Bücher und zweite Chancen

Ich habe ja die Theorie, dass es für jedes Buch für jeden Menschen den richtigen
Zeitpunkt zum Lesen des Buches gibt.

Es kann also passieren, dass man richtig gute Bücher weglegt, weil das Timing einfach nicht stimmt. Vielleicht nimmt man es Jahre oder auch nur ein paar Wochen später zur Hand und plötzlich begeistert einen das Buch so sehr, dass man es plötzlich sogar zu den Lieblingsbüchern zählt. Andersherum kann einem auch der größte Müll Spaß machen und man hält ihn mit guten Erinnerungen im Gedächtnis, obwohl es einem wegen der Reaktion anderer auf diese Begeisterung, vielleicht sogar ein wenig
peinlich ist.

Ich bin mir also fast sicher, dass jedes weggelegte Buch im Grunde genommen eine zweite Chance verdient. Leider gibt es so viele gute und schlechte Bücher, dass man oft nicht die Gelegenheit hat oder die Muße sich dem weggelegten Buch erneut zu widmen. Wer weiß vielleicht hätte mich Sophie Kinsellas Shopoholic Reihe, bei einem weiteren Anlauf, total für sich begeistern können?

Im Moment lese ich „a dirty Job“ und dies ist ein Buch, das eine zweite Chance bekommen hat. Beim ersten mal bin ich gerade mal bis zur Seite 31 gekommen. Jetzt lege ich das Buch kaum aus der Hand. Ich weiß nicht was sich verändert hat, aber ich frage mich welche Bücher noch eine zweite Chance verdient haben könnten? Irgendwelche Vorschläge?

Es liegt was in der Luft

Manchmal ist das ja wirklich komisch. Wenn es kommt, kommt es geballt.

Das fängt schon in kleinen Alltagsbereichen an. Es gibt z.B. Tage an denen ganz viele Leute irgendwie aggressiv sind, sich weniger gefallen lassen, schnell ausflippen.
Es gibt auch Tage an denen ganz viele Menschen um einen herum irgendwie
unglücklich sind. Manchmal herrscht auch eine Aufbruchs- oder Umbruchsstimmung. Letztes Jahr haben mir viele erzählt, es sei das Jahr der Trennungen und großen, neuen Lieben. Dieses Jahr erzählen mir sehr viele von beruflichen Veränderungen. (Und sicher nicht nur wegen irgendwelcher Krisen).


Manche sind geneigt das alles auf das Wetter zu schieben. Kaum wahrscheinlich, wenn es über die Grenzen hinweg so funktioniert. Ich glaube, vielmehr, dass da einfach eine Idee oder ein Konzept oder eine Stimmung in der Luft liegt, die sich in Windeseile verbreitet, ansteckt… Ähnlich wie ein Ohrwurm, der sich Morgens in der S-Bahn verteilt und einem Abends wieder begegnet. Ein Ideenäther über den sich alles verbreitet, wenn die Zeit dazu reif ist. Ich persönlich habe die Schnauze voll von schlechten „Ideen“. Ich glaube ich werde versuchen meine Antennen neu zu justieren, so dass ich einfach nur noch gute Ideen empfangen (und senden) kann.

Schweinehunderziehung

Irgendwie steht man ja sehr oft im Kampf gegen den inneren Schweinehund. Und ich habe mich schon oft gefragt, warum manche in diesem Kampf so erfolgreich sind und
manche so gar nicht erfolgreich sind.

Bis mir klar geworden ist, dass das alles eine Frage der Erziehung des Schweinehunds ist.

Stubenrein wird ihn noch fast jeder bekommen, den kleinen Scheißer, aber die hohe Kunst der Schweinehunderziehung beherrschen nur wenige. Eine sehr gute Freundin ist Meisterin der Schweinehunddressur.

Leider verrät sie keinem ihr Geheimnis.


Man kann also nur beobachten und dann durch Versuch und Irrtum erschließen
was es genau ist, das den Schweinehund spuren läßt. Manchmal geht es in die
richtige Richtung, manchmal fängt er an sich in seiner Überlegenheit zu
suhlen. Mein Schweinehunddressurakt geht zwar sicher über die Stubenreinheit
hinaus, aber es wäre doch schön, wenn er auch für mich durch brennende Reifen
springen würde. Hat also irgendjemand vielleicht einen Tipp zur Schweinehunddressur für mich?

