Gefällt mir

In einem früheren Beitrag habe ich bereits über das Revierverhalten in sozialen Netzwerken geschrieben. Dazu gehört bei Facebook wahrscheinlich auch, dass ein Nutzer Kommentare eines anderen mit „Gefällt mir“ markiert.

Viele Menschen schimpfen über das gehäufte „liken“ auf Facebook (Ja, in der Umgangssprache gibt es bereits diesen Anglizismus). Jeder haut auf so ziemlich alles ein „Gefällt mir“. Und es liegt nahe, dass es dabei in manchen Fällen wirklich darum geht, eine Reviermarkierung zu hinterlassen.
In anderen Fällen geht es möglicherweise darum indirekt oder sogar direkt zu provozieren. Durch ein falsches „Like“ ist sicher schon so manche Teenagerträne geflossen z.B. weil der Schwarm aus der Nachbarklasse das Bild einer anderen mit „Gefällt mir“ markiert hat.

Auch in späteren Beziehungen kann so etwas zum Knatsch führen. Und wer will schon die „Likes“ eines Verflossenen verfolgen. (Natürlich machen das sehr viele auf völlig masochistische Weise. (vgl. dazu http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/574956/Schluss-mit-Schlussmachen).

Allerdings kann man diese Kultur des Gefallens auch anders
betrachten.

In einem früheren Beitrag („Ponyhof und Streichelzoo“) habe ich festgestellt, dass, auch wenn unser Leben viel komplizierter durch soziale Netzwerke ist, eigentlich eine heile Welt dargestellt wird. Und so ist es doch auch hier, wenn man die bereits
erwähnten Schattenseiten außer Acht lässt.
Mir ist das konkret aufgefallen, weil mein Freund meine Urlaubswünsche an gemeinsame Freunde „geliket“ hat. Das tat mir unglaublich gut. Im Alltagsstress wäre sicher kaum die Zeit, dass er mir sagt „Hey, dass Du den beiden einen schönen Urlaub
gewünscht hast, fand ich richtig gut.“ Und genau weil für so etwas kaum Zeit ist, wäre es mir auch höchst sonderbar vorgekommen, wenn es so gewesen wäre.

Betrachten man das ganze also etwas genauer, so verteilt man, mit einem Klick, seine Wertschätzung. Dein Kleid gefällt mir. Auch wenn ich so etwas schon auch mal zu x-beliebigen Fremden auf der Straße sage, wenn es sich so verhält, so behalten die meisten Menschen im „echten“ Leben so etwas doch eher für sich. Manche kommen sich aufdringlich vor oder kriecherisch. Die meisten Menschen sind aufrichtige Komplimente nicht einmal mehr gewöhnt und haben immer erst einmal den Verdacht, der andere hätte irgendwelche Nebenabsichten.
All dies fällt in der virtuellen Welt offensichtlich weg.

„Das Bild von Dir gefällt mit, da siehst Du gut aus“ – ein klick.
„Du hast aber einen süßen Hund“ – ein klick.
„Es freut mich, dass Du einen schönen neuen Job gefunden hast“ – ein klick.
„Was Du zu sagen hast interessiert mich“ – ein klick.
„Ich bin ganz Deiner Meinung“ – ein klick.
„Du hast aber eine schöne neue Handtasche“ –ein klick.
„Das sieht lecker aus, was Du da gekocht hast, Du musst ein toller Koch sein“ – ein
klick….

Meine Theorie ist diesmal: „Likes“ sind virtuelle Komplimente und wir sollten uns ein Beispiel an unserem virtuellen Verhalten nehmen und öfter mal einfach so sagen, wenn uns an unseren Mitmenschen etwas gefällt.
Im Normalfall bekommt man dann sogar ein reales Lächeln zurück.