die Typen, die mir in den letzten Jahren über den Weg gelaufen sind. Ich
freue mich, wenn sich in den Kommentaren noch weitere Entdeckungen finden.

Kampferprobt

Es gibt ein interessantes Phänomen, wenn mehrere Männer aufeinander treffen, die
ihren Wehrdienst abgeleistet oder sogar verlängert haben. Sobald klar ist, dass sich zwei Exemplare dieser Spezies aufeinander treffen, wird genauestens
geprüft, um was für ein Gegenüber es sich handelt.

War er ein Luftsack, Seesack oder Drecksack? KSK? Welche Zusatzausbildungen hat
er? Wüste, Eis und spätestens dann steige ich regelmäßig aus weil dann nur
noch Abkürzungen kommen deren Bedeutung ich mir zwar habe erklären lassen, die
ich aber niemals wieder geben könnte.

Danach wird mit persönlichen Anekdoten und gemeinsamen Vorgesetzten eine Annäherung vollzogen.
Man(n) versichert sich gegenseitig, was für ein harter Kerl man doch ist, was man alles aushält und wie entspannt die Zeit nach der Grundausbildung dann war. Wer mehr Abkürzungen gesammelt hat ist härter und krasser und überhaupt. (Der Sieger in diesem Spiel in meinem Bekanntenkreis ist übrigens dann wieder ganz bescheiden, vermutlich allein schon weil seine Einsätze so geheim waren, dass er nicht darüber sprechen darf).

Ich habe dieses kleine Ritual bisher immer belächelt. Bis mir vor ein paar Jahren dann aufgefallen ist bzw. ich die Theorie aufgestellt habe, dass manche Frauen genau das gleiche haben.
Um genauer zu sein haben Mütter dieses Ritual. Und die Geburten sind dabei das Kriterium. </br>Treffen mehrere Mütter aufeinander und die Sprache kommt auf das Thema Geburt und die Mütter sind unter sich geht es los:
Natürliche Geburt mit oder ohne PDA, Saugglocke, Kaiserschnitt. Wehen wie lang? Gibt es Kampfverletzungen? Wo wie groß und in welcher Form, usw.

Danach wird mit Anekdoten über die Väter oder Kinder eine Annäherung vollzogen. Frau versichert sich gegenseitig was man geschafft hat und wie toll die Kinder doch sind und überhaupt.

Man kann da mitmachen oder es bleiben lassen. Auf jeden Fall, kann man es genauso belächeln.

Der Unterschied ist, denke ich, nur der, dass bei den Männern der „Unterlegene“
sich danach trotzdem wie ein ganzer Kerl fühlt, der an seine besondere Zeit
des Kerl seins zurück denken kann.

Bei Frauen, fühlt sich die „Unterlegene“ dann wie der letzte Versager, weil sie nicht in der Lage war zum genauen Geburtstermin eine perfekte Geburt ohne PDA oder
sonstige Hilfsmittel hinzulegen.
Dass sie in ihrem Körper trotzdem einen Menschen zusammengebaut hat, der ihr in der Regel lieb und teuer ist, vergisst sie dann womöglich sogar für einen Moment. Das ist nicht genug.

Warum eigentlich?