Sinn des Lebens

Wie vielen Anderen passiert es auch mir gelegentlich, dass ich ein wenig über den
Sinn des Lebens nachgrüble. Und wenn man sich mit den Menschen über dieses
Thema unterhält, bekommt man sehr unterschiedliche Antworten. Kinder in die
Welt setzen, frei sein, die Welt zu einem besseren Ort machen, Karriere
machen, etwas lernen, die Fehler des vorherigen Lebens ausgleichen,
vorbereiten auf das nächste Leben, Gottes Plan erfüllen, … Meine Theorie
dazu habe ich von anderen bisher nicht gehört. Dabei ist sie in meiner
Wahrnehmung zugleich befreiend (weil jeder Druck von einem genommen wird) und
tröstend (weil auch blöde Geschehnisse ihre absolute Berechtigung gewinnen).
Geht man von einem christlichen Konzept des Sterbens und Lebens nach dem Tod
aus (oder von einem Konzept mit Wiedergeburt nach Wiedergeburt bis zum
Nirvana) stoßen wir an das Konzept der Ewigkeit (oder zumindest an eine sehr
lange Zeitspanne). Auf jeden Fall ist das ganz schön lang.

Lange Zeit kann aber auch Langeweile mit sich bringen. Meine Theorie ist es also, dass der Sinn des Lebens darin besteht, möglichst viele Geschichten für die Ewigkeit
zu sammeln. Wenn man dann im Nirvana rumgondelt oder auf seiner Wolke sitzt,
hat man sofern man sein Leben gut und sinnerfüllt gelebt hat, wenigstens einiges
zu erzählen. Und das Gute ist, schlimme Geschichten, Peinlichkeiten,
unangenehme Erfahrungen und seltsame Zeitgenossen geben vermutlich die
lustigsten Geschichten ab. Also egal was Ihr tut…sammelt dabei ordentlich
Geschichten…sonst wird es ganz schön langweilig, so auf die Ewigkeit…

Plätzchen

Meine Theorie zur Vorweihnachtszeit handelt vom Plätzchen backen und die geht so:

Plätzchen backen ist indirekt proportional zum Plätzchen essen.

Ich habe immer schon ganz gerne gebacken aber nie richtig viele Sorten, obwohl das durchaus einer der Lebensbereiche ist, in dem ich einen gewissen Ehrgeiz an den Tag lege.

Meine familieninternen Vorlagen sind da auch recht hoch. Der Plätzchenrekord meiner Lieblingstante steht z.B. bei über zwanzig Sorten in nur einem Jahr.

Trotzdem habe ich viele Jahre die Zehnermarke nicht überschritten. Bis ich aufgehört habe Plätzchen zu essen. Seitdem ergreift mich der Backwahn. Ich gehöre der seltsamen, saisonal begrenzten Sekte der Powerbäcker an. Im ersten Jahr des Plätzchenzölibats habe ich es auf sage und schreibe 16 Sorten gebracht. Im zweiten Jahr bereits auf 17 Sorten. Vor zwei Jahren habe ich neben einem fünfsortigen Vanillekipfertestlauf noch weitere 16 Sorten fabriziert.

Zunächst nahm ich an ich sei ein Einzelfall. Allerdings begegnen mir zunehmend Powerbäcker die ebenfalls den Plätzchenkonsum verweigern.

Dieses Jahr habe ich das erste Mal seit Jahren keine Lust zum backen.

Ob das bedeutet dass ich wieder Plätzchen essen werde? (Ich hoffe nicht!)

Natürliche Enthropie

Wir alle kämpfen täglich gegen die natürliche Enthropie der Welt.

Beständig sind wir dabei Ordnung ins Chaos zu bringen, zu putzen und zu räumen. Manche mehr, manche weniger. Und trotzdem wissen wir, dass wir gegen dieses Naturgesetz keine Chance haben. Wir kämpfen eine verlorene Schlacht. Jeder kennt das Phänomen, wenn man bei sich zu Hause eine gezielte Putz- und Aufräumaktion
gestartet hat, dass der errungene Zwischensieg nicht von Dauer ist, dass
bereits eine Stunde später alles nach einem Neubeginn der Aktion schreit.

Etwas anders verhält es sich in Büros. Dort gibt es „gute Geister“ die einem
helfend zur Seite stehen. Wenn man Glück hat, ist man nicht selbst der
kämpferische gute Geist, sondern derjenige, der vielleicht höchstens ab und
zu mit Verwunderung feststellt, dass sich das Chaos wie von Zauberhand in
Ordnung verwandelt, dreckiges Geschirr wie von selbst in der Spülmaschine
oder sogar sauber im Schrank verschwindet. Die „guten Geister“, die hinter
dieser Aufhebung des kosmischen Strebens nach Unordnung stecken, werden meist
Teamassistenzen, Sekretärinnen, Empfangsassistenzen oder ähnliches genannt.
Und manchmal fluchen sie innerlich über den Kampf gegen die natürliche
Enthropie – sie nennen das dann nur anders. (Ich habe das zu manchen Zeiten „Sales“
genannt – nix für ungut Larry Du bist eine der Ausnahmen…)