Irre ist menschlich


Donatella Marazziti, eine Psychiaterin aus Pisa fand heraus, dass bei frisch verliebten Menschen der Serotoninspiegel im Blut auf einkrankhaft niedriges Niveau absinkt. Erst nach ca. 18 Monaten normalisiert sich dieser Zustand wieder (vgl. Kast, Bas: Die Liebe oder wie sich die Leidenschaft erklärt, Frankfurt am Main 2006,S. 89f.).

Das überrascht nicht weiter. Kennen wir doch alle Beschreibungen wie jemand ist „verrückt vor Liebe“, „liebestrunken“ oder „krank vor Liebe“.

Jeder kennt das Gefühl, wenn die Gedanken um das Objekt der Begierde kreisen, ohne vernünftige Grenzen einzuhalten.

Jeder weiß, wie es ist, wenn man die Gefühlsachterbahn eines frisch verliebten Menschen auf und ab rast.

Jeder kennt die Situationen, in denen man durch einen anderen Menschen so zufrieden wird, dass man ein Dauergrinsen gar nicht mehr aus dem Gesicht wischen kann.

Jeder kennt die totale Verzweiflung, wenn diese Gefühle nicht erwidert werden und das totale Glück, wenn sie es werden.

Wenn wir verliebt sind, sind wir irre!

Da stellt sich für mich die Frage, ob irre Menschen nicht vielleicht viel intensiver Leben? Und sind nicht vielleicht sogar glückliche irre Menschen glücklicher?

Und wie intensiv nehmen wir alles wahr, wenn wir verliebt sind?

Ist nicht genau dieser Irrsinn es, der das Menschsein ausmacht? Diese Intensität?

Meine Theorie ist es, dass verliebt sein uns menschlicher macht. Gerade weil wir dadurch so wunderbar irre werden.

Wir kämpfen beinahe aussichtslose Kämpfe, wir legen eine Engelsgeduld an den Tag, wir sind netter zu unseren Mitmenschen als gewöhnlich, haben bessere Laune, riskieren mehr, leben das Leben in volle Zügen…

Mich würde interessieren, war andere darüber denken. Liebestrunkene wie nüchterne Menschen…

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