Veränderungen

Ich glaube Veränderungen sind ein wenig paradox in unserer Wahrnehmung.

Sie können zur exakt selben Zeit total Furcht einflößend und
gleichzeitig wunderbar wohlig sein.
Sie können gleichzeitig rasend schnell und trotzdem schrittchenweise daher kommen.

Trotzdem kann man über Veränderungen einiges feststellen. Dem Otto-Normalverbraucher machen Veränderungen in der Regel Angst. Egal wie
freudig sie nebenbei begrüßt werden.
Natürlich gibt es die ganz mutigen, denen das nichts ausmacht, oder die spontanen Menschen die so sehr in der Veränderung selbst verhaftet sind, dass ihnen eher Stillstand Angst machen würde.
Aber, wie gesagt, den meisten Menschen machen Veränderungen eine riesen Angst.

Und mit Angst geht jeder wieder anders um.

Verdrängung ist ein ganz interessanter Weg: „Ich fange zwar bald einen neuen Job an, aber vor dem ersten Arbeitstag mache ich mir da keine Gedanken“.

Überplanen ist eine Strategie: „Mir macht es keine Angst umzuziehen aber so
viel Stress weil ich ja noch Telefon kündigen, Nachmieter suchen, Strom
ablesen lassen, Adressänderungen an die blinde Urgroßtante vierten Grades
schicken, usw. muss“.

Aggressivität ist auch sehr beliebt, wenn auch unter Umständen nicht ganz so sinnvoll: „Klar freue ich mich auf unseren Nachwuchs und jetzt geh mir aus dem Weg Du Arsch“ (Ob Teenagerschwangerschaften etwas mit den vermehrten Prügelleien in S-Bahnen zu tun haben? Zugegeben in öffentlichen Verkehrsmitteln wird wohl jeder
aggressiv, auch die, die in den letzten 50 Jahren außer beim Wetter keine
Veränderungen im Leben hatten).

Euphorie ist wohl die schönste Möglichkeit mit der Angst umzugehen. Der Körper wird vor lauter Panik so mit Adrenalin überflutet, dass das sogenannte „Veränderungs-High“ einsetzt oder so.

Manchmal, ganz selten, ist aber die Vorfreude einfach so stark, dass sie alles andere verschwinden lässt. Die Angst ist dann wie ein frisch angepiekster Luftballon, der in sich selbst zusammenschrumpft.
Und wenn sich niemand die Mühe macht ihn wieder aufzupusten, dann bleibt er auch ganz klein, nicht weg aber ganz klein.